Wie geht es weiter?
Ich befrage meine Oma nach ihrem Liebesleben
„Und, war es schwierig für dich, als Schwägerin Opas Herz zu erobern?“, möchte ich nun auch noch unbedingt erfahren.
„Oh ja!“, lacht Katharina auf, „nun, mit meinen zwölf Jahren dachte ich echt, dass er doch froh sein solle, dass ich meine Schwester vertreten will in der Mutterrolle, hatte echt erwartet, dass ich bei ihm einziehen und mit ihm das Bett teilen könne, verstand seine rigide Abwehrhaltung nicht und schob es erst mal auf die Trauer um Karolina – was mich freilich erst recht anspornte, sie so gut wie möglich nicht nur Viktoria gegenüber, sondern auch ihm gegenüber zu vertreten. Ersetzen konnte ich sie nicht, das war mir klar und wollte ich auch nicht. Nicht zu vergessen: Dein Opa war ja deutlich älter als ich, er ging ja schon auf die vierzig zu. Heute ist mir natürlich klar, dass es selbst in unserem liberalen Umfeld damals ein No-go war, dass ein Enddreißiger eine Zwölfjährige als Lebensgefährtin hat. Karolina war immerhin 14 gewesen, als sie bei ihm einzog, und das hatte trotz aller Toleranz bereits für etwas Gerede gesorgt. Nun, ich war bereit, ihm das obligatorische Trauerjahr zuzubilligen. Dir brauche ich ja nicht zu erzählen, wie ewig lang sich ein Jahr für einen Menschen in seiner Pubertät hinzieht. Viktoria war ja die meiste Zeit bei uns, dein Opa musste ja arbeiten, aber so blieben wir ja auch in ständigem Kontakt. Als das Trauerjahr um war und ich also 13 war, erneuerte ich meine Annäherungsversuche bei ihm. Er war immer noch sehr zurückhaltend, aber ich schien ihn doch beeindruckt zu haben. Wahrscheinlich hatte er bemerkt, wie ernst es mir ist, mich um Viktoria zu kümmern, den letzten Wunsch meiner Schwester zu erfüllen. Dass meine Motivation doch ernster und nachhaltiger war, es bei Weitem nicht nur die Schwärmerei eines Schulmädchens für seinen erwachsenen Schwager war. Nun, in der Zeit fing es an, dass ich hin und wieder bei ihm übernachten durfte, wenn Viktoria dort war, zwar im Gästezimmer, aber immerhin. Ich wurde dann 14. Und in dem Alter wollte ich den mir bei ihm zustehenden Platz einfordern. Juristisch war das unproblematisch, denn meine Eltern hatten frühzeitig signalisiert, dass sie nichts dagegen hätten. Waren halt äußerst liberal eingestellt. Nun, dein Opa machte es mir nicht leicht, aber wenn ich mir was in den Kopf setze ... es ging Schritt für Schritt, aber ich war überzeugend. Mit 15 hatte ich mein Ziel erreicht. Und dann wurde ich von ihm auch schwanger. Aber dann machte sich bei mir doch Muffensausen breit: Mit 15 schwanger, mit 16 würde ich das Kind zur Welt bringen – Abtreibung war für mich nie eine Option – und würde ich dann, ebenso wie meine Schwester, kurz darauf an Blutvergiftung sterben? Die Details erspare ich dir. Das Ergebnis kennst du ja. Ich sag nur: Es geht doch nichts über ein zuverlässiges und Sicherheit gebendes soziales Umfeld. So, Luke, und nun zeigt mir mal, wie gut du Frauen verwöhnen kannst.“
0 comments
No comments yet
The story has no discussion yet. Leave a note here when a branch gives you something to say.
No chapter comments yet
No one has commented on this branch yet. Add the first note above.