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Chapter 3
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Der Einzug
Nach dem Abi hatte sich Sophie bewusst für ein Studium der angewandten Mathematik und künstlichen Intelligenz entscheiden, auch wenn dies bedeutete, dass sie aus dem wohlbehüteten Elternhaus in eine weit entfernte fremde Stadt ziehen und auf eigenen Füßen stehen musste.
Für Brigitte war es gar keine Frage, dass sie ihre Freundin an dieselbe Uni begleitete. Mehr aus Verlegenheit denn echtem Interesse schrieb sie sich in irgendwas mit Medien ein. Vielleicht, sagte sie sich, konnte ihr das ja eine Karriere als Influencerin eröffnen.
Für Sophie war es eine böse Überraschung, dass es nicht nur schwer, sondern geradezu unmöglich war, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Trotz aller Bemühungen landeten die beiden schließlich in einer Notunterkunft für Erstsemester, die das Studierendenwerk in einer Turnhalle eingerichtet hatte. Als Brigitte gestern Abend mit der Nachricht kam, dass sie eine bessere, in Uni-Nähe gelegene und besonders günstige Bleibe gefunden hatte, war es Sophie wie eine Erlösung erschienen. Mit Feuereifer hatte sie sofort ihre Taschen gepackt, um gleich am nächsten Morgen früh aufbrechen zu können. Vor Aufregung hatte sie kaum geschlafen.
In der Straßenbahn waren ihre Emotionen soweit abgeklungen, dass sie anfing, nach Details zu fragen. Nun kam es ihr doch ein bisschen seltsam vor, dass sie sofort einziehen mussten und keine Bedenkzeit gehabt hatten. Tatsächlich hatte sie selbst den Vertrag noch gar nicht zu Gesicht bekommen.
"Du, Brigitte, ich bin dir echt dankbar, dass du uns diese neue Wohnung besorgt hast. Aber ich hätte es besser gefunden, wenn du mich vorher gefragt hättest, ehe du auch in meinem Namen unterschrieben hättest."
Die Angesprochene zog einen Schmollmund, doch kannte Sophie ihre Freundin gut genug, um zu wissen, dass sie nicht wirklich eingeschnappt war. Jetzt, wo sie anfing nachzudenken, hatte sie tausend Fragen und wollte verstehen, was auf sie zukam.
"Ich musste sofort zuschlagen, sonst wäre die Gelegenheit vorbei gewesen. Du weißt selber, wie knapp und begehrt Wohnungen hier sind. Ich habe auch nur hinter vorgehaltener Hand von Chloe und Clodette erfahren, dass in dem Mietshaus Plätze kurzfristig freigeworden sind. Auf dem offenen Wohnungsmarkt werden die gar nicht angeboten, weil sie so begehrt sind. Und es war ein echtes Super-Schnäppchen. So günstig kommen wir nie mehr an ein Zimmer."
"Findest du es ist es nicht auch ein wenig komisch, dass wir gar nichts bezahlen müssen? Gestern hast du gesagt, dass wir die Miete stattdessen abarbeiten. Wie genau ist das gemeint?"
"Ich habe es auch nicht so genau verstanden. Aber Chloe und Clodette meinten, die Arbeit wäre ganz OK und auch nicht schwierig. Im Gegenteil sei es sogar oft richtig angenehm und spaßig. Klingt doch gut."
Brigitte lächelte breit. Sie war reichlich stolz auf sich, dass sie mit den beiden Französinnen schon am ersten Tag an der Uni Freundschaft geschlossen hatte, und rechnete das ihrer genialen Idee an, ihren eigenen Vornamen so schön weich und ausländisch zu betonen. Andernfalls wären die zwei Blondinen möglicherweise gar nicht auf sie aufmerksam geworden. Nun aber konnte sie beweisen, was für eine tolle Freundin sie für Sophie war.
"Und da wohnen nur Studentinnen?"
"Ja! Das solltest gerade du doch super finden. Da können wir uns völlig ungezwungen verhalten und bewegen. Ich dachte, das ist dir wichtig. Sonst hätten wir doch längst irgendwo ein normales WG-Zimmer bekommen können."
Die aufgeschlossene Brigitte hatte sich schon geärgert, dass ihre verklemmte Freundin sich kategorisch weigerte, in eine gemischte WG zu ziehen, weil sie befürchtete, dass ein männlicher Bewohner im Bad auftauchen könnte, wenn sie es benutzte. Dadurch hatte sich die Auswahl an möglichen Unterkünften dramatisch verringert. Doch würde sie sich diesen Ärger nie anmerken lassen, sondern still daran arbeiten, dass Sophie lockerer wurde. Sie hatte die Kleinere in den vergangenen Jahren schon öfter dazu gebracht, ihre Hemmungen zu überwinden, und das würde sie ein weiteres Mal schaffen.
Sie gingen auf die Haustür zu, als in der dritten Etage ein Fenster aufgerissen wurde und zwei reichlich knapp bekleidete, blonde Mädchen wild herauswinkten. Sie sahen sich so ähnlich, dass es eineiige Zwillinge sein mussten.
"'Allo, Brischit! 'Erzlisch willkomm' in unsere scheene 'Aus!"
Und die zweite ergänzte: "Das ischd sischer deine Fröindin Sophie. Wir fröin uns, disch kenne' su lärne. Bienvenue!"
Sophie winkte zaghaft zurück. Sie war sich auf die Entfernung nicht hundertprozentig sicher, doch es hatte den Anschein, dass die beiden lediglich schwarze Spitzen-BHs trugen, zumindest obenrum sonst nichts. Na ja, dachte sie, sich leger und ungezwungen kleiden zu können, ist ja ganz OK, aber soweit werde ich mich nie gehen lassen. Schon gar nicht, wenn ich mich aus dem Fenster lehne.
Dann traten die beiden Neumieterinnen durch den Eingang in ihr neues Heim.
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Das Studentinnen-Haus
oder: Wie man als Vermieter viel Spaß hat
Beim Immobilien-Unternehmer Meller kann man mietfrei wohnen - wenn man eine junge, hübsche Studentin ist und sich dem Hausbesitzer gegenüber aufgeschlossen zeigt...
Updated on Oct 8, 2025
by Toby Mark
Created on Oct 13, 2020
by Toby Mark
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