Ein Pokémon-Abenteuer der anderen Art

Ein Pokémon-Abenteuer der anderen Art

Die wahre Geschichte hinter Pokemon Rot.

Chapter 1 by SioDerSio SioDerSio

Deine Geschichte beginnt wie so viele Geschichten beginnen, nämlich mit einem nervigen Wecker, der dich aus dem Schlaf zu reißen versucht. Nicht, dass das nötig gewesen wäre. Spätestens seit deinem achtzehnten Geburtstag vor drei Monaten fieberst du schließlich auf den heutigen Tag hin, den größten Tag deines Lebens, den Tag, an dem du dein erstes eigenes Pokémon erhältst!

Mithilfe der Zulassung der Pokémon-Liga-Administration, welche sich ordentlich und zweifach gefaltet in deinem Rucksack befindet, darfst du am heutigen Tag deine Reise antreten. Deshalb ist es kein Wunder, dass du bereits wach bist, als das elektronische Miauen von Mauzi ertönt. Du haust auf den Knopf, springst auf und wirfst dich in Schale, bevor du übermüdet und mit pochendem Herzen die Treppen herabstürmst.

Deine Mutter sitzt bereits in der Küche, schaut einen Film, in welchem drei Jungs an Bahngleisen entlang laufen, und lächelt dir zu.

"Rosa, mein Schatz, du wirst so schnell erwachsen. Pass auf dich auf und besuche mich hin unter wieder mal!", seufzt sie mit wehmütigem Blick. "Jaja, werde ich!", rufst du und umarmst sie für eine Sekunde, dann stopfst du dir eine Handvoll Pirsim-Beeren in den Mund, um wieder in Schwung zu kommen, und schlüpfst aus dem Haus.

Kurz hältst du inne. Die warme, sommerliche Morgenluft von Alabastia duftet wunderbar nach dem Meer und den Eichen, welche dein Dorf umgeben. Die Sonne klettert strahlend und hell wie ein Magcargo über die Baumwipfel, du spürst sie auf deiner Haut. Und die sanfte Luft fühlt sich an wie die Blüten eines Blubella, sanft und angenehm, ihr Hauch kühlt die Wärme auf deiner Haut. Jetzt überkommt dich ein Hauch von Nostalgie. Alabastia ist der Ort, an dem du aufgewachsen bist, und in einer Stunde wirst du es verlassen haben ohne zu wissen, was dich erwartet und wer dir begegnet. Du reckst den Kopf gen Himmel und versprichst deinem Heimatort, ihn bald schon wieder besuchen zu kommen.

Nur wenige Minuten später hast du das Labor des Professors erreicht. Es riecht wie immer nach Desinfektionsmittel und nach dem Holz der alten Tische, die den großen Raum durchziehen, welcher einzig und allein durch deckenhohe Regale nicht so wirkt wie der Wartesaals der Notaufnahme in Saffronia City. Die Mitarbeiter des Professors wuseln fleißig herum. Du siehst, wie einer einem Rattfratz einen Trank zu **** gibt. Ein weiterer schiebt einen Donnerstein in den Käfig eines Paras, mit erwartbar niedrigem Erfolg. Was der Professor genau erforscht, ist für dich schon immer ein Geheimnis gewesen, aber die Anzahl an Mitarbeitern und die Menge an Arbeit, die du ihn jeden Tag erledigen siehst, sprechen dafür, dass es für die Regierung Kantos wohl sehr wichtig ist.

"Guten Morgen, Professor!", rufst du nervös, als du zu seinem Schreibtisch am Ende des Raumes trittst, und deine Stimme überschlägt sich fast. "Ich bin pünktlich hier um mir mein Pokémon abzuholen!"

Der Professor taucht unter seinem Tisch auf, in seiner weit ausgestreckten Hand hält er ein Sandan am Nacken. Die dicken roten Kratzer im Gesicht des Professors sprechen Bände, als er das Pokémon zurück in den PC-Beamer bugsiert.

"Aus diesen verdammten Tausch-Pokémon werde ich nicht - oh, guten Morgen, Rosa!", er schüttelt dir kraftvoll die Hand. "Grün sollte auch gleich da sein, dann können wir gerne anfangen!".

Grün, der Enkel des Professors, und leider Gottes auch dein Nachbar. Du mochtest ihn noch nie, diesen extrovertierten Idioten, welcher seine Freizeit lieber mit den leichten Frauen im Prismania City-Casino verbrachte anstatt sich wie du in Bücher über Pokémon zu vertiefen. Leider hat er zudem ein Talent darin, dafür zu sorgen, dass du dich unwohl fühlst, weshalb du ihm immer aus dem Weg gegangen bist.

Nach ein paar Minuten tritt er auch tatsächlich durch die Türe und marschiert zielstrebig auf den Professor zu. Als er neben dir zum Stehen kommt, lässt er seinen Blick verächtlich über dich streifen, und du hast das Gefühl, er würde dich mit seinen Blicken ausziehen. Seine Augen senken sich von deinen blonden, langen Haaren, wovon eine Strähne geflochten neben dem rechten Auge hängt, über dein weißes Top mit rotem Cardigan, bleiben hängen an deinem roten Rock und kommen zum Stehen bei deinen weißen Kniesocken und den weißen Sneakers.

"Welches Pokémon suchst du hier, Pummeluff?", fragt er und schnaubt aus.

"Eigentlich dachte ich mehr an Bisasam", antwortest du.

"Bisasam? Genauso schwach. Wird direkt zerlegt von Glumanda. Glumanda ist einfach geil, das wüsstest du, wenn du Ahnung hast."

Du ziehst die Stirn hoch und schweigst. Mit Idioten zu diskutieren, das ist wie...

"Gut, dann sparen wir uns ja die Auslosung", lacht Professor Eich und hebt ein Bein an, um das Abra nicht zu zerquetschen, das sich plötzlich unter seinen Stuhl teleportiert hat. Er drückt euch jeweils einen Pokeball in die Hand, überreicht euch mit einem sentimentalen Vortrag eure Pokedexe und schüttelt euch die Hand.

"Wie auch immer euer Abenteuer läuft, ich wünsche euch viel Erfolg. Kommt mich gerne mal besuchen, und hoffentlich siehst man euch sogar in der Zeitung!"

"Ich werde alle 8 Orden sammeln", kündigst du lächelnd an, und Grün schnaubt erneut. Ein Idiot eben.

"8 Orden? Mit deinem Sellerie da? Im Leben nicht. Ich werde der stärkste Trainer der Welt werden, die Orden und die Liga sind für mich nur eine Sidequest."

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