Wie geht es weiter?
Allein mit Katharina im Schlafzimmer
Wenn meine Nase mich nicht täuscht, ist Katharinas Körper immer noch in der Lage, sexuelle Lockstoffe zu verbreiten, obwohl sie ja eigentlich nicht mehr schwanger werden kann. Und erst jetzt fällt mir auf, dass Katharina Lippenstift trägt. Den muss sie gerade erst in der Küche aufgetragen haben, keine Ahnung wann. So sieht sie jedenfalls richtig verführerisch aus, vorbereitet auf ein Sex-Date mit ihrem Enkel, der sie, wie sie immer betont, sehr an ihren Mann erinnert. Ich bin schon gespannt, wie sehr es sie an meinen Opa erinnern wird, wenn ich gleich mit ihr schlafen werde. Zunächst aber will ich wissen, wie alt sie war, als sie Viktoria zur Welt gebracht hat.
Katharina lächelt mich an, sagt: „Ist dir es jetzt aufgefallen, wie jung ich gewesen war, als Viktoria geboren wurde?“
Ich bejahe. Und Katharina erzählt den wahren Sachverhalt, den ich ja schon aus dem Gespräch zwischen Natascha und Maike kenne: dass Viktoria und Juliane eigentlich Halbgeschwister sind und Katharina Viktorias Tante, für die sie mit zwölf die Mutterrolle übernahm, weil ihre 16-jährige Schwester bald nach der Geburt an Blutvergiftung starb und sich gewünscht hatte, dass Katharina sich um Viktoria kümmert.
„Und das ist nie aufgefallen: dass Viktoria nicht deine leibliche Tochter ist?“
„Du glaubst ja gar nicht, wie gut- und leichtgläubig so manche Behörden und Mitarbeiter sind“, schmunzelt Katharina und berichtet. „Nun, meine Schwester hieß Karolina, ich heiße Katharina, die Namen sind mit Ka… am Anfang und …ina am Ende ziemlich ähnlich. Der Umstand war natürlich günstig. Ich gewöhnte mir an, wenn ich mit Vornamen irgendwo unterschrieb, die Buchstaben zwischen a und i so flüchtig zu schreiben, dass das sowohl als Katharina wie auch als Karolina gelesen werden konnte. Wo immer es ging, kürzte ich meinen Vornamen ohnehin mit Initial ab. Gab ja immer den Umstand, dass in meinem Ausweis Katharina als Vorname steht und auf Viktorias Geburtsurkunde halt Karolina. Den meisten ist das nicht mal aufgefallen, und die, die es bemerkten, dachten zumeist, eine der beiden Behörden habe wohl einen Fehler begangen, und scherten sich nicht weiter drum.“
„Wissen Viktoria und Juliane eigentlich, dass sie eigentlich nur Halbgeschwister sind?“, interessierte mich nun brennend.
„Jaaa“, antwortet Katharina gedehnt, „auch wenn dein Opa und ich uns erst mal damit Zeit ließen. Aber als Viktoria 15 war, wurde sie von einer Sachbearbeiterin an der Schule gefragt, ob ihre Mutter denn nun Katharina oder Karolina heiße, und da haben dein Opa und ich es ihr und deiner Mutter erzählt, durchaus unsicher, wie sie es aufnehmen würde. Besser, als wir befürchteten. Auch dank Juliane, die mit ihren elf Jahren sagte: ,Halbgeschwister haben nur ein gemeinsames Großelternpaar, hab ich in der Schule gelernt. Viktoria und ich haben aber beide Großelternpaare gemeinsam, also sind wir nicht Halbgeschwister, sondern ganz normale Schwestern.‘ Damit war für Juliane das Thema abgehakt und erfreulicherweise auch für Viktoria.“
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