Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)

Chapter 7 by Papas_Liebling Papas_Liebling

What's next?

Allein

Durch das geöffnete Fenster drang Geschrei herein.

Lukas schaute auf. Die Kaffeetasse vor ihm auf dem Tisch war nicht leer, aber längst kalt.

Er erkannte die Stimme. Eine von ihnen.

Er hatte Hannah aus seinem Haus schicken können; das war leicht. Den Störfaktor entfernen. Die Gleichung auflösen.

Die Zukunft war wieder berechenbar. Kontrollierbar.
Zumindest innerhalb dieser vier Wände.

Allein.

Er atmete tief aus und schob die Tasse von sich.

Die Erinnerungen an das, was geschehen war, hatte er aus ihrem Gedächtnis gelöscht. Anscheinend konnte er Hannah aber nicht aus seiner Welt löschen. Und schon gar nicht aus seinen Gedanken.

Sie stand auf der Terrasse ihres Hauses. Das Kleid locker übergeworfen. Barfuß. Eine Hand an der Hüfte, die andere fuchtelte mit schnellen, schneidenden Gesten in Richtung der offenen Glastür. Sie sprach – nein, sie schrie jemanden im Haus an.

Lukas konnte nicht jedes Wort verstehen, aber genug, um den Sinn zu verstehen.

Hinter der Scheibe bewegte sich ein Schatten. Groß, breit. Schemenhaft. Ihr Mann.

Hannahs Bewegungen wurden hektischer, ungeduldiger. Sie warf die Arme in die Luft. Machte einen Schritt auf die dunkle Gestalt zu.

Lukas’ Blick verengte sich. Er runzelte die Stirn.

Das passte nicht. Nicht zu der Frau, die er kennengelernt hatte.
Nicht zu der Frau, die er zu ihrem Mann zurückgeschickt hatte.

Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Ein Laut kam aus seiner Kehle, nicht ganz Knurren und nicht ganz Seufzen.

Der Streit. Das war kein Zufall.

Etwas war ins Rutschen geraten. Er wusste, wo es begonnen hatte.
Nun musste er verstehen, wohin es führte. Und wie er es beenden konnte.

Der Gedanke glitt heran. Einfach. Leicht. Unangestrengt.
So
automatisch und natürlich für ihn wie zu atmen.

„Komm.“

Er kniff die Augen zusammen. Trotz der Entfernung konnte er Hannah klar und deutlich sehen. Sie blieb abrupt stehen, legte den Kopf schief, als habe sie etwas gehört, das nicht da war. Dann drehte sie sich um. Und ging.

Auf die Hecke zu.

Auf ihn.


Lukas hielt ihr die Tür auf. Einfach so. Keine Einladung, kein Lächeln, keine Geste, kein Wort.

Sie ging an ihm vorbei, dicht genug, dass ihr Kleid sein Bein streifte. Die Berührung war flüchtig. Zufällig. Doch Lukas spürte sie sofort.

Die Tür fiel hinter Hannah ins Schloss.

Lukas sah sich um, als habe sich das Haus durch ihre Anwesenheit verändert. Es wirkte kleiner als zuvor. Gleichzeitig wärmer.

Ihr Duft war unverkennbar und löste Erinnerungen in ihm aus, die er lieber vergessen würde.

Hannah ging weiter ins Haus hinein und sah sich um, als habe sie vergessen, dass sie schon einmal hier gewesen war. Oder als wüsste sie nicht, warum sie hergekommen war. Oder als hätte sie etwas erkannt und wusste nicht woher.

Lukas sah ihr schweigend zu. Er wusste, er hätte sie nicht herrufen sollen.

Es wäre vernünftig gewesen, sich nicht einzumischen. Stattdessen stand sie jetzt in seinem Haus.

Nur sie. Allein.

Die Erkenntnis weckte etwas Dunkles in ihm.

Er trat näher. Der Abstand zwischen ihnen verschwand. Sein Atem wurde schwerer. Er hob eine Hand, wie um sie zu berühren.

Sie bemerkte es, wich aber nicht aus. Ihr Atem geriet aus dem Takt. Ihre Brust hob sich.

Lukas wusste genau, was geschah. Und das Schlimme war: Er hatte aufgehört, das Richtige tun zu wollen.

Er wollte sie. Nicht flüchtig. Nicht nur körperlich. Ganz.

Vernünftig wäre, sie wegzuschicken. Sich zurückzuziehen. Allein zu leben.

Einsam.

Das hatte er doch gewollt.

Hannah hob langsam ihre Hand. Ihre Finger berührten seine Brust nur leicht, als müsste sie sich vergewissern, dass er echt war.

Er schloss die Augen.

Die Berührung war harmlos.

Er war es nicht.

What's next?

Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)