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Chapter 56 by kleinehexe kleinehexe

Erleichtert und trotzdem angespannt folgte sie Bianca quer durch die große, lichtdurchflutete Empfangshalle der alten Villa. Die Leine in Biancas Hand war nicht straff gespannt, doch sie spürte ihr Gewicht als ständige, präsente Erinnerung an ihre Rolle. Obwohl sie froh war, dass sie es hinter sich hatte, war es kein einfacher Rückzug aus dem Blickfeld der Männer. Auch wenn sie es nicht sehen konnte, spürte sie ihre Augen wie tatsächliche Berührungen auf ihrer Haut, welche immer noch an ihr hafteten und die sie nicht abschütteln konnte.

Die Schritte ihrer nackten Füße auf dem alten Steinboden waren nur ein weiterer Akt von Biancas Demütigung. Augen, die gierig dem Anblick ihres Rückens folgten, auf dem noch immer ihre gefesselten Hände ruhten. Sie wusste es. Sie fühlte es. Die Blicke, wanderten nach unten über ihre Hüften zu ihrem Hintern. Den sie unbewusst zusammenzog und anspannte, nur in der Hoffnung, nicht zu sehr mit ihm zu wackeln. Sie wollte keinem von ihnen noch eine weitere Extrashow bieten.

Sie wusste nicht, ob sie Bianca dafür verfluchen sollte, sie öffentlich so bloßgestellt zu haben. Und dennoch musste sie sich eingestehen, dass ein winziger Teil von ihr es auch genossen hatte. Dieser neue Kick und die pure, ungefilterte Reaktion der Männer auf ihren Körper. Ein Tabubruch, welcher für sie bislang unvorstellbar gewesen war. Erneut war sie wieder einmal zum Opfer ihrer eigenen Neugier geworden. Und dieser Widerspruch war es in ihr, der sie jetzt fast zerrieb.

Sie war als Journalistin in dieses Haus gekommen, um Fragen zu stellen. Nun war sie die, welche anderen vorgeführt und deren Blöße zur Schau gestellt wurde. Deren Körper ungefragt reagiert hatte. Die harten Nippel, die der junge Geselle so ungeniert kommentiert hatte, waren noch immer empfindlich und ein unübersehbarer verräterischer Beweis. Der Gedanke an den Schauer, der ihr über den Rücken gelaufen war, als der Geselle ihr ins Ohr geflüstert hatte.

Die Wärme und das Licht der Empfangshalle wich endlich der kühlen, schützenden Dunkelheit des seitlichen Flurs. Nach wenigen Schritten blieb Bianca vor einer alten, massiven Holztür stehen. Dunkel und undurchdringlich fügte sie sich in die Aura des Gemäuers ein. Sie ließ achtlos die Leine fallen und Caroline erstarrte. Es war der Moment, vor dem sie sich die ganze Zeit gefürchtet und den sie zugleich sehnsüchtig erwartet hatte. Bianca drehte sich zu ihr um, wobei ihr Blick nicht streng war.

„Du hast dich gut geschlagen“, sagte sie ruhig. Ihre plötzlichen Worte überraschten Caroline. Jedoch ließen sie auch offen, ob dies ein Lob sein sollte oder nur eine banale Feststellung. Bianca nestelte in der Dunkelheit mit einem schweren Schlüssel in dem alten Schloss herum. Das Knarren im Mechanismus des Metalls hallte durch die Stille des Flurs.

„Besser, als ich gedacht hätte“, fügte sie nachträglich wie beiläufig hinzu als Bestätigung, dass sie die Probe bestanden hatte.

Sie wandte sich erneut der Tür zu und öffnete sie nach außen, sodass Caroline ungehindert durch den Türrahmen in das dahinterliegende Zimmer blicken konnte. Ein kühler Luftzug strich aus dem Inneren über ihre nackte Haut und ließ sie unwillkürlich frösteln. Der Raum lag weitestgehend im Dunkeln. Nur durch die geöffnete Tür fiel spärliches Licht aus dem Flur hinein und ließ schemenhaft einzelne Umrisse erkennen. Genau dies machte es ihr schwer, ihren Blick davon abzuwenden. Sie versuchte, einzelne Gegenstände zu erkennen, doch je länger sie hinsah, desto mehr verschwammen die Konturen wieder miteinander. Nichts daran wirkte bedrohlich und dennoch kroch ihr die Furcht im Bauch hinauf.

Lauf, flüsterte eine Stimme in ihr. Lauf, solange es noch geht.

Doch da war auch noch diese andere Stimme. Die, die sie hierher geführt hatte. Ihre Neugier, die wissen wollte, was hinter dieser Tür geschah. Die endlich nicht mehr nur darüber lesen oder anderen zuhören wollte, sondern selbst erfahren, was Bianca Winter unter einer solchen Sitzung verstand. Was würde passieren, wenn sie sich hier vollständig dem Kontrollverlust hingäbe? Die Demütigung von eben hatte sie kurz an den Rand des Zerbrechens gebracht. Und dennoch hatte sie auch etwas in ihr geweckt, eine dunkle Gier, die jetzt nach mehr schrie.

Bianca stand stumm vor der Tür und ließ die Atmosphäre auf sie wirken. Sie nahm ihr Kinn in ihre Hand, zog ihren Kopf sanft, aber unmissverständlich nach oben und zwang sie, ihr in die Augen zu sehen. Ihr Blick war intensiv, durchdringend, als wollte er direkt in ihre Seele blicken.

„Niemand wird Dich zwingen, diesen nächsten Schritt zu gehen“, sagte sie. Ihre Stimme war jetzt kaum mehr als ein Flüstern, aber trotzdem hallte sie eindringlich durch Carolines Kopf.

„Du kannst das Ganze jetzt und hier abbrechen. Wenn Du Dich entscheidest, jetzt zu gehen, ist das völlig in Ordnung. Dann war es ein Interview mit einer intensiven Erfahrung, aber mehr auch nicht. Du ziehst Dich an, wir trinken einen Kaffee zusammen und Du fährst nach Hause, um Deine Kolumne zu schreiben."

Sie ließ einen Moment der Stille zwischen ihnen entstehen „Aber wenn Du Dich dazu entschließt, durch diese Tür zu gehen, dann bist Du nicht mehr nur die Journalistin, die etwas beobachtet oder nur zuhört.“ Biancas Daumen strich leicht über ihre Wange, die fast zärtlich wirkte und sie trotzdem frösteln ließ. „Dann bist Du ein Teil Deiner Geschichte.“

Sie ließ ihr Kinn los und bückte sich, um die Leine aufzuheben. Sie hing jetzt schlaff zwischen ihnen und Bianca deutete mit einer langsamen, ausladenden Handbewegung auf die dunkle Tür.

„Es ist Deine Entscheidung!“

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