What's next?
Dammbruch
Die folgenden zwei Wochen fühlten sich an wie ein Balanceakt auf einer Rasierklinge.
Mein Wecker klingelte jeden Morgen um fünf Uhr dreißig. Kniebeugen, Liegestütze, Klimmzüge an der Stange, die Loona über meinem Türrahmen hatte montieren lassen. Danach die Schritte – zehntausend am Tag, minutiös getrackt über eine App, deren Zugangsdaten sie auf ihrem eigenen Smartphone hinterlegt hatte. Wenn ich um siebzehn Uhr erst bei achttausend war, reichte ein einziger Blick von ihr über den Küchentisch, und ich lief noch drei Runden um den Block, völlig egal, wie sehr die Beine brannten.
Und über allem lag dieses verdammte, unbarmherzige Verbot.
Zehn Tage. Zehn Tage, an denen ich mir nicht einmal beiläufig über den Stoff der Hose streichen durfte, ohne dass die Angst vor einer Strafe mir den Magen zuschnürte. Die Überreizung hatte ein Level erreicht, an dem jede Berührung wehtat. Der Saum meiner Boxershorts fühlte sich an wie Schmirgelpapier. Im Unterricht starrte ich minutenlang auf die Tafel, ohne ein einziges Wort zu erfassen, weil mein Kopf vollkommen vernebelt war von dieser pulsierenden, schweren Hitze zwischen meinen Beinen.
„Das Café ist zu laut“, sagte Emma an einem regnerischen Donnerstagnachmittag, als wir nach der sechsten Stunde vor dem Schultor standen. Sie zog den Kragen ihres beigen Mantels hoch; ihr Haar roch trotz der feuchten Luft nach diesem penetranten, süßen Rosenduft, der mir augenblicklich das Blut in die Schläfen trieb. „Wir gehen zu mir. Meine Eltern sind bis acht im Büro, da haben wir wenigstens Ruhe.“
Mein Herz machte einen Aussetzer. *Zu ihr nach Hause.*
„Ich… ich weiß nicht, Emma“, setzte ich an und tastete reflexartig nach dem Handy in meiner Jackentasche. „Wir haben gesagt, zwei Stunden. Wenn ich zu dir fahre, verliere ich Zeit auf dem Rückweg, und ich muss—"
„Wirst du jetzt zickig, John?“, schnitt sie mir mit einem amüsierten Lächeln das Wort ab, trat einen halben Schritt näher und legte die Hand ganz beiläufig an meinen Oberarm. Ihre Fingerspitzen drückten sanft durch den Stoff meiner Jacke. „Du wolltest mir helfen, meinen Schnitt zu retten. Analysis kriege ich nicht hin, wenn neben uns die Kaffeemaschine zischt und ständig Leute an den Tisch rempeln. Zehn Minuten mit dem Bus. Hab dich nicht so.“
Sie drehte sich um, ohne eine Antwort abzuwarten, vollkommen sicher, dass ich ihr folgen würde. Und genau das tat ich. Wie ein verdammter Hund trottete ich hinterher, die Hände tief in den Taschen vergraben, um den Stoff von meinem steifen Glied wegzudrücken, während mein Verstand mir vorrechnete, wie viele Minuten mir bis zu Loonas Deadline blieben.
Emmas Elternhaus war eine moderne Stadtvilla in einer ruhigen Wohngegend. Helles Parkett, bodentiefe Fenster, der Geruch von teuren Duftkerzen. Niemand da. Absolute Stille.
„Zieh die Jacke aus, mach’s dir bequem“, sagte sie, warf ihre eigene Tasche achtlos auf die Couch im Wohnzimmer und streifte ihre Schuhe ab. Sie trug eine eng anliegende Leggings und einen übergroßen Strickpullover, der ihr bei jeder Bewegung leicht über eine Schulter rutschte.
Aus dem Flur trottete eine getigerte Katze heran, strich mit aufgestelltem Schwanz um meine Knöchel und schnurrte leise.
„Hey, Cleo“, murmelte Emma beiläufig, bückte sich kurz, um das Tier am Kopf zu kraulen, und scheuchte es dann mit einem Schnalzen Richtung Kratzbaum am Sideboard.
Ich setzte mich an den massiven Esstisch, packte mit feuchten Händen die Hefter und Stifte aus und stellte mein Handy gut sichtbar neben das Buch. Das Display blieb dunkel, aber die bloße Anwesenheit des Geräts fühlte sich an wie eine geladene Waffe.
„Fangen wir mit den Extremwertaufgaben an“, sagte ich hastig, bemüht, geschäftsmäßig zu klingen.
Emma setzte sich nicht gegenüber. Sie zog ihren Stuhl direkt an meine Seite, so nah, dass ihr Oberschenkel meinen streifte. Ein dünner Stoff, die pure Wärme ihres Körpers – und in meiner Leiste zuckte es so heftig, dass mir kurz schwarz vor Augen wurde. Drüben auf dem Sideboard sprang Cleo lautlos zwischen die Dekoelemente, ließ sich nieder und fixierte uns mit ihren trägen, bernsteinfarbenen Augen.
„Erklär mir die Nummer vier“, murmelte Emma, beugte sich über das Blatt und stützte das Kinn auf die Hand. Ihre Haare fielen nach vorn, streiften meinen Nacken.
Ich versuchte zu sprechen, doch meine Stimme versagte beim ersten Wort. Ich räusperte mich, deutete mit dem Stift auf eine Formel und spürte, wie der Schweiß mir den Rücken hinunterkroch. Meine ganze Welt war auf zwei Dinge zusammengeschrumpft: die Uhr auf dem Telefondisplay, die unbarmherzig gegen mich lief, und dieser unfassbare, pochende Druck in meiner Hose, der keinen einzigen klaren Gedanken mehr zuließ.
Emma sah mich von der Seite an. Sie sah nicht auf das Papier. Ihre Augen glitten von meinen zitternden Fingern langsam hinab zu meinem Schoß, wo die Wölbung unter dem Jeansstoff keinen Zweifel mehr an meinem Zustand ließ.
Ein langsames, wissendes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.
„Du bist heute furchtbar nervös, John“, hauchte sie leise und schob ihr Knie noch ein Stück fester gegen meins. „Wovor hast du eigentlich so eine verdammte Angst?“
„Ich… bin nicht nervös“, brachte ich mühsam heraus. Meine Stimme klang viel zu hoch, dünn und brüchig. Ich starrte verbissen auf die Zahlenkolonne vor mir, als könnte eine poplige Kurvendiskussion mein Leben retten. „Wir müssen einfach fertig werden. Nummer vier. Du setzt die erste Ableitung gleich null und—"
„John.“
Ihr Tonfall schnitt meine Worte einfach entzwei. Nicht laut, sondern mit dieser beiläufigen Härte, die Mädchen wie Emma an den Tag legten, wenn sie genau wussten, dass sie am längeren Hebel saßen.
Sie drehte sich auf ihrem Stuhl ganz zu mir herum, zog ein Bein an und stellte den Fuß auf die Kante meines Stuhls. Ihr Knie drückte sich unverhohlen gegen meinen Oberschenkel. Sie trug keinen dicken Stoff mehr, nur die dünne, glatte Leggings.
„Sieh mich an“, forderte sie leise.
Ich wollte nicht. Mein ganzer Instinkt schrie danach, die Hefte zusammenzuraffen, die Treppe hinunterzurennen und auf die nächste Straßenbahn zu springen, bloß weg von ihr, bloß pünktlich nach Hause zu Loona. Doch mein Kopf gehorchte mir nicht mehr. Der tagelange Druck hatte mein Gehirn in Brei verwandelt. Ich hob den Blick.
Emma saß da, den Kopf leicht geneigt, die Augen wach und dunkel. Der weite Kragen ihres Strickpullovers war zur Seite geglitten und gab den nackten Ansatz ihrer Schulter frei. Sie roch so intensiv nach Rosen, dass mir beinahe übel wurde.
„Du zitterst ja am ganzen Körper“, flüsterte sie, und ein schiefes, fast spöttisches Grinsen zog ihre Mundwinkel nach oben. „Schau dich mal an. Du bist schweißnass. Und das ganz sicher nicht wegen einer Matheaufgabe.“
Ihre Hand löste sich von der Tischkante. Langsam. Unerträglich langsam. Ihre Fingerspitzen glitten über meinen Unterarm, fuhren die Linie meiner Sehnen nach und blieben schließlich auf meinem Oberschenkel liegen.
Mein Atem stockte komplett. Ein elektrischer Schlag raste durch mein Rückgrat, heiß und lähmend.
„Emma, lass… bitte“, keuchte ich, doch das Wort „bitte“ klang nicht nach einer Warnung, sondern nach einem verdammten Flehen. „Ich muss los. Wirklich. Wenn ich zu spät komme, dann—"
„Dann was?“ Sie beugte sich vor, ihr Gesicht nur noch Zentimeter von meinem entfernt. Ihr warmer Atem strich über meine Wange. „Muss der große Mathestar pünktlich zum Abendessen bei Mami sein?“
Ihre Finger wanderten weiter. Zwei Zentimeter. Vier Zentimeter. Sie strich über den harten, gespannten Jeansstoff direkt an meine Leiste, suchte nicht tastend, sondern griff mit absolut zielsicherer Selbstverständlichkeit nach der prallen, pulsierenden Kontur, die sich seit Tagen unter meinen Hosen abzeichnete.
Ein erstickter Laut entwich meiner Kehle. Meine Augen verdrehten sich für eine Sekunde. Die Berührung war so intensiv, dass mein ganzer Körper krampfte. Zehn Tage Enthaltsamkeit, zehn Tage Folter unter Loonas Verbot – und jetzt diese fremde, weiche Hand, die mich festhielt.
„Gott, John“, hauchte Emma, und in ihrer Stimme lag kein Spott mehr, sondern blanke, fast ungläubige Faszination. Ihre Finger schlossen sich fest um mein Glied durch den Stoff. Sie drückte leicht zu. „Du bist ja steinhart. Tust du dir das eigentlich mit Absicht an?“
„Lass los… ich… ich kann nicht…“, stammelte ich, doch ich tat keinen einzigen Schritt zurück. Ich hob nicht einmal die Hände, um sie wegzuschieben. Ich saß da wie ein Verurteilter auf dem elektrischen Stuhl, unfähig, mich zu rühren, während die Hitze in meinem Becken explodierte.
Emma lächelte. Ein triumphierendes, grausames kleines Lächeln. Sie zog mich am Kragen meines T-Shirts zu sich heran und drückte ihre Lippen auf meine.
Der Kuss war feucht, fordernd, schmeckte nach Kaffee und Minze. Ihre Zunge stieß kurz gegen meine, forderte Einlass – und das war der Moment, in dem die Sicherungen endgültig durchbrannten.
Es brauchte keinen Sex. Es brauchte kein Ausziehen.
In der Sekunde, in der sie ihre Hand auf meiner Hose ein einziges Mal rhythmisch auf und ab bewegte und mir gleichzeitig die Zunge in den Mund schob, riss der Damm mit der Wucht einer Lawine.
Ein heiseres Stöhnen wurde in ihrem Mund erstickt. Mein Becken zuckte unkontrolliert nach vorn, meine Hände krallten sich in die Kante der Tischplatte, und mein Körper ergoss sich mit schmerzhafter Intensität in den Stoff meiner Unterhose. Ein Schwall heißer, zäher Flüssigkeit entlud sich in den engen Stoff, pulsierte in kurzen, hilflosen Stößen gegen meine Haut, während mein Verstand in purer Scham und Erleichterung ertrank.
Ich kam. Mitten im Wohnzimmer. Voll bekleidet. Ohne Vorwarnung.
Vor Schreck über mein plötzliches Aufbäumen sprang Cleo mit einem dumpfen Satz vom Sideboard herab, jagte quer über das Parkett und brachte dabei die kleinen Holzfiguren auf dem Regal ins Wackeln.
Emma riss ihren Kopf zurück. Ihre Hand erstarrte auf meinem Schritt, dann spürte sie die plötzliche Feuchtigkeit, die Hitze, die durch den dicken Jeansstoff drang.
Für ein paar Sekunden war es totenstill im Raum. Nur mein schweres, keuchendes Atmen ging durch die Stille, während ich mit hängenden Schultern und schweißnassem Gesicht auf meinem Stuhl kauerte, den Blick starr auf die Tischplatte gerichtet. Ich konnte ihr nicht in die Augen sehen. Ich wollte einfach nur sterben, auf der Stelle im Parkettboden versinken.
Langsam zog Emma ihre Hand zurück. Sie musterte ihre Finger, dann mein Gesicht, und schließlich die feuchte, dunkler werdende Stelle auf meiner Hose.
Sie wurde nicht wütend. Sie schrie nicht.
Stattdessen glitt ein langes, ungläubiges Kichern über ihre Lippen. Es begann leise, wurde lauter und endete in einem herablassenden Lachen, das wie Peitschenhiebe auf mich niederging.
„Das… das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“, prustete sie hervor und schüttelte fassungslos den Kopf. Sie wischte sich die Fingerspitzen ganz beiläufig an einer Serviette auf dem Tisch ab. „Ein Kuss? Ich fasse dich einmal an und du spritzt dir in die Hose wie ein Dreizehnjähriger?“
Ich brachte keinen Ton heraus. Die Scham schnürte mir die Kehle so fest zu, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Ich starrte nur auf meine Knie, spürte, wie das Ejakulat in meiner Boxershorts langsam abkühlte und klamm an meiner Haut klebte.
Genau in diesem Moment vibrierte mein Handy auf dem Tisch.
Ein harter, summender Ton auf dem Holz.
Der Bildschirm leuchtete auf. Eine Nachricht.
*Loona: Du hast noch fünfzehn Minuten. Wenn du um 18:00 Uhr nicht in der Küche stehst, hole ich dich ab.*
Mein Herz fiel ins Bodenlose. Ich war nass. Ich roch nach Emma. Ich hatte mich bis auf die Knochen blamiert. Und die Uhr lief ab.
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