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Unsichtbare Fesseln
Kaum hatte sie die Worte gesprochen, griff sie nach dem Halsband und löste die Führungsleine. Stumm sah Caroline in Biancas Augen, deren Blick sie nicht drängte. Statt der Leine waren es nun nur noch ihre Worte, die zwischen ihnen hingen wie ein unsichtbares Band in der kühlen Luft des Flurs.
Es ist Deine Entscheidung! Ein eigentlich simpler Satz, mit dem sie nicht fragte, sondern einfach nur feststellte. Vier einfache Worte, mit denen sie aber die Entscheidung in ihre Hände legte.
Caroline blickte nachdenklich in den halbdunklen Raum, der sich hinter dem Türrahmen auftat. Er war kein schwarzes Loch, welches sich vor ihr auftat und sie zu verschlingen drohte. Und dennoch wäre es der Eintritt in eine ihr neue, unbekannte Welt. Vernunft und Neugier rangen in ihrem Kopf um eine Entscheidung, zerrissen zwischen Neugier und Furcht. Mit einem tiefen, zitternden Atemzug, trat sie langsam über die Schwelle. Schritt für Schritt tauchte sie weiter ein in das Halbdunkel des Raumes. Die Last ihrer Entscheidung fiel langsam von ihr ab, einerseits froh, sie getroffen zu haben, andererseits mit flauem Gefühl im Bauch wegen dem unbekannten, was sie erwartete.
Planlos stand sie im Raum und hörte hinter sich die sich schließende Tür, als gleichzeitig warmes, angenehmes Licht die Dunkelheit verdrängte. Es flutete den Raum und tauchte ihn in eine weiche, fast schon intime Helligkeit, die die unheimlichen Schatten der Dunkelheit verschwinden ließ. Caroline blieb wie erstarrt stehen und ließ ihren Blick schweifen. Der Raum war größer, als sie gedacht hatte. Aber es war kein Verlies, sondern wirkte eher wie ein Studio, dessen Möbel und Gestelle sie mit einer Mischung aus Faszination und Furcht erfüllten.
An den Wänden hing eine pedantisch geordnete Palette von Dingen, deren Funktion sie sich nur teils vorstellen konnte. Alles war sauber, aufgeräumt, fast schon ästhetisch. Während sie das Inventar musterte, fragte sie sich, was Bianca wohl von all dem für sie vorgesehen hatte. Würde sie an das Kreuz an der Wand fesseln? Oder sie auf dem Bock in der Ecke festschnallen? Sie wehrlos fixieren, um sie dann ungestört wie auch dominieren zu können?
Biancas Hand griff sanft nach ihrem Oberarm. Eine überraschende Berührung, die Caroline so nicht erwartet hatte. Sie war nicht grob fordernd, aber dabei trotzdem bestimmend. „Komm. Hier in die Mitte.“, sagte Bianca leise und führte sie gelassen dorthin. Dabei hielt sie die dünne Reitgerte in ihrer anderen Hand, als wäre es ein Zeigestock. Sie platzierte sie in der Mitte des Raumes auf dem kühlen Steinboden inmitten der stillen Zeugen ihrer möglichen Zukunft. Völlig unerwartet spürte Caroline ihre Hände an ihren Handmanchetten und hörte das leise Klicken.
Bianca hatte die Verbindung zwischen ihnen geöffnet und beendete die Fixierung ihrer Handgelenke. Caroline war perplex, ihre Hände waren frei. Noch während sie darüber nachdachte, was Bianca als Nächstes vorhatte, trat diese direkt vor sie. Caroline spürte die Wärme der Finger auf ihrer Haut, als sie sanft über ihre Arme strichen, hinauf zu ihren Schultern und hinter ihren Kopf. Zielsicher fanden sie den Verschluss des Knebelriemens. Caroline fühlte sich erleichtert, wie der Stab endlich zwischen ihren Zähnen verschwand und nicht mehr in ihre Mundwinkel schnitt. Sie schluckte und versuchte durch kauende Bewegungen, ihren Kiefer zu entspannen. Aber die neu gewonnene Freiheit währte nur kurz.
„Mund auf!“, befahl Bianca und hielt ihr die Gerte waagerecht vor den Mund. Caroline gehorchte instinktiv und sofort schob sie ihr den dünnen Stab mittig in ihren Mund. „Mund zu!“, erneut gehorchte sie und nahm ihn zwischen ihre Zähne.
„Und jetzt hör mir gut zu.“, sagte Bianca, in deren Stimme sich jetzt ein leises, gefährliches Zischen eingeschlichen hatte. „Wehe Dir, wenn Du sie fallen lässt!“ Caroline nickte gehorsam. Noch während sie sprach, spürte sie bereits die Veränderung in ihrem Kiefer. Während sie bisher nicht tun musste und der Knebel ihr den Mund nur aufgezwungen hatte, musste sie jetzt in den viel dünneren Stab beißen, um ihn zu halten.
„Die Füße!“, sagte Bianca schroff. „Auseinander.“ Caroline gehorchte mit immer weicher werdenden Knien, als sie ihre Füße schrittweise weiter auseinander rückte, bis sie die gewünschte Position erreichten und Bianca endlich nickte.
„Und jetzt Deine Hände.“, fuhr Bianca fort. „Hinter den Kopf. Verschränke sie.“ Langsam, als würde sie im Traum handeln, führte Caroline ihre soeben erst befreiten Hände hinter ihren Kopf. Ihre Finger glitten ineinander und verbanden die Hände in ihrem Nacken. Ihre Ellenbogen zeigten leicht nach vorne und zur Seite, während sich ihr Oberkörper in dieser Haltung dehnte und ihre Brüste perfekt präsentierte.
Bianca trat einen Schritt zurück und betrachtete sie. Ihre Augen glitten dabei prüfend über Carolines nackten, angespannten Körper, der jetzt vor ihr wie eine Statue stand.
Caroline verharrte angespannt in der ihr angewiesenen Position. Hatte sie noch eben erwartet, an eines der Gestelle gefesselt zu werden, war dies hier anders. Es gab kein Schloss, an dem sie rütteln konnte. Die Fesseln, die sie jetzt unsichtbar hielten, basierten einzig auf Biancas Anweisungen und der Autorität ihrer Stimme, die sich wie ein unsichtbares Band um ihren Willen legte.
Sie spürte, wie die letzten Funken der Vernunft in ihr rebellierten gegen alles, was hier geschah und was sie gerade tat. Doch auch die letzten Einwände wurden immer leiser und verloren zunehmend ihren Einfluss. Sie sah, wie Bianca erneut aus ihrem Sichtfeld verschwand und sie zurückließ. Nur leise Schritte in ihrem Rücken verrieten noch ihre Anwesenheit.
Nackt und angespannt stand sie in der Mitte des Raumes, gehalten von unsichtbaren Fesseln.
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