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Chapter 38 by daimon daimon

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Was jetzt, Schwesterchen? (22. März)

Sie saß auf einem Stuhl. Sah aus wie beim Zahnarzt. Da war er auch schon. Weiß gekleidet, ziemlich klein und drahtig. Über der weißen Maske sah sie dann die funkelnden Augen, die sie nie in ihrem Leben vergessen würde. Der (bis jetzt) Einzige, der jemals befohlen hatte, sie zu töten, nahm jetzt seinen Bohrer und hielt ihn an ihr Ohr. Drang in ihren Gehörgang ein. Dann ein durchdringender **** als er ihr Trommelfell …

Simone erwachte mit einem Schrei und wurde sich schlagartig zweierlei Dinge bewusst: Masud war tot und ihr Telefon klingelte. Der durchdringende Ton bohrte sich direkt in ihr schmerzendes Gehirn. Welcher Teufel hatte sie nur geritten, ausgerechnet das in Frequenz und Lautstärke anschwellende Geräusch eines Zahnarztbohrers als Klingelton zu wählen.

„Hallo“

„Hi Schwesterchen,“ flötete Sandra. Nur ihre Schwester schaffte es, Simone mit zwei Worten zur Weißglut zu bringen. Wie konnte sie es wagen nach allem, das geschehen war …

„Nixda Schwesterchen! Du hast mich betrogen! Du verd…“

Das „Pschhh,“ aus ihrem Telefon machte sie nur noch wütender.

„Hör zu, es ist wichtig. Ich werde die Stadt verlassen und einige Zeit untertauchen. Nur bis sich die Wogen geglättet haben und Mos Nachfolger feststeht.“

„Gibt es denn kein Testament?“

„Machst du Witze. Mohamed war kein Bankier oder Großbauer. Die Nachfolge wird darwinistisch geregelt.“

„Darwinistisch?“

„Ja, survival oft he fittest bedeutet in orientalischen Verbrecherclans: wer übrigbleibt wird Chef.“

Simone dachte über Sandras Worte nach.

„Wenn du wissen willst, was sich in den nächsten Tagen abspielen wird, google doch einfach die Nachfolgeregelung am osmanischen Hof.“

„Soll ich auch …“

„Verschwinden? Nein. Ich glaube, niemand hat dich auf dem Schirm. Masuds Mordauftrag ist mit seinem und Mohameds **** vom Tisch.“

Simone dachte an die Ahmeds. Würden sie ihre Identität weiterleiten? Das machte eigentlich wenig Sinn, da der Deal ohnehin aufgeflogen war. Auch bei der Polizei tauchte sie nicht als Zeugin auf. Die hatten weitaus bessere Informationsquellen, wie sie seit Tims Anruf wusste.

„Vielleicht fahre ich ein paar Tage zu den Eltern,“ versuchte sie sich selbst zu überzeugen.

„Ja, mach das! Die werden sich freuen! Aber, Simone sag ihnen bitte nichts über … na ja, du weißt schon …“

„Dass ihre Tochter eine hinterfotzige betrügerische Hure ist? Nein, ich kann ihnen doch nicht das Herz brechen.“

Hörte sie richtig? Dieses Miststück zerkringelte sich vor Lachen.

„Na, dann machs gut,“ brachte sie unter schallendem Gelächter hervor.

Danach wusste Simone nicht so recht, was sie von dem Gespräch halten sollte. Ihre Schwester war ihr fremder denn je. Sollte sie wirklich nach zu ihren Eltern fahren?

Kaum hatte sie sich wieder hingelegt, um den Rest der Nacht zu verschlafen, da meldete sich ihr Telefon erneut. Unbekannte Nummer. In freudiger Erwartung von Tims Stimme nahm sie das Gespräch an.

„Simone, ich bins, Juliette. Es tut mir sehr leid, dass euer heutiger Termin so schiefgegangen ist. Ich hatte nicht geglaubt, dass du tatsächlich bereit sein würdest mit Tims Vater zu schlafen. Chapeau!“

„Ich wusste nicht, dass er Tims Vater war. Sandra hat es mir nicht gesagt.“

„Das war so nicht ausgemacht. Ich muss wohl ein ernstes Wort mit deiner Schwester sprechen.“

„Lass sie lieber in Ruhe. Sie hat genug um die Ohren. Hat sich aus dem Staub gemacht.“

„Sicher keine schlechte Idee. Bis sich die Wogen geglättet haben und sie weiß, wer ihr neuer Chef ist. Und du? Wie geht es dir nach dem Schreck. Haben dich die Bullen registriert?“

„Es geht mir eigentlich schon wieder besser. Die Polizei hat mich gehen lassen. Ich kenne den Einsatzleiter.“

„Ich will jetzt gar nicht wissen, woher,“ kicherte die ältere Frau.

„Es war ganz harmlos. Wir haben miteinander getanzt.“

„Gott bist du kultiviert. Willst du immer noch für mich arbeiten?“

„Ich weiß nicht. Bin ziemlich durch den Wind.“

„Du wirst es nicht glauben, aber es gibt nicht viele Gangster unter meinem Kundenstamm. Wenn man es sich genau überlegt, ist der einzige heute gestorben.“

Simone musste lächeln, wollte sich aber nicht festlegen.

„Lass dir ruhig Zeit. Schlaf dich erstmal aus. Bedenke aber, dass die Zeit, in der du wirklich viel Geld mit deinem Körper machen kannst, begrenzt ist.“

Nach dem Gespräch lag Simone wieder im Bett und es kam, wie es kommen musste. Im Nu hatte sie wieder ihre Hand im Schritt und rubbelte sich in den siebten Himmel.

‚Was bin ich nur für ein geiles Luder,‘ dachte sie noch bevor sie zufrieden einschlief.

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