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Chapter 9
by
Rotstiftakrobat
Genieße ich die Sonne?
Ja, und Prince‘s Aufmerksamkeit
Die Sonne ist eine schwere, goldene Hand, die auf meine Schultern drückt. Ich liege auf dem Bauch, das Gesicht zur Seite gedreht, das Ohr auf dem Handtuch, und lausche dem gleichmäßigen Rauschen der Wellen. Jede Welle bricht, zischt über den Sand und zieht sich mit einem leisen Seufzen zurück. Es ist ein meditativer Klang, der die Nervosität in meinem Inneren ein wenig beruhigt. Die Hitze ist intensiv, sie dringt durch den dünnen Stoff meines rosafarbenen Bikinis und wärmt meine Haut von innen heraus. Das ist es. Das ist der Grund, warum ich hierhergekommen bin. Dieses Gefühl von Freiheit, von unendlichem Blau über mir und der Wärme, die mich umarmt. Endlich das, was ich mir vorgestellt hatte.
Langsam setze ich mich auf, knipse den Verschluss der Sonnenölflasche auf. Ein süßlicher, kokosartiger Duft steigt mir in die Nase. Ich gieße den klaren, goldenen Inhalt in meine Handflächen und beginne, mein Bein einzucremen. Die Bewegung ist langsam, fast zeremoniell. Ich spüre die glatte Haut unter meinen Fingern, die straffe Muskulatur meiner Waden, meiner Oberschenkel. Der „Hammer“, wie ihn meine Mitspielerinnen nannten. Früher war das ein Wort, das mich verlegen gemacht hat. Heute fühlt es sich anders an. Es fühlt sich an wie eine Waffe, die ich nicht zu führen weiß.
Meine Hände wandern höher, über meine Hüften, meinen Rücken. Als ich zu den neuen Markierungen komme, verändert sich meine Berührung. Sie wird vorsichtig, fast ehrfürchtig. Die kleine rote Chilischote über meiner Leiste und das Wort „unforgettable“ auf meinem Po fühlen sich unter meinen Fingern leicht erhaben an, eine zarte Narbe unter der Haut. Ich will sie behalten. Diese Erinnerung. Ich nehme die Sonnencreme, nicht das Öl, und trage eine dicke, schützende Schicht auf die tätowierten Stellen auf. Sie sollen nicht verblassen. Sie sollen bleiben, ein Zeuge dieser Nacht, dieses Mannes, dieses neuen Ich.
Ich lege mich wieder auf den Rücken, schließe die Augen und lasse die Sonne auf mich niederprasseln. Es ist ein wunderbares, fast schmerzhaftes Gefühl. Ich spüre, wie meine Poren sich öffnen, wie die Wärme in mich eindringt und jede Zelle meines Körpers mit Leben füllt. Ich bin fast eingeschlafen, als mein Handy neben mir vibriert. Ein Schauer, der nichts mit der Sonne zu tun hat, jagt über meine Haut. Ich weiß, wer es ist.
Langsam, als würde ich eine schwere Last heben, nehme ich das Handy in die Hand. Sein Name leuchtet auf dem Display. Mein Herz macht einen Satz. Ich öffne die Nachricht.
„Genauso. Mit den Bräunungsstreifen wirst du Blicke auf dich ziehen. Das Piercing drückt sich schön durch deinen Bikini. So habe ich mir das vorgestellt. Jette, du musst jetzt lernen Blicke zu genießen. Deine Tattoos und das Piercing sind ein Statement, das Männer wie das Licht die Motten anziehen wird. Dazu dein Körper und Blasen kannst du auch noch ;)“
Ein heißer Schwall von Blut schießt in mein Gesicht. Ich werde puterrot. Mein erster Instinkt ist, mich zusammenzukauern, die Arme vor der Brust zu kreuzen, mich zu bedecken. Ich schaue mich panisch um. Der Strand ist zum Glück fast leer. Nur weit in der Ferne sehe ich ein paar Spaziergänger, winzige Punkte am Horizont. Niemand sieht meine Scham. Niemand sieht das Mädchen, das am Strand rot wird, weil ihr ein Mann schreibt, dass sie ein „Statement“ abgibt.
Aber er hat recht. Ich spüre es, seit ich hier liege. Zuerst war es nur ein Gefühl, aber jetzt, wo er es ausspricht, wird es zu einer Gewissheit. Als ich vorhin vom Wasser zurückkam, ist ein älterer Mann mit einem Hund an mir vorbeigegangen. Sein Blick war nicht flüchtig. Er ist an mir hängengeblieben, zuerst an meinem Gesicht, dann wanderten seine Augen langsam über meinen Körper, über meinen Bauch, meinen Po, und wieder nach oben zu meinem Dekolleté. Er hat mich fast ungläubig angestarrt, als könnte er nicht fassen, was er sieht. Ich hatte mich damals mit dem Gesicht von ihm weggedreht, vor Scham. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, spüre ich ein anderes Gefühl. Ein winziges, schuldbeladenes Funkeln von Stolz.
Meine Mitspielerinnen hatten immer gelacht: „Die kommen nur wegen deines Pos, Jette.“, um mich zu ärgern. Und ich wurde immer verlegen. Ich habe die Blicke gespürt, aber ich habe sie nie gewollt. Jetzt sind sie anders. Die Blicke, die ich heute spüre, sind nicht mehr nur die von Jungs aus meinem Dorf. Sie sind intensiver, bewundernder, fast schon gierig. Sie bleiben hängen. Und wenn ich mich auf den Rücken lege, sehe ich, wie ihre Blicke an meinem Bauch und zwischen meinen Beinen kleben, an dem winzigen Dreieck des rosafarbenen Stoffes, unter dem sich das kalte Metall des Piercings abzeichnet. Sie schauen zweimal hin. Sie überlegen, ob ihre Augen sie täuschen. Ob dieses süße, sportliche Mädchen wirklich das Wort „unforgettable“ über dem Po und ein Metallstück an der empfindlichsten Stelle trägt. Der Gedanke macht mir Angst. Er macht mich schutzlos. Ich bin hier, in diesem knappen Bikini, ein offenes Buch, und jeder kann meine Geheimnisse lesen, wenn er nur genau hinsieht. Und doch… ein anderer Teil von mir genießt es. Ein Teil, den ich erst seit gestern kenne.
Die Stunden vergehen im Rhythmus der Wellen. Die Sonne wandert über den Himmel, ihr Licht wird weicher, wärmer, taucht alles in ein goldenes Licht. Ich lese in meinem Buch, das Tagebuch der Anna Frank. Ihre Worte, ihre Ängste, ihre Hoffnungen in diesem winzigen, versteckten Raum, fühlen sich seltsam nah an. Auch sie war gefangen, auch sie hat sich verändert. Aber ihre Veränderung war eine des Überlebens. Meine? Ich weiß es nicht.
Als die Dämmerung einsetzt, lege ich das Buch beiseite. Der Himmel ist ein Meisterwerk aus Orange, Pink und Violett. Ich mache ein Foto. Der Sand im Vordergrund, das Meer in sanften Pastelltönen, der leuchtende Himmel darüber. Es ist perfekt. Es ist das Bild, das ich meinen Eltern schicken will, das Bild von der glücklichen Tochter, die ihr Abenteuer genießt. Ich poste es in meine Insta-Story, schreibe „Sonnenuntergang in Australien “ darunter und schicke es dann auch direkt an meine Eltern. Für einen Moment fühle ich mich wieder wie das Mädchen aus Norddeutschland. Einfach. Unkompliziert.
Ich schaue an mir hinunter. Trotz meiner dunkelblonden Haare werde ich immer schnell braun, und jetzt ist eine schöne, goldene Bräune schon gut erkennbar. Meine Haut glänzt im letzten Licht. Dann erinnere ich mich an seinen Wunsch. Ich zögere. „Ist das verrückt? Ja. Aber ich habe es schon getan. Ich habe ihm schon ein Foto geschickt. Was ist noch ein Schritt mehr?“ Mit einem schnellen, entschlossenen Ruck ziehe ich die dünnen Schnüre meines String-Bikini-Höschens ein paar Zentimeter nach unten. Darunter ist die Haut noch blass, fast weiß. Ein scharfer Kontrast zu der gebräunten Haut drumherum. Ein Bräunungsstreifen. Sein Statement.
Ich halte das Handy tief, knipse ein schnelles Foto von dem Abdruck, ohne mein Gesicht zu zeigen. Mein Finger zittert, als ich auf „Senden“ drücke. Es ist ein Verrat an dem Mädchen, das ich gestern Morgen noch war. Aber es ist auch ein Versprechen an das Mädchen, das ich hier in Australien bin.
Dann packe ich meine Sachen zusammen. Der Sand ist kühl geworden, die Luft frisch. Der Rückweg zum Van ist still. Jeder Schritt ist eine Erinnerung an den Tag, an die Sonne, an seine Nachricht. Ich steige ein, schließe die Tür und die Stille des Vans umgibt mich wie eine schützende Hülle. Ich drehe den Schlüssel im Zündschloss, der Motor springt an. Die Lichter der Stadt flackern auf, als ich losfahre.
Weckt das Hostel meine Sexualität?
Jette‘s Abenteuer Down Under!
Ein verrücktes Lebensveränderndes Jahr in Australien
Jette ist 18 Jahre und kommt aus einer recht wohlhabenden im Nord-Westen Deutschlands. Sie hat gerade ihr Abi mit hervorragenden Noten abgeschlossen, aber weiß noch nicht so richtig, was sie machen soll, also los: Ab ins Abenteuer. Ein Jahr Work and Travel in Australien. Weit entfernt von ihrer , ihren Freunden und ein echter Neustart in ein selbstbestimmtes Leben und das Ganze in einem Van. Vanlife: Here she cums!
Updated on Mar 14, 2026
by Rotstiftakrobat
Created on Jan 9, 2026
by Rotstiftakrobat
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