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Chapter 16
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Abendessen
Ich stand am Herd, als ich Schritte hörte, die die Treppe hinab tappten. Ich warf einen Blick zurück. Sarah sah völlig verwandelt aus. Sie trug ein lässiges Sweatshirt und ausgebeulte Jogginghosen. Ihre Haare waren zerzaust und in ihrem Gesicht entdeckte ich noch Abdrücke des Kissens, auf dem sie gelegen hatte.
„Was gibt es denn zu essen? Das riecht so gut, dass mir schon oben im Zimmer das Wasser im Mund zusammenlief.“
Sie wollte den Deckel vom Topf nehmen, um hinein zu spicken, und ich gab ihr spielerisch einen Klaps auf die Finger. „Nix da!“
„Autsch, du hast mich geschlagen. Machst du das etwa absichtlich?“ Ihr übertrieben empörter Tonfall ließ keinen Zweifel aufkommen, dass sie auf ein kleines Wort-Geplänkel aus war. Ich drehte die Flamme am Herd herunter und wandte mich ihr zu.
„Offenbar hast du noch nicht genug. Sollen wir da weitermachen, wo wir in der Werkstatt aufgehört haben?“ Ich hob gekünstelt drohend meine flache Hand.
„Das können wir gerne machen. Diesmal aber mit vertauschten Rollen“, parierte sie. Zu ihrer vollen Körpergröße aufgerichtet, erweckte sie den Eindruck, auf mich herab zu schauen, obwohl sie nur ein klein wenig größer war als ich.
Ich hob abwehrend die Hände und wich augenzwinkernd zurück. „Oh, nein danke. Das würde mir nicht schmecken. Apropos, hast du Hunger?“
„Ja, und wie!“
Ich deutete auf Schublade und Schrank. „Da sind Besteck und Teller. Deckst du ein?“
Ich trug derweil die Sachen, die ich vorbereitet hatte, auf und wir setzten uns. Das heißt, ich setzte mich und sie zuckte beim ersten Versuch wieder hoch. Nach kurzem Umsehen ging sie zum Sofa, schnappte sich eines der Kissen, legte es auf die Sitzfläche und ließ sich dann vorsichtig und langsam darauf nieder. Als sie endlich saß, stieß sie befreit die Luft aus, die sie währenddessen nervös angehalten hatte.
Sarah schien wirklich Hunger zu haben und langte kräftig zu, wodurch unser Dialog erst mal zum Erliegen kam. Derweil pickte ich nur in meiner Portion herum und sah ihr nachdenklich zu. Ich war unsicher, wohin unsere Beziehung führen sollte.
„Was hast du? Wenn es dir nicht schmeckt, bist du selbst schuld. Hast es ja schließlich selbst gekocht.“
Sarah hatte bemerkt, dass ich kaum etwas aß. Ich wusste, dass ich ein ganz schlechter Schauspieler war, trotzdem versuchte ich, mir nicht anmerken zu lassen, was mich beschäftigte. So unbeschwert und locker, wie ich es zustande brachte, wich ich aus. „Nein, alles gut. Ich habe nur nachgedacht.“
„Über was?“
Kurz überlegte ich, was ich preisgeben sollte. Ich beschloss, ein anderes Thema anzuschneiden.
„Tut es sehr weh?“ Ich deutete mit der Hand vage in Richtung ihrer Körpermitte.
„Es geht. In ein paar Tagen ist alles wieder gut.“ Dabei grinste sie, als sei dies nur ein großes Spiel und kindisches Abenteuer. Ich war da anderer Meinung.
„Ich denke, wir sollten es dabei belassen. Verstehe mich nicht falsch. Was wir taten, war schön und aufregend. Aber ich mache mir Sorgen, wohin es führen soll. Welche Grenzen wir womöglich unbeabsichtigt überschreiten. Ich könnte mir nie verzeihen, dich ernsthaft zu verletzen.“
Ihr Grinsen verschwand und sie sah mich eindringlich mit ihren blaugrauen Augen an.
„Das hast du nicht. Und das wirst du nicht. Da bin ich mir ganz sicher. Ich vertraue dir, denn du bist fürsorglich und aufmerksam. Ja, es stimmt. Ich habe ein paar Striemen und blaue Flecken abbekommen, aber das ist nichts, womit ich nicht umgehen könnte. Bitte beende nicht das, was wir zusammen haben könnten, ehe es überhaupt richtig angefangen hat.“
Sie las aus meiner skeptischen Miene, dass ich noch nicht überzeugt war. Sie fuhr fort.
„Heute war alles ein wenig spontan. Und womöglich habe ich dich überfallen, ohne dir eine Chance zu geben, dir klar zu werden, was du möchtest. Doch es war meine Entscheidung, mich dir anzubieten, und ich habe es genossen, ohne Reue oder Bedauern“, setzte sie fort. Ich nickte bestätigend. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass ich drauf und dran war, ihr die ganze Verantwortung aufzubürden. Das wäre ihr und mir selbst gegenüber nicht ehrlich. Ich hatte es auch gewollt und genossen und trug mindestens die Hälfte der Schuld.
„Wenn wir weitermachen“, lenkte ich ein, „und ich sage bewusst ‚wenn‘, dann müssen wir uns klar darüber sein, was wir wollen und vor allem, was der andere will und bereit ist zuzulassen. Und unbedingt müssen wir über alles reden können.“
Sie nickte und blickte mir offen und geradlinig ins Gesicht. Gut, unter diesen Voraussetzungen könnte ich mich darauf einlassen.
Ich kannte mich in der BDSM-Szene nicht aus. Ich hatte ja auch nie geahnt, dass ich Gefallen daran finden würde. Doch nun war eine Entscheidung schon gefallen, dass ich mich in dieser Richtung informieren würde.
„Ich denke, wir brauchen ein wenig mehr professionelle Ausstattung, keine rohen Holzlatten mehr“, überlegte ich laut. Sarah griff den Gedanken auf und führte ihn weiter.
„Da kann man bestimmt einiges im Internet bestellen. Und du könntest ja vielleicht auch ein paar Sachen in deiner Werkstatt selbst herstellen.“
„Am besten einen Pranger, um dich anzuschließen“, platzte ich heraus. Ich hatte es ironisch gemeint, doch ihr süffisant versonnener Gesichtsausdruck machte mir sofort bewusst, dass ich mich selbst in eine Sackgasse manövriert hatte, aus der ich nicht mehr so leicht herauskommen würde. Es war mehr als offensichtlich, dass sie die Vorstellung, von mir an den Pranger gestellt und versohlt zu werden, hinreißend fand.
Gleichzeitig hatte mein analytischer Verstand ein Eigenleben entwickelte und von selbst in den Konstrukteursmodus umgeschaltet. Vor meinem inneren Auge entstanden quasi automatisch bereits Skizzen und Pläne, wie solch ein Pranger aussehen und wie ich ihn zusammenbauen könnte.
Trotzdem versuchte ich mich noch herauszuwinden, indem ich die Idee ins Lächerliche zog. Ich schmunzelte übertrieben und versuchte zu verbergen, dass mir ihre Begeisterung für den Vorschlag schmeichelte und ich auch ein wenig stolz war, dass sie mir ein solches Werk zutraute.
"Nun gut, wenn du unbedingt einen Pranger haben möchtest, dann werde ich wohl meine Fähigkeiten als Tischler nutzen müssen", erklärte ich mit einem Augenzwinkern.
„Aber auf jeden Fall! Das wird fantastisch. Ich weiß schon ganz genau, wie er aussehen soll. Wo hast du Papier zum Zeichnen?“ Sie flitzte zum Schreibtisch und holte Zeichenmaterial, das sie auf dem Esstisch ausbreitete. Ich seufzte kaum hörbar, ergab mich in mein Schicksal und setzte mich neben sie.
Gemeinsam begannen wir, unsere Ideen für den Bau des Prangers zu skizzieren. Sarah war voller Enthusiasmus und brachte kreative Vorschläge ein, die mich beeindruckten. Im gleichen Maße, wie das Endprodukt auf dem Papier Gestalt annahm, wuchs auch meine Begeisterung für das Projekt.
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Der Handwerker (Public)
Ich habe plötzlich genügend Geld, um nicht mehr arbeiten zu müssen, und widme mich meinem Hobby.
Das erste Kapitel dient ausschließlich der Einführung und es gibt noch keine "Action". Danach gibt es Zug um Zug mehr Handarbeit.
Updated on Oct 1, 2024
Created on Mar 11, 2023
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