What's next?
Das Abendessen
Drei Tage. Drei verdammte Nächte, in denen ich bei jeder unbedachten Drehung im Schlaf von der starren Kälte des Metalls geweckt worden war.
Am Anfang war es der reine Horror gewesen: Die morgendlichen Reflexe meines Körpers endeten jedes Mal in einem dumpfen, schmerzhaften Pochen, weil die Ränder des Käfigs jede noch so winzige Schwellung gnadenlos abwürgten. Auch die Kniebeugen heute früh waren eine Tortur gewesen; der Stahl scheuerte bei jeder tiefen Bewegung gegen die empfindliche Haut an der Innenseite meiner Schenkel. Und doch… das Verrückte war, dass ich mich dabei ertappte, wie dieses ständige, bedrückende Gewicht eine fast berauschende Faszination auf mich ausübte.
Es war mein dunkelster, geheimster Fetisch, den ich jahrelang nur in abgedunkelten Browserfenstern konsumiert hatte. Eingesperrt zu sein, vollkommen ausgeliefert, fremdbestimmt. Dass Loona diesen Albtraum Wirklichkeit werden ließ, erfüllte mich mit einer abartigen, tief sitzenden Erregung, die ich kaum vor mir selbst rechtfertigen konnte. Das einzige Problem: Sie diktierte das Tempo. Sie fragte nicht nach meinen Grenzen. Sie zog die Schlinge einfach mit einer Selbstverständlichkeit zu, die mir gleichzeitig den Atem raubte und mir die Haare zu Berge stehen ließ.
Beim Anziehen der schwarzen Stoffhose für das Abendessen schickte das kühle Harz wieder diesen wohligen, vertrauten Schauer durch mein Becken. Ich richtete mich auf, atmete tief durch und trat an den festlich gedeckten Tisch.
Mein Vater saß am Kopfende, trank seinen Rotwein und strahlte eine Zufriedenheit aus, die mir fast das Herz zerriss.
„Mensch, John“, lobte er lautstark und schaufelte sich Roastbeef auf den Teller. „Ich hab mir deine Zeiten auf der Fitness-App angeschaut. Vier Kilo runter in drei Wochen und fast jeden Tag zehn Kilometer auf der Uhr. Ich muss ehrlich sagen, ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben. Dass Loona dir mal so Beine macht… fantastisch.“ Er prostete meiner Stiefschwester grinsend zu. „Hast du gut hinbekommen.“
„Gern geschehen, Dad“, erwiderte Loona mit honigsüßer, perfekter Unschuld. Sie saß direkt neben mir. Unter ihrem eng anliegenden Rippstrickpullover zeichnete sich deutlich die Kontur des dünnen Lederbands ab. Der kleine Schlüssel ruhte direkt auf ihrem Dekolleté, unsichtbar für die Eltern, aber für mich so laut wie eine Sirene.
Gegenüber saß Vanessa. Sie lächelte zwar, aber ihre Augen wanderten auffällig oft von ihrem Teller zu mir hinüber. Immer wieder blieb ihr Blick an meiner Körperhaltung hängen – wie steif ich dasaß, wie ich vermied, mich ganz nach hinten an die Lehne zu drücken, um den Druck des Schlosses gegen meine Hoden zu minimieren. Der Vorfall vom Donnerstag stand noch immer wie ein unsichtbarer Schleier zwischen uns. Jedes Mal, wenn sie mich direkt ansah, spürte ich die Hitze im Nacken. Sie wusste ganz genau, dass es kein Wasser gewesen war.
„Es tut ihm eben gut, geführt zu werden“, warf Loona beiläufig ein und schnitt ein Stück Fleisch ab. Unter dem Tisch glitt ihr Fuß langsam nach vorn. Ihre Zehenspitzen tasteten nach meinem Knöchel, schoben sich an meiner Wade hoch und blieben schließlich mit leichtem, forderndem Druck an meinem Knie liegen. Ein stummer Befehl: *Stillhalten.*
Die Berührung schickte sofort eine Welle der Erregung in meinen Unterleib – die prompt vom starren Käfig gebremst wurde. Ein vertrauter, bittersüßer Schmerz, der mich innerlich aufstöhnen ließ.
Ich schluckte trocken und starrte auf meine Kartoffeln. „Ja… danke.“
„Wo wir gerade bei Zukunft und Disziplin sind“, setzte Loona plötzlich mit völlig veränderter, überlegter Stimmlage an. Sie legte das Besteck ab, tupfte sich die Lippen mit der Serviette ab und sah abwechselnd meinen Vater und Vanessa an. „Ich habe in den letzten Tagen viel nachgedacht. Ich bin mit dem zweiten Semester bald durch, und das Pendeln zur Uni wird langsam anstrengend. Ich denke, es ist Zeit, dass ich mich nach einer eigenen Wohnung umsehe.“
Mein Vater runzelte die Stirn, wirkte aber nicht überrascht. „Na ja, das haben wir ja schon mal besprochen. Die Mieten in Uninähe sind allerdings kein Zuckerschlecken.“
„Ich weiß“, erwiderte Loona gelassen. Dann drehte sie den Kopf langsam zu mir herum. Ein schmales, fast unmerkliches Lächeln kräuselte ihre Lippen. „Deshalb dachte ich an eine WG. John macht im Frühjahr sein Abi. Wenn er danach anfängt zu studieren, braucht er sowieso eine Bude. Warum sollten wir nicht zusammenziehen? Eine schöne Zweizimmerwohnung. Wir teilen uns die Miete, und ich kann weiterhin ein Auge darauf haben, dass er nicht wieder verwahrlost.“
Mein Magen schlug einen Salto – halb vor purer Panik, halb vor diesem dunklen, dreckigen Kitzel, der mich seit Tagen gefangen hielt.
*Eine eigene Wohnung. Nur sie und ich. Keine Eltern, keine schützenden Türen mehr.* Es ging ihr nicht nur um ein paar Wochen Bestrafung. Sie wollte die totale Herrschaft über mein Leben zementieren. Der Gedanke daran schnürte mir die Kehle zu – und brachte das versiegelte Fleisch zwischen meinen Beinen gleichzeitig zum Pulsieren.
„Das… das ist ja eine großartige Idee!“, rief mein Vater begeistert aus und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. „Vanessa, hörst du das? Die beiden verstehen sich mittlerweile so gut, dass sie zusammenziehen wollen. Vor einem Jahr sind sie sich noch aus dem Weg gegangen, und jetzt das!“
Vanessa hielt ihr Weinglas in der Luft an. Ihr Blick wanderte von Loona zu mir. Sie musterte mein angespanntes Gesicht, den Schweißfilm auf meiner Oberlippe und das verkrampfte Festhalten an der Gabel. In ihren Zügen lag ein tiefer, mütterlicher Zweifel – sie spürte, dass hier etwas ganz und gar nicht nach einer harmonischen Geschwister-WG roch.
„Findest du nicht, dass das etwas überstürzt ist, Loona?“, fragte Vanessa vorsichtig und stellte das Glas ab. „John hat sein Abi noch gar nicht in der Tasche. Vielleicht will er erst mal seinen eigenen Weg gehen.“
Unter dem Tisch verstärkte Loona den Druck ihres Fußes gegen mein Schienbein. Die Schuhspitze drückte sich warnend in mein Fleisch. Gleichzeitig griff ihre Hand scheinbar unauffällig an ihren Ausschnitt und zog das Lederband hervor. Der kleine Messingschlüssel blitzte kurz zwischen ihren Fingern im Licht der Lampe auf.
„Was sagst du denn dazu, John?“, fragte Loona mit samtiger Süße und sah mich direkt an. „Fändest du es nicht auch perfekt, wenn ich mich im Studium weiter um dich kümmere?“
Ihr Blick war ein offenes Versprechen – und eine unmissverständliche Drohung zugleich. Sie wusste genau, wie sehr ich diese Unterwerfung insgeheim genoss, aber sie ließ mir keinen Raum zum Atmen.
„Ja“, presste ich mühsam hervor und zwang meine Lippen zu einem Lächeln, während der Stahl an meiner empfindlichsten Stelle rieb. „Das… das klingt wirklich nach einem perfekten Plan.“
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