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Chapter 14 by Rotstiftakrobat Rotstiftakrobat

Wie wird der weitere Abend?

Surreal

Der Moment, in dem Brad den Lagerraum betritt, um zu sehen, ob wir fertig sind, ist still. Er bleibt im Türrahmen stehen, seine Arme verschränkt, und sein Blick fällt auf mich. Er hat das Kostüm und die Haare schon gesehen, aber das hier… das ist der letzte Schliff. Sein Lächeln verblasst für eine Sekunde, seine Augen werden groß, als sie über den schimmernden Bodyglitter auf meinen Schultern, die langen, weißen Haare und die Lidschatten wandern. Er sieht die Clip-on-Nails, die wie grüne Smaragde an meinen Fingern funkeln.

„Verdammt, Jette“, sagt er leise, fast ehrfürchtig. „Ich dachte, du könntest nicht besser aussehen als vor einer halbe Stunde. Da habe ich mich aber sowas von getäuscht!“ Er kommt näher, sein Blick bleibt an meinem Bauch hängen, wo der Sixpack umrandet von Pailletten und zur Geltung gebracht durch den Body Glitter noch härter und definierter als ohnehin schon erscheint. „Du siehst aus wie… wie ein Traum. Ein sehr teurer.“ Ein breites, geschäftsmäßiges Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus. „Okay, meine Fee. Zeit für die Show. Die Leute warten schon.“

Als ich aus dem Lager trete, ändert sich die Atmosphäre schlagartig. Das gedämpfte Licht im Laden ist dunkler, die Musik lauter, und die Luft ist dicker. Und die Gäste… sie sind nicht, was ich erwartet hatte. Es sind keine ****. Es sind keine Familien. Es sind fast nur Männer. Erwachsene Männer. Ihre Blicke sind nicht neugierig wie die eines Kindes, sie sind… hungrig. Sie wandern über meinen Körper, langsam und abschätzend. Das erste Staunen ist nicht voller Unschuld, sondern voller Gier. Plötzlich fühle ich mich noch kleiner als die schüchterne Jette aus Norddeutschland.

Die Komplimente, die nun folgen, können unterschiedlicher nicht sein. Manche Gäste sind wirklich nett. „Wow, tolles Kostüm. Wo kann ich das kaufen?“, fragt eine der wenigen Frauen. „Eines der besten Cosplays, das ich je gesehen habe.“, kommt von einem leicht untersetzten Mann. Einige Komplimente haben einen anderen Klang. „Schau mal an, das süsseste Stück, das Brad je gebucht hat“ „Die Flügel sind nicht das Einzige, was hier fliegen, was?“. Außerdem überhöre ich einen Mann, wie er hinter mir zu einem anderen sagt: „Ob man die Kleine wohl auch privat buchen kann?“ Ich versuche die Sprüche und Komplimente wegzulächeln, aber mein Lächeln fühlt sich steif und künstlich an. Zu den Gesprächen und Komplimenten kommt eine gefühlt endlose Anfrage nach gemeinsamen Fotos. Die Fotos, die sie machen, sind nicht harmlose Selfies. Sie halten ihre Telefone tief, suchen nach Winkeln, und ich spüre, wie ich rot werde, wenn ich mir vorstelle, was sie alles einfangen.

Brad liebt es. Er steht an der Kasse, sein Handy in der Hand, und filmt alles für seine Reels. „Das ist es, Leute! Die eine, die wahre Tinkerbell! Folgt uns für mehr!“, ruft er und zwinkert mir zu. Ich fühle mich wie ein Ausstellungsstück, ein glitzernder, lebloser Gegenstand, der für die Likes anderer herhalten muss. Niemand in Deutschland wird das je sehen. Der Gedanke ist gleichzeitig eine Erleichterung und zutiefst beschämend.

„Hier, Jette, servier mal bitte ein paar Drinks!“, brüllt Brad über die Musik. Ich nehme den Schlüssel für den Lagerrau entgegen, schnappe mir das Tablett, das mir Brad vorher gezeigt hat und stelle ein paar Flaschen Bier und andere Drinks, die ich schnell Mische darauf. Mit dem Tablett in den Händen verlasse ich den Lagerraum mit der kleinen angrenzenden Küche wieder und schlängele mich durch die Menge. Hände streifen mir über den Rücken, über meine Hüfte. Ich zucke jedes Mal zusammen, aber ich lächle weiter. Ich muss. Ich verteile rasch die **** und bringe das Tablett zurück zu Brad, der mir zuruft: „Du machst das super, Kleine! Der Abend ist bislang ein voller Erfolg. Sprich einfach mit ein paar Gästen, laufe durch den Laden und zeige Präsenz. Du bist umwerfend und die Leute lieben dich!“

Während ich nun durch den Laden schlendere und die Blicke der Nerds auf meinem Körper spüre, sehe ich plötzlich aus meinem Augenwinkel einen Berg, der einen Schatten auf mich wirft. Ein großer, dunkelhäutiger Mann. Er lehnt an einem Regal und beobachtet mich. Als ich näherkomme, zeigt er auf ein Regal ganz unten. „Entschuldigung, Kleine“, sagt er mit seiner tiefen, ruhigen Stimme. „Könntest du mir da bitte die Action-Figur von Mystique holen? Ich habe es im Rücken und komme nicht so gut ran.“

„S-sicher“, stammle ich. Damit habe ich nicht gerechnet. In meinem kurzen Kleid fühle ich mich vulnerabel. Mir ist klar, dass ich jetzt aufpassen muss. Ich atme tief durch, beuge mich langsam und so vorsichtig wie möglich in den hohen Sandalen nach vorne, aber lasse -warum auch immer- meine Knie durchgestreckt. Die Vorsicht nutzt jedoch nichts. Der Stoff zieht sich straff, und ich spüre die kühle Luft auf meiner Haut, als der Stoff meines knappen Pallettenkleids über meine Oberschenkel nach oben rutscht. Trotzdem beuge ich mich tiefer. Ich spüre wie sich seine Augen in meine Oberschenkel brennen. „Warum kann ich das nicht stoppen?“, Frage ich mich verwirrt und puterrot. Dann ist der Moment gekommen. Das Kleid stretcht sich noch ein wenig mehr und rutscht dann mit einem Ruck die dicken Kugeln meiner Pobacken hinauf und mein halber Po ist zu sehen. Der schmale Streifen hellgelben Stoffs verschwindet fast zwischen diesen, obwohl sich meine Pobacken durch das vorbeugen etwas auseinanderschieben und am oberen Ende, auf meinem Steiß, ist das Dreieck des Tangas im Ansatz zu sehen. Meine Pussy wird von dem Stück Stoff notdürftig bedeckt, genauso mein Poloch. Für einen Moment halte ich Inne. Das was hier gerade passiert ist so surreal! Plötzlich kommt mein Verstand zurück. Schnell greife ich mit der Linken zur Action Figur und während ich mich so schnell wie möglich wieder aufrichte, ziehe ich mit meine Rechten wieder das Kleid über meinen Hintern. Mein Hals wird trocken, Hitze steigt in mir auf. Mein Gesicht brennt vor Scham. Mir wird klar, dass darauf gehofft hat, dass genau das passiert. Aber ich kann nichts dazu sagen. Ich traue micht nichtmal ihn anzusehen.

„Danke, Kleine.“, sagt er. Seine Stimme ist ein leises, tiefes Grollen. Ich schaue hoch. Er grinst. Breit. Triumphierend. Sein Blick sagt alles. Ja, das hat er geplant. Jede einzelne Sekunde davon.

Er nimmt die Figur, seine Finger streifen bewusst meine. Dann dreht er sich um, ohne sie auch nur anzusehen, und geht direkt auf die mysteriöse, schwere Tür am Ende des Lades zu. Ich starre ihm nach, mein Herz pocht mir bis zum Hals. Die Tür öffnet sich einen Spalt, und er verschwindet in der Dunkelheit.

Ich kann den Blick nicht von der Tür abwenden. In der nächsten Stunde sehe ich, wie es zur Normalität wird. Ein Mann geht immer wieder hinein oder hinaus. Zwei Minuten später ein anderer. Sie kaufen nichts. Sie reden mit niemandem. Sie verschwinden nur. Ich stehe hier in meinem glitzernden Tinkerbell-Kostüm, ein Objekt der Begierde für die Männer im Laden, und mit einem Mal fühle ich mich nicht mehr wie eine mächtige Fee. Ich fühle mich wie das Lockvogel-Stück, das am Eingang eines dunklen, unbekannten Netzes hängt.

Was befindet sich hinter der Tür?

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