Chapter 7
by
Meister U
What's next?
Ein leiser Luftzug
Ein Schatten fiel über den rosafarbenen Teppich.
Astrids tränenverschwommener Blick richtete sich zur Tür. Liv stand dort. Sie lehnte am Türrahmen, in ihrem Bademantel, eine Tasse Tee in der Hand. Ihr Gesicht war eine ruhige Maske, ihre grau-grünen Augen nahmen die Szene auf: Bernds nackten, arbeitenden Rücken, Astrids gespreizte, zuckende Glieder, ihr verzerrtes Gesicht.
Und anstatt von Scham überflutet zu werden, durchfuhr Astrid eine neue, noch ungeheuerlichere Welle der Erregung. Sie sah es. Sie sah alles. Liv, die Kühle, die Beobachterin, war Zeugin ihrer animalischen Hingabe. Diese Vorstellung, beobachtet zu werden in ihrem tiefsten Fall, trieb sie noch näher an den Abgrund. Ihr Stöhnen wurde lauter, fordernder, als wäre sie stolz darauf, was sie zeigte.
Bernd bemerkte Livs Eintreten. Sein Rhythmus stockte nicht. Er warf einen kurzen Blick über die Schulter, traf Livs Blick für eine Sekunde. Ein fast unmerkliches Nicken. Dann konzentrierte er sich wieder auf Astrid, erhöhte leicht das Tempo, als wäre dies eine zusätzliche Leistung für das Publikum.
Astrid schrie auf, als ein Orgasmus sie überrollte, nicht wellenartig, sondern wie ein Bersten von innen heraus. Ihr Körper klammerte sich krampfhaft um ihn, zog ihn tiefer, während unsinnige Laute aus ihr herausbrachen.
Bernd nutzte ihre Kontraktionen, trieb sich mit ein paar letzten, harten Stößen selbst über die Kante. Sie spürte, wie er in ihr erstarrte, ein leises, raues Knurren in seiner Kehle. Er blieb in ihr, schwer atmend, während die letzten Zuckungen durch sie beide liefen.
Dann herrschte Stille, gebrochen nur durch ihr keuchendes Schnappen nach Luft. Er zog sich aus ihr zurück, stand auf. Er wandte sich ab, um das Kondom zu entsorgen, sein Rücken war Astrid und Liv zugewandt.
Astrid lag ausgestreckt, völlig entblößt auf ihrem zerknitterten Bett. Ihr Körper glänzte vor Schweiß, zwischen ihren Beinen fühlte sie sich gebraucht, schmerzend, erfüllt. Langsam ließ sie ihre Hände vom Kopf sinken. Ihr Blick traf den von Liv, die noch immer in der Tür stand.
Liv hob ihre Teetasse, nahm einen kleinen, ruhigen Schluck. Ihr Gesicht zeigte keine Abscheu, keine Billigung, keine Überraschung. Nur analytische Aufnahme. Dann, sehr langsam, neigte sie ihren Kopf. Ein winziges Nicken. Eine Anerkennung. Für die Performance. Für die Hingabe.
Und in diesem Moment verstand Astrid. Dies war das Geschenk. Nicht nur der gewaltsame, befreiende Sex. Sondern die Erlaubnis. Die klare, stille Übereinkunft. Liv hatte Bernd nicht nur zu ihr geschickt. Sie hatte ihn ihr gegeben.
Ein schwaches, tränennasses, schiefes Lächeln zuckte um Astrids Lippen. Sie fühlte sich leer und doch gefüllt mit einer neuen, schrecklichen Gewissheit.
Bernd zog seine Jeans hoch, knöpfte sie zu. Ohne ein Wort an Astrid zu richten, ging er zur Tür. Er streifte Liv, die einen Schritt zur Seite trat, um ihn durchzulassen. Ein Blick wurde ausgetauscht, zu schnell für Astrid, um ihn zu deuten. Dann war er weg.
Liv blieb noch einen Moment. Sie sah Astrid an, die noch immer nackt und zerwühlt auf dem Bett lag.
„Das Wasser im Boiler ist heiß“, sagte Liv schließlich, ihre Stimme so sachlich wie immer. „Wenn du duschen möchtest.“
Dann drehte sie sich um und ging, die Tür einen Spalt offenlassend.
Astrid blieb regungslos liegen. Die Stille in ihrem Zimmer war jetzt anders. Geladen. Voll mit dem Echo von Bernds Stößen, dem Bild von Livs Blick. Und mit der verlockenden, erschreckenden, wundervollen Gewissheit: Er würde wieder kommen. Jederzeit konnte diese Tür wieder aufgehen. Sie würde tun, was immer er verlangte. Es war das schönste Gastgeschenk, das sie je erhalten hatte.
Sie war benutzt worden. Vollständig. Und es war gut.
Er hatte sie nicht begehrt. Er hatte sie als verfügbare Ressource genutzt. Und in dieser Nutzung lag eine Art von Wahrheit und Wert, die sie nie gekannt hatte. Sie war gebrauchsfähig gewesen. Und sie hatte den Test bestanden.
Das leise Klicken der Badezimmertür im Flur riss sie aus ihrer Betäubung. Sie hörte das Rauschen der Dusche. Bernd. Er reinigte sich von ihr.
Mit einer plötzlichen, neuen Entschlossenheit schwang sie die Beine über die Bettkante. Ihr Körper protestierte. Sie fühlte sich wund, gebraucht, anders. Sie stand auf, ihr Blick fiel auf das zerknitterte, feuchte Kondom, das er achtlos auf ihren hellen Teppich geworfen hatte. Sie bückte sich, hob es auf, wickelte es in ein Taschentuch ein und warf es in ihren kleinen Mülleimer.
Sie zog ihren Bademantel an, ohne sich zu waschen. Sie wollte den Geruch von ihm, den Beweis, noch eine Weile bei sich tragen.
Als sie ihr Zimmer verließ, stand Liv in der kleinen Küche. Sie wusch die eine Teetasse ab, die sie benutzt hatte. Ihr Rücken war zu Astrid gewandt.
„Fühlst du dich besser?“, fragte Liv, ohne sich umzudrehen
Astrid blieb in der Türöffnung stehen. Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft in dieser WG fühlte sie keine Scheu vor Liv. Die Scham war verbrannt worden, in der Hitze von Bernds Blick und Livs stummer Beobachtung.
„Ja“, sagte Astrid. Ihre Stimme war leise, aber nicht unsicher. „Ich fühle mich… klar.“
Liv drehte sich um, trocknete sich die Hände an einem Geschirrtuch ab. Ihr Blick scannte Astrids Gesicht, ihren locker sitzenden Bademantel. „Die physiologische Reaktion auf intensive, unterwürfige Erfahrungen kann eine Art neurologischen Reset bewirken. Angstzentren werden überlagert.“
Astrid verstand nicht alle Worte, aber die Bedeutung war klar.
„Wird er… wieder kommen?“, fragte Astrid. Sie brauchte die Antwort nicht, sie wollte sie hören.
Liv ließ ein kleines, fast nicht vorhandenes Lächeln zu. „Das liegt nicht an mir. Das liegt an dir.“ Sie trat einen Schritt näher. „Du hast die Erlaubnis. Dein Zimmer ist fortan ein verfügbarer Raum für ihn. Unter einer Bedingung.“
Astrid spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Nicht vor Angst. Vor Vorfreude. „Welche?“
„Absolute Diskretion. Nach außen. Und absolute Verfügbarkeit nach innen. Wenn er kommt, erwartet er Gehorsam. Nicht Diskussion. Nicht Gefühlsduselei.“ Livs Blick wurde schärfer. „Das ist kein Liebesspiel, Astrid. Es ist ein Service. Verstehst du den Unterschied?“
Astrid nickte langsam. „Ja. Ich verstehe.“
„Gut.“ Liv wandte sich ab, als wäre das Thema erledigt. „Die Waschmaschine ist frei, wenn du deine Bettwäsche wechseln möchtest.“
In diesem Moment kam Bernd aus dem Badezimmer. Dampf umwehte ihn. Er war frisch angezogen, sein dunkelblondes Haar noch feucht. Er ignorierte Astrid fast, sein Blick ging zu Liv. „Ich gehe kurz raus.“
Liv nickte.
Als er zur Wohnungstür ging, hielt er für einen Sekundenbruchteil inne. Sein Blick traf Astrids. Kein Lächeln. Kein Dank. Nur eine stille, bestätigende Wahrnehmung. Ein Blick, der sagte: Du bist da. Du bist nutzbar.
Dann war er weg.
Astrid lehnte sich gegen den Türrahmen, ein fremdes Gefühl der Zugehörigkeit durchflutete sie.
Sie ging zurück in ihr Zimmer, schloss die Tür. Sie zog den rosafarbenen Überwurf vom Bett, die fleckige Bettwäsche. Sie würde sie waschen. Aber zuerst setzte sie sich auf den blanken Matratzenbezug, wo die Eindrücke ihrer Körper und seine noch zu sehen waren.
Sie streckte eine Hand aus und berührte die kühle Stelle, an der sein Knie gedrückt hatte. Ein Schauer lief ihr über den Rücken.
Er würde wiederkommen. Und sie würde bereit sein. Sauber gewaschene Bettwäsche. Sorgfältig rasiert. Gehorsam.
Es war mehr als ein Geschenk. Es war eine Bestimmung. Und zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sich Astrids kleine, ordentliche Welt nicht beengend an.
Livs Geige seufzte durch die Wohnung, eine melancholische, scharfe Melodie, die sich wie ein unsichtbarer Schleier über alles legte. Astrid stand in der Küche, wusch Äpfel. Das Wasser war kalt, die Routine beruhigend. Jede Bewegung fühlte sich anders an in diesem neuen, aufgeladenen Körper. Sie war sich jeder Stelle bewusst, die er berührt hatte.
Die Wohnungstür ging auf und wieder zu. Schritte im Flur. Bernd.
Er kam in die Küche, zog einen Stuhl zurück und setzte sich. „Liv musiziert“, sagte er trocken.
Astrid nickte, trocknete sich die Hände ab. „Immer, wenn sie denkt.“ Sie traute sich, ihn anzusehen. Er sah frisch aus, unberührt. Sie fühlte sich im Vergleich dazu wie ein lebendiger Tatort.
„Rauchst du immer so viel?“, fragte sie, um etwas zu sagen. Ihre Stimme klang fast normal.
„Ich rauche gar nicht. Ich brauchte nur frische Luft.“ Er lehnte sich zurück, die Stuhllehne knarzte. „Und du? Was machst du, wenn es passt?“
Ein einfaches Gespräch. Ein Kennenlernen. Es war absurd.
„Ich lese“, sagte sie. „Krimis. Und ich backe manchmal. Zimtschnecken.“ Sie hätte sich ohrfeigen können für diese Banalität. Ich liege mit gespreizten Beinen da und warte darauf, dass du mich benutzt, war das, was sie denken wollte.
„Klingt gemütlich.“ Sein Blick wanderte durch die Küche, blieb kurz an den Messern hängen, glitt dann zu ihr zurück. Kein Dekolleté-Blick. „Ich mag keine Gemütlichkeit. Ich mag Klarheit.“
Die Geige im Hintergrund hob an, ein vibrierender, hoher Ton.
„Was ist Klarheit für dich?“, fragte Astrid, ihr Herz klopfte gegen ihre Rippen.
Er zuckte mit den Schultern. „Zu wissen, was man will. Und es einfach zu tun. Ohne Diskussion.“
Nimm mich, schrie es in ihr. Ohne Diskussion. Jetzt. Hier gegen die Spüle.
„Ich… ich weiß oft nicht, was ich will“, gestand sie leise. Es war die Wahrheit. Bis heute.
„Das macht es einfacher“, sagte er. „Dann muss man nur wissen, was jemand anderes will.“
Ihr Mund wurde trocken. Sie wollte fragen: Und was willst du jetzt? Von mir? Aber die Worte blieben stecken. Stattdessen sagte sie: „Liv backt nie. Sie sagt, es ist ineffizient.“
„Liv hat andere Methoden, Dinge zu kontrollieren“, sagte er, und ein Hauch von etwas, das fast wie Respekt klang, lag in seiner Stimme.
Die Geigenmusik stoppte abrupt. Eine Stille trat ein, die noch lauter war.
Bernd stand auf. „Ich schaue mal, ob das Gästezimmer wirklich so karg ist, wie es aussieht.“
Er ging. Keine Berührung. Kein anzüglicher Blick. Nur dieses Gespräch, das unter der Oberfläche gekocht hatte, ohne durchzubrechen.
Astrid blieb zurück, die Hände noch feucht, der Apfel halb gewaschen. In ihr brodelte es. Sie hatte gehofft auf eine Hand, die ihr unvermittelt über den Hintern fuhr. Auf ein Wort, eine Andeutung. Auf irgendein Zeichen, dass die offene Tür zu ihrem Zimmer, zu ihrem Körper, noch galt.
Aber vielleicht war das das Zeichen. Dass er einfach gehen konnte. Dass er wusste, er konnte jederzeit zurückkommen. Und sie würde da sein. Mit frisch gebackenen Zimtschnecken und gespreizten Beinen.
Sie presste die kühlen, nassen Hände gegen ihre heißen Wangen. Es war noch schlimmer, als direkt genommen zu werden. Dieses Warten. Diese Gewissheit des Wartens.
Von Livs Zimmer her begann die Geige erneut, diesmal ein Stück, das schneller war, bestimmt, fast ungeduldig. Als würde es Astrids pochendes Verlangen in Noten fassen.
What's next?
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Der Komplize
[Bernd vögelt sich durch Stockholm | Johanna spinn-off]
Berlin liegt hinter ihm. Vor ihm: Liv. Kühl, berechnend, schwanger von ihm. Ihre Einladung nach Stockholm ist kein Neuanfang, sondern die nächste Stufe eines perfiden Spiels. Liv, die Meisterin der Inszenierung, hat das Spielfeld vorbereitet. Bernd, der stille Stratege, soll es besetzen.
Updated on Mar 19, 2026
by Meister U
Created on Jan 11, 2026
by Meister U
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