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Chapter 19
by
daimon
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Hans im Glück (21. März)
Sandra und Juliette saßen im Fond des Firmenwagens und waren auf dem Weg zu Juliettes Villa. Sie waren guter Dinge und voller Vorfreude auf den Höhepunkt des Abends, der hoffentlich aus mehreren Höhepunkten bestehen würde.
„Sag Sandra, wie ist denn das mit respektablen Bankerinnen und ihren Chauffeuren? Stimmt es, was man sich so erzählt?“
Sie hatten die Trennscheibe zwischen Fahrer und Fond hochgefahren, sodass Hans sie nicht hören konnte.
„Ich weiß nicht, was Hans so erlebt. Da musst du ihn schon selbst fragen. Ich kenn ihn nicht so gut. Er fährt mich heute zum ersten Mal.“
„Darf ich ihn fragen?“
„Nur zu, aber lenk den armen Mann nicht zu sehr ab, sonst baut er noch einen Unfall.“
Sandra betätigte einen Knopf an der Mittelkonsole und die Scheibe senkte sich. Hans schaltete schnell das Autoradio aus und die geschickt versteckten Boxen hörten auf, atonales Gedudel von sich zu geben.
„Ach hätten sie die Musik doch angelassen! Ich liebe Carla Bley!“
Hans warf ihr einen anerkennenden Blick durch den Rückspiegel zu. Als er sich anschickte, die Musik wieder anzumachen, protestierte Sandra:
„Um Gottes Willen, Hans, tun sie mir das nicht an!“
Hans grinste, zuckte mit den Schultern und gab die Hand wieder ans Lenkrad. Das tat er allerdings nicht, ohne der etwas schlampigen aber **** erotischen Rothaarigen einen entschuldigenden Blick zuzuwerfen. Juliette erwiderte den Blick und besiegelte damit eine Art Bündnis gegen die Dritte im Wagen.
Sandra spürte eine gewisse Spannung zwischen Juliette und dem Chauffeur. Was Männer anging, konnte man ihre Freundin niemals einschätzen. Sie hatte absolut kein Beuteschema, zumindest keines, das sie nachvollziehen konnte. Hans war schon etwas älter, Sandra schätzte ihn auf um die Fünfzig. Er war gut durchtrainiert. Wahrscheinlich hatte er auch eine Ausbildung als Bodyguard. Berufsbedingt strahlte sein Äußeres jene unerschütterliche Distinguiertheit aus, die es ihm erlaubte, auf höfliche Art eine gewisse Distanz zwischen sich und seinen Passagieren aufzubauen. Bei Sandra hatte diese Strategie funktioniert. Sie wäre nie auf die Idee gekommen, zu versuchen, Hans Barriere zu durchbrechen. Sie ließ die Scheibe lieber oben, außer es galt, Wünsche bezüglich Route oder Ziel durchzugeben.
Nicht so Juliette, die doch tatsächlich drauf und dran war, mit dem guten Mann zu flirten.
„Also wirklich Sandra! Du könntest doch auch mal was für deinen völlig unterentwickelten Musikgeschmack tun! Sagen sie Hans, was mögen Sie denn sonst noch so außer modernem Jazz?“
Hans traf diese Anfrage bei aller Sympathie etwas unerwartet. Er warf Sandra durch den Spiegel einen Blick zu, so, als wolle er sie um Erlaubnis fragen. Diese schenkte ihm ihr süßestes Lächeln und fand das kleine Drama, das ihre Freundin da ganz ad hoc inszenierte, immer amüsanter.
Hans fasste das Amüsement seiner Vorgesetzten als Zustimmung auf und fragte etwas verhalten:
„Wie meinen Sie das, Frau …?“
Auf sublime Weise drückte Hans aus, dass er Juliettes Frage als etwas zu intim empfand. Zumal sie von jemandem gestellt wurde, den er nicht einmal kannte.
„Juliette. Schlicht und einfach Juliette! Jetzt haben wir schon einen kleinen Teil dieser Nacht hier im Wagen gemeinsam verbracht. Da brauchen wir doch nicht so förmlich zu sein, oder, Hans?
Oder ist das etwa ein Künstlername?“
Hans konnte nicht anders, als zu lächeln. Langsam schien auch er etwas aufzutauen.
„Nein, Hans stimmt schon, Juliette.“
Sandra, die sich mehr und mehr wie ein fünftes Rad am Wagen vorkam, konnte einfach nicht anders, als sich den Vertraulichkeiten anzuschließen.
„Und ich bin heute Abend Sandra für dich, Hans.“
Der Chauffeur errötete und blickte sie verwirrt an. Juliette fand das schon wieder entsetzlich komisch und gackerte vor sich hin.
„Bist du verheiratet, Hans?“ kam es von Juliette, die nun wieder die Regie übernahm.
„Nein. Geschieden.“
„Aha. Und was hast du heute Abend noch vor, nachdem du uns bei mir zuhause abgeliefert hast?“
„Naja, es ist schon spät …“
„Dieser ausweichenden Antwort entnehme ich, dass niemand auf dich wartet. Also wirst du nach Hause fahren, dir einen Single Malt – ich glaube, ich könnte sogar die Marke erraten – einschenken, gute Musik auflegen, und dir so deine Gedanken über die zwei verrückten Hühner machen, die du heute herumkutschieren musstest.“
„So ungefähr. Nur finde ich nicht, dass ihr verrückte Hühner seid!“
„Da sind wir aber enttäuscht, nicht wahr, Sandra!“
„Na wenn ihr darauf besteht …“
„Dabei geb ich mir doch solche Mühe, dich zu beeindrucken!“
„Hmm …“
„Und, wenn du dir dann so deine Gedanken machst, wird es dir nicht leidtun, dass du da so allein herumsitzt und das rauchige Aroma deines Gesöffs einsaugst?“
„Ich bin eigentlich ganz gern …“
„Also Hans, das ist jetzt aber wirklich die falsche Antwort! Noch einmal: Wäre es nicht angenehmer, etwas weibliche Gesellschaft zu haben?“
„Das ist …“
„Schon wieder eine Ausflucht! Nicht irgendwelche weibliche Gesellschaft! Unsere Gesellschaft! Ich würde mich sehr freuen, wenn du deinen Whisky bei mir trinkst.“
„Also, Juliette, Sandra, ich …“
„Weißt du was? Überleg es dir einfach! Wir haben ja noch gute fünf Minuten bis zu meinem Haus.“
Mit diesen Worten betätigte sie den Knopf und ließ die Trennscheibe hochfahren.
„Ich hoffe, an dem ist alles so steif wie seine Umgangsformen,“ konnte es sich Juliette nicht verkneifen, anzumerken.
„Du bist echt immer wieder für Überraschungen gut! Der Arme! Und jetzt lässt du ihn einfach zappeln?“
„Das ist noch gar nichts! Du wirst schon sehen, wie der zappelt, wenn ich ihn mir gleich vornehme!“
Beide Frauen lachten und amüsierten sich königlich über den offenbar tief in Gedanken versunkenen Chauffeur, der es tunlichst vermied, in den Rückspiegel zu sehen.
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Das Milieu hat viele Gesichter
Erlebnisse junger Dirnen
Mehrere Mädchen begeben sich mehr oder weniger freiwillig ins horizontale Gewerbe. Diese Geschichte ist ein genehmigter Spinoff von "Eine Karriere im Rotlichtbezirk" von Jarl66 https://chyoa.com/story/Eine-Karriere-im-Rotlichtbezirk.34775
Updated on Dec 14, 2025
by daimon
Created on Mar 16, 2021
by daimon
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