Johanna, die kleine Gummischlampe

Johanna, die kleine Gummischlampe

Ein braves Mädchen und ihre neue Sehnsucht

Chapter 1 by SecretLab SecretLab

Es war ein später Samstagnachmittag im Frühherbst. Graue Regenwolken sammelten sich langsam über den dicht bebauten Vierteln der Innenstadt. Eine junge Frau mit einer runden Brille auf der Nase trottete leicht verpeilt durch die Straßen, im wallenden Kleid und in eine grobe Strickjacke eingemümmelt.

Die vielen Bücher aus dem Lieblingsbuchladen in der belebten Innenstadt ließen Johannas Arm immer schwerer werden. Leichte Panik machte sich breit bei der 18-Jährigen. Wo ging es jetzt nochmal zum Busbahnhof? Sie wollte nur noch heim, es sich daheim mit den Schmökern in ihrem Zimmer gemütlich machen.

Die Straßen hier waren ihr unbekannt, wirkten fast schon bedrohlich. Keinerlei vertrauter Anhaltspunkt weit und breit. Aus der Ferne sah sie etwas rot aufblitzen. Es war in einem Schaufenster. Das seltsame Objekt zog sie fast schon magisch an, winkte ihr verlockend entgegen. Neugierig und auch ein wenig aufgeregt ging sie die abgelegene Seitenstraße entlang, hier waren einige speziellere Läden, von Waffen- und Messergeschäften; Asia-Supermarkt; Tattoo-Shop und so weiter.

Das rote Leuchten kam aus einem mysteriösen Modeladen. Sah aus wie ein Dessous-Geschäft. Nur ein kleines Schild prangte über den Eingang. „Der weiße Salon von Madeleine“. Und genau genommen leuchtete auch nichts, sondern wurde von kleinen Lampen im Schaufenster nur wirksam funkelnd angestrahlt.

Objekt der Neugier ist eine schwarze Schaufensterpuppe mit einem knallroten Bustier und Schlüpfer aus glänzendem Gummi oder einem ähnlichen Material. Dazu passende Stiefel mit langen Absätzen, die Stiefel gingen hinauf bis zu den Oberschenkeln. Es waren auch andere sexy Kleidungsstücke in dem Schaufenster links und rechts ausgestellt: von schwarzen Spitzen-Catsuits bis zu weißen Straps-Garnituren. Auch Reizunterwäsche für Männer und allerlei Zubehör fehlte nicht in den geheimnisvollen Auslagen.

Aber diese eine Sache faszinierte Johanna besonders. Das rote Material funkelte sie geheimnisvoll an. Es gefiel ihr auch, dass sowohl Ober- als auch Unterteil nicht nur aus winzigen Ministring-Dreiecken bestanden wie es die ganzen Schlampen in ihrem Alter trugen. Nein, das breite Bustier und der hohe Taillenschlüpfer verdeckten züchtig alles Notwendige, alles Intime an einer Frau.

Nervös rutschte sie ihre Brille zurecht, konnte sich gar nicht losreißen von dem Anblick. Das ansonsten brave Mädchen und Musterschülerin spürte plötzlich ein völlig unbekanntes Kribbeln in sich. Nanu?

Sie zögerte etwas, bis sie sich doch entschloss, weiter nach dem Busbahnhof zu suchen. Aus weiter Ferne drehte sie sich ein letztes Mal mit einer neu entdeckten Sehnsucht nochmal um...

Eine Woche später, wieder gleicher Ort, diesmal besseres Wetter. Etwas Sonnenschein glitzerte wärmend durch die Wolkendecke der City. Johanna wusste nicht, wie es passiert war, aber sie fand sich fast schon ferngesteuert wieder vor dem Schaufenster. Na gut, die ganze Woche über hatte sie an den Laden denken müssen, hat dem Mädchen keine Ruhe gegeben. Schließlich fuhr sie unter einem Vorwand erneut in die Innenstadt, auf der Suche nach dem Reiz dieses wundersamen Ladens.

Die rote Gummiunterwäsche war immer noch da, als ob sie nur auf Johanna gewartet hätte. Sie sah nun auch das Preisschild, dezent unten am Ausstellungsboden angebracht: 249 EUR. So teuer! Das Schulmädchen schüttelte entsetzt den Kopf. Na, wer kauft sich denn sowas?

Diesmal war auch die Ladentür einladend geöffnet. Sie spähte neugierig hinein. Der Laden war verführerisch eingerichtet, überall krasse sexy Klamotten und so. Kein schummriges Licht, sondern schöne helle Strahler an der Decke sorgten für eine beruhigende, einladende Atmosphäre.

Als eine Frau herauskam, sprang Johanna hastig wieder zurück zum Schaufenster.

Eine hübsche aber schon ältere Frau mit feuerroten Locken lehnte sich in die Tür und ignorierte gekonnt das Mauerblümchen in ihrem braven Kleidchen, welches wie ein Fremdkörper an diesem Ort wirkte. Die Frau trug ein elegantes, körperbetontes schwarzes Kleid und zündete sich eine Zigarette an. Johanna tat so, als ob sie auf jemand warten würde, sah immer wieder auf die Uhr und drehte sich gespielt genervt und suchend hin und her. Sie wusste auch nicht so genau, wieso sie nicht einfach weiterging. Das Ganze war plötzlich irgendwie ein Abenteuer, ein richtiger Nervenkitzel für sie geworden.

Schließlich kamen zwei gestylte hübsche Mädchen in ihrem Alter lachend vorbeigelaufen, in hautenge Jeans und knappe Tops gepackt, weiße Sneakers, lange Fingernägel. Sie warfen nur einen kurzen, schmunzelnden Blick auf die Schaufensterauslage, als sie vorbeispazierten.

„He Mädels“, rief plötzlich die Dame aus dem Laden freundlich. „Wollt ihr nicht mal reinschauen und euch was Hübsches aussuchen? Würde euren Jungs bestimmt gefallen! Ich mach euch auch einen Sonderpreis.“ Einladend gestikulierte sie in ihren Laden, mit einem warmen Lächeln im Gesicht.

Die zwei jungen Frauen gingen kichernd weiter. Bald kam eine einzelne Frau in eleganten Blazer, etwas älter. Auch sie wurde angesprochen. Dann eine einzelne junge Frau mit wunderschönen blonden Engelshaaren. Sie alle winkten dankend ab.

Irgendwann kamen die beiden Mädels von vorhin wieder zurück.

„Na, habt ihr es euch überlegt? Gönnt euch doch mal was Besonderes. Nur für euch. Na, kommt schon. Schaut euch doch einfach mal um!“

Irgendwann hatte die Frau die beiden so weit überzeugt, dass sie wirklich kichernd in den Laden gingen. Was die sich wohl da drin jetzt anschauen werden?

Johanna war innerlich ein bisschen gekränkt, dass nicht auch sie angesprochen wurde. War sie etwa nicht gut genug für den Laden? Dabei würde sie den roten Gummi nur zu gerne mal aus der Nähe sehen, antasten und fühlen. Mehr wollte sie ja auch gar nicht…

Traut sich Johanna, in den Laden zu gehen?

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