What's next?

Besuch bei Mira 1

Die Tage bis zum Freitag waren wie in einem stummen Rausch an mir vorbeigezogen.

An der Charité hatte sich das Gefüge zwischen uns mit beunruhigender Selbstverständlichkeit eingespielt: Mira war meine Kollegin geblieben, brillant und präzise bei jeder Fallbesprechung, doch jeder ihrer Blicke über den Rand ihrer randlosen Brille trug ein unausgesprochenes Geheimnis. Unter den Tischen des Hörsaals strich ihr Glattlederstiefel wie beiläufig an meinem Schienbein entlang, während ihre Notizen auf meinen Unterlagen stets mit winzigen, herrischen Randbemerkungen versehen waren. Zu Hause in Steglitz hatte Loona die Zügel straff gehalten. Es gab keine Nachlässigkeiten; jeder Handgriff im Haushalt musste sitzen, während die fugenlose Micro-Hülse aus Chirurgenstahl mein Fleisch ohne Unterbrechung unter Verschluss hielt. Die Striemen der Peitsche auf meinem Rücken und meinem Gesäß waren zu matten, blassrosa Schatten verblasst, doch die Erinnerung an Miras Hand brannte unauslöschlich in jeder Faser meines Nervensystems.

Am Freitagmorgen riss mich der Wecker um sechs Uhr aus unruhigen Träumen.

Die Berliner Herbstkälte kroch an den Scheiben des Altbaus hoch, grauer Frühdunst lag über den Dächern von Steglitz. Als ich die Beine aus dem Bett schwang, stieß der stählerne Zylinder dumpf gegen mein Schambein. Mein Körper war vollkommen daran gewöhnt, sich in den festen Grenzen des Metalls zu bewegen, doch heute schlug mein Herz von der ersten Sekunde an mit einem hektischen, flirrenden Grundrhythmus.

Heute war der Tag.

Nach den letzten Seminaren am Nachmittag sollte es direkt nach Schöneberg gehen – in Miras Wohnung. Der gemeinsame Abend zu dritt mit ihr und Loona, bevor am Samstag jenes surreale, klassische Date folgen würde, das mir seit Tagen den Verstand raubte.

Ich trat ins Badezimmer, schaltete das warme Licht über dem Spiegel ein und streifte das Schlafshirt ab. Im Spiegel zeichnete sich mein Oberkörper scharf ab: Der Hals frei, die Haut auf Brust und Schultern ruhig, doch an der linken Flanke stand das Fineline-Tattoo – das nach unten weisende Dreieck mit dem Venussymbol (∇ + ♀) – tiefschwarz, perfekt verheilt und unverrückbar auf dem Beckenknochen. Direkt daneben lag der matte Basisring des Chirurgenstahls, fugenlos mit der Micro-Hülse verbunden, deren winziger Zylinderstift an der Unterseite keinen Millimeter Spiel ließ.

Während ich unter die heiße Dusche stieg und das Wasser über meine Haut prasseln ließ, dachte ich an die Dynamik, die mich heute Abend erwartete. Mira und Loona hatten die ganze Woche über im Hintergrund die Fäden gezogen, hatten geschrieben und geplant, während ich im Zentrum ihrer stillen Absprachen stand.

Als ich im Bademantel die Küche betrat, stand Loona bereits an der Kaffeemaschine. Sie trug eine seidige schwarze Kimonojacke über ihrer Wäsche; ihr langes dunkles Haar war mit einer Spange locker hochgesteckt, ein paar Strähnen umrahmten ihr noch ungeschminktes, kühles Gesicht.

Sie drehte sich nicht sofort um, als ich eintrat, doch sie hörte mein vorsichtiges Innehalten an der Schwelle.

„Komm rein, John“, sagte sie ruhig, während sie zwei Tassen mit schwarzem Kaffee füllte.

Ich trat heran, senkte den Kopf und blieb einen halben Schritt hinter ihr stehen. „Guten Morgen, Loona.“

Sie stellte eine Tasse auf die Arbeitsplatte, drehte sich um und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Küchenzeile. Ihre durchdringenden grünen Augen maßen mich von Kopf bis Fuß ab. Sie brauchte keine Worte, um die Anspannung zu sehen, die in meinen Schultern saß.

„Du bist früh wach“, stellte sie mit einem feinen, beiläufigen Schmunzeln fest. Sie hob ihre Hand, legte zwei Finger unter mein Kinn und hob meinen Blick an. „Hast du schlecht geschlafen? Oder arbeitet dein kleiner Kopf schon wieder zu viel?“

„Ich… habe nachgedacht“, gab ich leise zu, unfähig, ihrem forschenden Blick auszuweichen. „Wegen heute Abend.“

{reader:Loonas} Lächeln vertiefte sich, getragen von jener unerschütterlichen, gelassenen Überlegenheit, die mir jedes Mal die Kehle zuschnürte. Ihre Finger glitten von meinem Kinn abwärts, strichen über meinen Hals und blieben genau über der Drosselgrube liegen, wo sonst der Samtchoker saß.

„Mira hat mir gestern Nacht noch geschrieben“, sagte sie leise. „Sie freut sich auf heute Abend. Sie hat alles vorbereitet in Schöneberg. Die Vorlesungen heute wirst du konzentriert hinter dich bringen, John. Kein Verträumen, keine Fehler bei den Fallstudien. Du funktionierst bis zur letzten Minute.“

Sie trat einen Schritt näher an mich heran. Ihre freie Hand fand den Gürtel meines Bademantels, schob den weichen Stoff langsam zur Seite und legte sich ganz flach auf meinen Unterbauch. Ihre Fingerkuppen tasteten hinab, bis sie das eiskalte Metall der Micro-Hülse berührten. Sie umschloss den Zylinder mit leichtem, forderndem Druck und zog ihn minimal nach unten. Der Ruck fuhr mir wie ein elektrischer Schlag durch die Lenden; ein ersticktes Keuchen entkam meinen Lippen.

„Und um fünf Uhr holst du deine Tasche aus dem Spind“, raunte sie, und ihre Augen funkelten dunkel. „Wir treffen uns direkt vor ihrer Haustür in Schöneberg. Heute Abend, John, entscheidet sie gemeinsam mit mir, wie viel von dir übrig bleibt, bevor sie dich morgen ausführt.“

Sie ließ das Metall los, klopfte mir mit der flachen Hand sanft gegen die Wange und reichte mir die Kaffeetasse.

„Trink deinen Kaffee aus, zieh dich an. Dein Kittel wartet.“

Der Weg über den Campus Mitte glich einem Gang durch zähen Nebel. Der feuchte Novemberwind pfiff zwischen den historischen Klinkerbauten und dem Betonturm der Bettenstation hindurch, während meine Finger tief in den Manteltaschen vergraben waren. Unter der dicken Stoffhose und dem hochgeschlossenen Shirt erinnerte mich jeder Schritt an den kalten Zylinder zwischen meinen Schenkeln.

Im Seminarraum für klinische Pharmakologie saß Mira bereits auf ihrem Stammplatz in der zweiten Reihe. Sie trug eine schlichte, weiße Seidenbluse unter dem geöffneten Kittel, die Haare akkurat mit einer Hornspange gebunden, die randlose Brille auf der Nase. Neben ihrem Laptop dampfte ihr Lieblingstee in der Thermoskanne. Sie wirkte wie das absolute Abbild der strebsamen Einser-Studentin, die nichts anderes im Kopf hatte als Halbwertszeiten, Cytochrom-P450-Enzyme und Bioverfügbarkeiten.

Doch als ich mich auf den Holzstuhl neben sie setzte und das harte Holz dumpf gegen meine noch immer empfindlichen Gesäßmuskeln drückte, hob sie den Kopf.

Ihre dunklen Augen trafen meine. Für den Bruchteil einer Sekunde blitzte jenes warme, diebische Funkeln auf, das mir sofort das Blut in die Wangen trieb.

„Morgen, Herr Kollege“, sagte sie mit ihrer klaren, sachlichen Unistimme, während ihre Hand ganz beiläufig über den Tisch glitt und mir einen frisch gebrühten Becher Kaffee zuschob. „Ich habe dir den Kardiologie-Bogen von gestern schon korrigiert. Null Fehler. Dein Fokus ist bemerkenswert diese Woche.“

„Danke, Mira“, brachte ich hervor. Meine Finger schlossen sich um die Pappe des Bechers, um ihr Zittern zu verbergen.

Sie beugte sich ein Stück vor, scheinbar um eine Seite in ihrem Skript umzublättern. Doch ihre Schulter berührte die meine, und ihre Lippen kamen so nah an mein Ohr, dass ihr warmer Atem meine Schläfe streifte.

„Loona hat mir geschrieben, dass du heute Morgen besonders nervös warst“, hauchte sie, so leise, dass der Student zwei Plätze weiter nichts mitbekommen konnte. „Du brauchst keine Angst zu haben, John. Ich beiße nicht… es sei denn, du bittest mich darum.“

Ein Schauer fuhr mir bis in die Zehenspitzen. Unter der Bank spürte ich bereits das vertraute Knarren: Die Spitze ihres dunkelbraunen Glattleder-Stiefels schob sich millimetergenau an mein Schienbein und legte sich dort mit jenem stetigen, unerbittlichen Druck an, der mich die ganze Woche über begleitet hatte.

Nach dem Ende der letzten Vorlesung um vierzehn Uhr packte Mira zügig ihre Tasche. Sie hatte früher Schluss gemacht, um nach Schöneberg vorauszufahren, einzukaufen und ihre Wohnung für den Abend vorzubereiten.

„Ich bin dann weg“, hatte sie mir zum Abschied zugeflüstert, während sie mir noch einen letzten, intensiven Blick über den Brillenrand zuwarf. „Du bleibst noch zweieinhalb Stunden in der Bibliothek und gehst die Pharmakokinetik-Fälle durch. Kein Faulenzen. Pünktlich um fünf vor der Haustür.“

So hatte ich den restlichen Nachmittag allein im stillen Lesesaal der Charité verbracht – gebeugt über Lehrbücher, das Pochen der stählernen Hülse zwischen meinen Beinen als ständigen Taktgeber, während mein Kopf unablässig um das kreiste, was mich um fünf Uhr erwarten würde.

Punkt halb fünf schlug die schwere Tür der Bibliothek hinter mir ins Schloss. Im Spindraum streifte ich den Kittel ab, verstaute Lehrbücher und Stethoskop in meiner Tasche und zog meinen dunklen Wollmantel an. Das Schloss an meiner Kehle lag verborgen, die Micro-Hülse saß eisern und unverrückbar.

Die Fahrt mit der U-Bahn nach Schöneberg zog sich endlos hin. An der Station Kleistpark stieg ich aus und trat in die nasskalte Dämmerung. Vor dem herrschaftlichen Altbau mit der stuckverzierten Fassade blieb ich stehen.

Am Hauseingang lehnte bereits eine schlanke Gestalt im Halbdunkel des Torbogens.

Loona.

Sie trug einen taillierten, pechschwarzen Ledermantel, der eng an ihrer Taille anlag, darunter dunkle Stoffe und ihre kniehohen Schnürstiefel mit den schmalen Absätzen. Ihr langes schwarzes Haar fiel glatt über die Schultern, ihre durchdringenden grünen Augen fixierten mich sofort, als meine Schritte auf dem Pflaster erklangen.

„Pünktlich auf die Minute, John“, sagte sie ruhig, während sie sich von der Wand abstieß. Sie trat an mich heran, musterte mein Gesicht und legte ihre kühle Hand an meinen Nacken. Ihre Fingerkuppen tasteten durch den Kragen meines Mantels nach dem Schloss an meiner Drosselgrube und übten einen kurzen, harten Druck aus. „Keine Zwischenfälle an der Charité?“

„Nein, Loona“, antwortete ich mit belegter Stimme. „Alles ruhig.“

„Sehr gut.“ Sie nahm die Hand weg und wandte sich dem Klingeltableau zu. Ihr Finger drückte auf das Messingschild mit dem Namen *Lindner*.

Ein kurzes Summen, dann knackte der Türöffner.

Wir traten in das weitläufige, holzgetäfelte Treppenhaus und stiegen die Stufen in den dritten Stock hinauf. Vor uns ging Loona, ihr Mantel knisterte leise bei jeder Bewegung. Ich folgte ihr einen halben Schritt versetzt, den Blick gehorsam auf ihre Fersen gerichtet.

Oben stand die Wohnungstür bereits einen Spaltbreit offen. Warmer Scheinwerferton und der Duft von frischem Jasmin-Tee, gemischt mit einem Hauch von Bienenwachs und schwerem Leder, drangen in den Flur.

„Kommt rein“, erklang Miras Stimme aus dem Inneren.

Loona stieß die Tür auf und trat ein. Ich folgte ihr über die Schwelle und blieb sofort wie angewurzelt im Flur stehen.

Die Wohnung war geprägt von hohen Stuckdecken, Fischgrätparkett und deckenhohen Bücherregalen voller medizinischer Fachliteratur. Doch was mir den Atem raubte, war Mira selbst.

Sie stand am Übergang zum geräumigen Wohnzimmer. Der weiße Kittel und die brav zusammengebundenen Haare aus dem Hörsaal waren verschwunden. Ihre dunklen Locken fielen ihr offen und weich über die Schultern. Sie trug eine eng anliegende, schwarze Seidenbluse, deren obere Knöpfe lässig geöffnet waren, dazu eine schmale, perfekt sitzende Hose aus mattem Glattleder – und an ihren Füßen glänzten die vertrauten, dunkelbraunen Stiefel mit den silbernen Schnallen. In der rechten Hand hielt sie zwei Kristallgläser mit bernsteinfarbenem Whisky.

„Guten Abend, Loona“, sagte Mira mit einem strahlenden, selbstbewussten Lächeln und reichte meiner Stiefschwester eines der Gläser. „Schön, dass ihr da seid.“

Loona nahm das Glas entgegen, führte es an die Lippen und musterte Mira mit einem schmalen, prüfenden Blick. Ihre Augen glitten einmal beiläufig über den Raum und blieben dann an Miras Lederhose und den schweren Stiefeln hängen.

„Du hast dich passend vorbereitet“, bemerkte Loona trocken, ohne die Spur einer bürgerlichen Höflichkeitsfloskel. Sie nahm einen kleinen Schluck. „Er stand die ganze Woche unter Strom. Ich hoffe, du hast ihn nicht zu sehr geschont.“

„Keine Sekunde“, erwiderte Mira gelassen. Ein feines, lauerndes Lächeln trat auf ihre Lippen. „Er hat in der Bibliothek genau das getan, was ihm aufgetragen wurde.“

Dann wanderte ihr Blick langsam von Loona zu mir hinab.

Das Lächeln auf ihren Lippen veränderte sich nicht, doch in ihren dunklen Augen entzündete sich jenes hungrige, überlegene Feuer, das ich seit dem KitKatClub so fürchtete und herbeisehnte. Sie trat einen Schritt auf mich zu. Das Leder ihrer Stiefel knarrte leise auf dem Parkett, als sie direkt vor mir zum Stehen kam.

„Und da ist ja unser Vorzeigestudent“, flüsterte sie samtweich, hob ihre freie Hand und legte die kühlen Fingerspitzen an meine Wange. Ihr Daumen strich prüfend über meine Unterlippe – genau dort, wo sie mich vor vier Tagen in der Bibliothek geküsst hatte. „Hast du deine Manieren an der Charité gelassen, John? Oder weißt du noch, was sich gehört, wenn du eine Wohnung betrittst?“

„Auf die Knie, John“, befahl Loona hinter mir mit kühler, gelassener Schärfe. „Zieh Mantel und Schuhe aus. Und dann begrüße deine Gastgeberin so, wie sie es verdient.“

Mein Mantel und die Schuhe landeten lautlos auf der Garderobenbank im Flur. Meine Knie fanden das kühle Fischgrätparkett wie von selbst. Ich beugte den Oberkörper tief nach vorn, legte die Stirn auf das weiche, nach Lederbalsam duftende Glattleder von Miras rechtem Stiefel und presste meine Lippen auf die silberne Schnalle an ihrer Fessel.

„Guten Abend, Mira… danke, dass ich hier sein darf“, flüsterte ich heiser gegen das Leder.

Mira entwich ein leises, wohlwollendes Seufzen. Sie hob den Fuß nicht weg, sondern verlagerte ihr Gewicht minimal, sodass der Druck auf meine Stirn zunahm. Ihre Hand glitt durch mein Haar, zog leicht an den Spitzen und zwang mein Kinn sanft nach oben.

„Sehr brav, John“, raunte sie, während ihre Augen dunkel im Schein der Wohnzimmerlampen funkelten. „Zieh dich aus. Vollständig. Und bring uns Nachschub aus der Küche.“

Im warmen Licht des Altbaus fiel das letzte Stück Stoff. Das Schloss an meiner Kehle lag frei; an meiner linken Flanke stach das Nabla- und Venussymbol (∇ + ♀) tiefschwarz vom Beckenknochen ab, und die stählerne Micro-Hülse schimmerte matt zwischen meinen Schenkeln. Nackt, wehrlos und auf den Zehenspitzen huschte ich in die Küche, füllte die Gläser mit frischem Eis und balancierte das Tablett auf Knien ins Wohnzimmer.

Loona und Mira saßen sich in zwei schweren Ohrensesseln aus dunkelgrünem Samt gegenüber. Zwischen ihnen brannte eine breite Duftkerze auf einem niedrigen Beistelltisch. Loona hatte ihren Ledermantel abgelegt; in einem enganliegenden schwarzen Strickkleid schlug sie die Beine übereinander, die schmale Spitze ihres Absatzes zeigte direkt auf mich.

„Stell es ab. Und setz dich zwischen uns auf den Boden, John“, wies Loona mich an.

Ich stellte das Tablett ab, glitt auf den Teppich zwischen die beiden Sessel und zog die Knie an. Mira hob sofort ihren rechten Fuß und legte die schwere Sohle ihres Glattlederstiefels ganz selbstverständlich auf meinen linken Oberschenkel, während Loona ihren Absatz auf meinen rechten Fußknöchel setzte. Ich war das lebende Podest, festgenagelt zwischen zwei Frauen, die mein gesamtes Dasein kontrollierten.

Mira nahm ihr Glas, musterte mein versiegeltes Fleisch mit jenem forschenden, fast klinischen Blick und nippte am Whisky.

„Er ist in bemerkenswerter Verfassung, Loona“, sagte Mira gelassen. „In der Charité hat er die ganze Woche funktioniert wie ein Uhrwerk. Kein einziger Ausrutscher bei den Fallanalysen. Aber man merkt ihm an, wie die Stauung ihn von innen auffrisst.“

„Natürlich tut sie das“, erwiderte Loona mit einem kühlen, dünnen Lächeln. Ihre grünen Augen glitten von Miras Gesicht zu meinem kahlgeschorenen, im Stahl gefangenen Schritt. „Er hatte am Sonntag seinen Release, damit er für dich aufnahmefähig bleibt. Aber er weiß ganz genau, dass er sich an diesen Zustand nicht gewöhnen darf. Kontrolle funktioniert nur, wenn er begreift, wie ersetzbar seine eigene Männlichkeit ist.“

Mira neigte neugierig den Kopf, strich mit der Stiefelspitze langsam an meinem Oberschenkel aufwärts, bis das Leder die Kante der Hülse berührte. „Wie meinst du das?“

Ein leises, amüsiertes Lachen entwich Loona. Sie lehnte sich im Samtsessel zurück und sah Mira direkt an.

„Hast du dich nie gefragt, warum John sich so widerstandslos in diesen Stahl fügt, Mira? Warum er diesen Status nicht nur erträgt, sondern innerlich danach bettelt?“

Miras Brauen hoben sich hinter ihrer randlosen Brille. „Ich dachte, es sei seine Veranlagung. Der Druck der Uni, der Wunsch, die Kontrolle abzugeben.“

„Das ist nur die halbe Wahrheit“, sagte Loona ruhig, und jedes ihrer Worte schnitt wie ein Skalpell durch den Raum. „Du hast doch sicher schon von Timo gehört, oder? Johns bestem Freund seit Kindertagen. Die beiden kennen sich gefühlt ihr ganzes Leben.“

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