Chapter 4
by
Daemony
What's next?
Der Morgen danach
Thomas schreckte hoch.
Ein Keuchen blieb ihm im Hals stecken, als wäre er aus tiefem Wasser aufgetaucht. Sein Körper richtete sich ruckartig auf – dann erstarrte er.
Licht strömte durch die hohen Fenster. Sanftes, goldenes Morgenlicht tauchte die verblasste Tapete in sanfte Farbtöne, Staubkörnchen tanzten durch die Lichtstrahlen. Irgendwo hinter den Wänden zwitscherten Vögel. Das Haus, dieses Haus, schien jetzt ruhig zu sein. Völlig normal.
Aber er war es nicht mehr.
Sein Atem ging flach und unregelmäßig. Ein Film aus Schweiß klebte an seiner Haut – jetzt kühl und trocknend. Die Bettdecken lagen verheddert zu seinen Füßen. Seine Soutane war nirgends zu sehen. Er blickte nach unten.
Er war nackt.
Und er fühlte sich ... wund.
Nicht verletzt. Nicht angeschlagen. Aber unbestreitbar benutzt. Sein Körper trug die unverkennbaren Spuren von tief empfundener Lust. Seine Oberschenkel schmerzten. Auf seiner Brust waren schwache rote Male zu sehen, als hätte man ihn zu fest gepackt. Und zwischen seinen Beinen – der Beweis. Unwiderlegbar. Die Laken waren fleckig und feucht.
„Nein“, flüsterte er. „Nein, nein ...“
Er presste seine Handflächen gegen sein Gesicht, als wolle er die Erinnerung zurück an ihren Platz drängen – oder sie wegwischen.
Aber die Erinnerung kam nicht wieder.
Nur Fragmente. Flüchtige Eindrücke. Ihr Lachen, nah und atemlos. Das Gewicht von jemandem auf ihm. Das Gefühl von Fingern, die über seine Rippen glitten. Lippen – nicht ganz real – drückten sich gegen seinen Mund. Ein Rhythmus. Eine Hingabe.
Dann ihr Körper unter ihm. Ihre Beine um seinen Rücken geschlungen. Seine Hüften stießen nach vorne.
Bilder, die zu real waren, um nur Einbildung zu sein.
Er sprang aus dem Bett und stand auf, erschüttert von dem Schock. Seine Beine drohten ihn im Stich zu lassen. Er klammerte sich keuchend an den Bettpfosten. „Das ist nicht passiert“, sagte er in die Stille hinein. „Das kann nicht sein. Es war ein Traum.“
War es das?
Er floh aus dem Haus. Barfuß, mit zerzaustem Haar und schief geknöpftem Hemd. Seine Soutane fand er nicht.
Von diesem Tag an sagten die Gemeindemitglieder, er sei stiller geworden, distanziert und oft in Gedanken versunken.
Viele Male kehrte er zum Wyndgrace House zurück. Er folgte dem gewundenen Weg zur Eingangstür, die für ihn nie verschlossen war. Aber das Herrenhaus war still und leer.
Kein Kerzenlicht, kein Lachen, kein Tee.
Keine Eleonore.
Er ging durch die Flure, wo Schatten hartnäckig an den Ecken klebten. Er trat vorsichtig über verzogene Dielen und öffnete Türen, an die er sich zuvor nicht herangetraut hatte. Jedes Mal erwartete er etwas. Eine Stimme. Einen Atemzug. Ein Flüstern an seinem Hals. Aber alles, was er fand, war stiller Verfall.
Im Salon brannte kein Feuer. Der Spiegel war verstaubt.
Das Schlafzimmer war immer aufgeräumt. Makellos.
Er legte sich auf das Bett, allein und einsam. Und als er auf der schmalen Grenze zwischen Wachsein und Schlaf lag, roch er den Duft von Rosen. Schwach. Unmöglich. Er hing in der Luft. Er hörte Gelächter, leise wie der Wind, das aus dem Nichts kam.
Und er spürte die Spur eines Kusses ... irgendwo zwischen Glückseligkeit und Sünde. Er flüsterte ihren Namen.
„Eleonore.“
Und sein Körper reagierte jede Nacht, als wäre es das erste Mal. Seine Hand griff instinktiv zu seinem Schoß, spürte die pochende Härte und umklammerte sie. Sein Keuchen verwandelte sich in Stöhnen, das Stöhnen in Schluchzen und das Schluchzen in Schreien.
„ELEONORE!“
In diesem einen unbewachten Moment danach lächelte er. Ein Lächeln voller Traurigkeit und Sehnsucht und etwas, das verdächtig nach Zufriedenheit aussah.
Und wenn man in der Nähe vorbeiging – wenn man leise genug war –, hätte man schwören können, ihr Lachen zu hören.
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Teestunde mit Eleonore
Eine Frau blass wie Mondlicht, in einem weich fließenden Kleid...
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