Hausarrest
Manche Regeln sind da, um gebrochen zu werden.
Chapter 1
by
Papas_Liebling
RUMMS!
Die Haustür schlug so heftig zu, dass die Familienfotos im Flur in ihren Rahmen klapperten.
„Was zum Teufel ist los mit dir?“
Klara Stimme hallte so scharf wie Glasscherben durchs Haus. Sie stand in High Heels im Windfang. Über den knappen weißen Top eine schwarzen Lederjacke. Darunter lugte ihr kurzer Rock hervor, der kaum ihren Po bedeckte. Ihre Wangen glühten vor Kälte und Wut.
Daniel antwortete nicht. Nicht sofort. Er drehte den Schlüssel im Schloss, als wolle er damit die ganze Welt ausschließen.
Seine zur Schau getragene Ruhe machte sie noch wütender.
„OH MEIN GOTT“, lachte sie aufgeregt. „Du hast ihn tatsächlich verjagt.“
„Er ist doch von selbst gegangen.“
„Nachdem du ihn bedroht hast.“
„Ich habe niemanden bedroht.“
Klara starrte ihn fassungslos an. „Ach, nein? Wie würdest du das nennen, wenn du ihm sagst, wenn er mich noch einmal anfasst, dann würdest du dafür sorgen, dass er es bereut.“
Daniel schnitt ihr mit einer scharfen Geste das Wort ab. „Vielleicht bringst du das nächste Mal einfach keinen schäbigen, betrunkenen Idioten um ein Uhr morgens in dieses Haus.“
„Er war mein Date.“
„Er war total ****.“
„Ich auch.“
„Und das soll ihn entschuldigen?“
Seine Stimme blieb leise. Beherrscht. Es war dieser ruhige, enttäuschte Tonfall, der sie schon seit ihrem sechzehnten Lebensjahr wütend machte. Seit er ihr Stiefvater geworden war.
Nur dass sie jetzt zweiundzwanzig war, und irgendwie machte das die Sache noch schlimmer.
Klara warf ihre Handtasche auf die Anrichte. „Weißt du, was dein Problem ist?“
„Lass das. Nicht heute Abend.“
Daniel ließ die Luft durch die Nase entweichen und machte sich auf den Weg in die Küche.
„Doch, genau heute Abend.“ Sie funkelte ihn wütend an.
Er blieb stehen.
Die Stille zwischen ihnen lud sich auf. Irgendwo oben summte ein Föhn. Elise – ihre Mutter hielt sich wie immer lieber raus.
Klara verschränkte die Arme. „Das machst du jedes Mal.“
Daniel drehte sich langsam um. „Was mache ich angeblich?“
„Du verhörst jeden Typen, mit dem ich ausgehe. Du starrst sie an, als würden sie vom BKA verhört oder so. Du machst seltsame Bemerkungen. Du bringst mich in Verlegenheit.“ Ihre Stimme wurde schärfer. „Und wenn sie das überstehen, verscheuchst du sie danach.“
„Das stimmt nicht.“
Sie lachte schrill. „Im Ernst? Ralf? Oliver? Mateo? Du hast sie alle gehasst.“
„Weil sie alle Versager waren.“
„Willst du damit sagen, dass es meine Schuld ist? Dass ich immer nur mit Versagern ausgehe?“
Die Muskeln an Daniels Kiefer verhärteten sich.
Klara bemerkte plötzlich, wie angespannt er wirkte. Wie ein bis zum Zerreißen gedehnter Draht. Seine beiden Händen schlossen sich, als müsse er etwas festhalten.
Sie atmete tief aus.
Leise sagte sie: „Glaubst du, ich merke das nicht?“
„Es reicht.“
„Nein. Ich meine es ernst.“ Sie trat näher. „Du benimmst dich, als würde jeder Mann auf der Welt versuchen, dir etwas zu stehlen.“
Sein Gesichtsausdruck verhärtete sich augenblicklich. „Pass auf, was du sagst.“
Da. Wieder.
Er wirkte nicht beschützend oder besorgt.
Hinter seinem Verhalten steckte etwas anderes.
Klara spürte, wie diese Erkenntnis langsam, fast körperlich spürbar in sie hineinströmte. Als würde man in tiefes Wasser treten und feststellen, dass der feste Grund plötzlich verschwunden war.
Daniel war schon immer streng gewesen. Seit er und ihre Mutter vor sechs Jahren geheiratet hatten. Ausgangssperren. Hausarrest. Endlose Belehrungen. Tue dies, tue das. Er kontrollierte, wer ihre Freunde waren. Ständig schwirrte er um sie herum wie ein Hubschrauber.
Als Teenager hatte sie deswegen nur die Augen verdreht.
Und nach Jahren der Einschränkung und Überwachung konnte sie nicht anders, als dieses Haus bei der ersten Möglichkeit, die sich bot, zu verlassen. Wenn sie es sich finanziell hätte leisten können, wäre sie auch nicht mehr zurückgekommen.
Sie hatte Daniel eigentlich nie wiedersehen wollen.
Aber das Leben spielte nicht immer fair.
Und jetzt? Jetzt fühlte es sich anders an. Heute Abend, als Daniel die Haustür geöffnet und sie im Eingangsbereich beim Küssen mit Erkan erwischt hatte, hatte seine Reaktion nicht wie die eines Erziehungsberechtigten gewirkt.
Er hatte persönlich betroffen gewirkt.
„Weißt du, was ich denke?“
Daniel verschränkte die Arme. „Das interessiert mich nicht im Geringsten.“
„Ich glaube, du bist eifersüchtig.“
Die Worte trafen ihn hart. Daniel riss seine Augen auf. Dann verschloss sich sein Gesicht völlig.
„Das ist lächerlich.“
„Ist es das?“
„Ja.“
Die Antwort kam zu schnell.
Klara beobachtete ihn nun ganz genau.
Und plötzlich fügte sich jede Erinnerung wie ein Puzzlestück in ein neues Bild:
die überhöhten Ansprüche,
die unmäßige Kritik,
das ständige Überwachen,
dass keiner ihrer Freunde jemals gut genug war.
Das kam nicht daher, dass Daniel der Meinung war, sie hätte etwas Besseres verdient. Sondern weil er es nicht ertrug, sie mit ihnen zu sehen. Das war die erste Erklärung für sein Verhalten, die wirklich Sinn ergab.
„Du bist unmöglich“, murmelte Daniel.
Klara legte den Kopf schief. „Habe ich Unrecht?“
Daniel machte einen Schritt auf sie zu, ragte groß und imposant vor ihr auf, scheinbar unerschütterlich. „Du bist mit einen betrunkenen Fremden nach Hause gekommen. Das kann ich nicht akzeptieren. Dafür bist du mir zu kostbar.“
Zwischen seinen Worte klang ein Unterton mit, den er kaum beabsichtigt haben konnte.
Interessant.
Ein gefährlicher kleiner Schauer kitzelte in ihrer Brust.
Sie rückte dicht an ihn heran, bis kaum noch ein Fußbreit sie trennte. Eigentlich hätte es sich komisch anfühlen müssen, ihm so nahe zu sein. Stattdessen verspürte sie plötzlich eine intensive Neugier.
Daniel drehte sich weg und ging in Richtung Küche, offensichtlich versuchte er, das Gespräch zu beenden.
Klara sah ihm nach.
Ein verschmitztes Lächeln spielte um ihre Lippen.
Was sie heute erfahren hatte, eröffnete Möglichkeiten, die sie voll und ganz ausnutzen wollte.
Sie würde Daniel dazu bringen, sie endlich loszulassen und um Vergebung zu bitten –
– auf Knien.
What's next?
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Als Klara Merkel zurück ins Haus ihrer Mutter zieht, rechnet sie damit, dass es schwierig werden könnte, mit ihrem Stiefvater Daniel auszukommen. Was sie erlebt, ist noch schlimmer. Kontrollwahn, Verbote, Hausarrest. Zunächst glaubt Klara, er sei überfürsorglich. Dann wird ihr klar, dass er eifersüchtig ist. Zunächst versucht sie nur, ihm seine Heuchelei vor Augen zu halten, doch schnell entwickelt sich daraus ein gefährliches Spiel aus Manipulation und Besessenheit. Als die Grenzen zwischen Stiefvater und Tochter verschwimmen, entdeckt Klara, dass Macht erregender sein kann als Freiheit.
Updated on Jun 7, 2026
Created on Jun 7, 2026
by Papas_Liebling
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