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Chapter 27 by Daemony Daemony

Fährt Jasmin nach Hause?

Abkühlung

Jasmin hielt sich am Lenkrad fest, als wäre es ein Rettungsring. Ihre schweißnassen Finger klebten an der glatten Kunststoffoberfläche. Der von Markus gestartete Motor brummte, seine Vibrationen krochen ihr den Rücken hinauf. Sie schloss die Augen, um sich zu fokussieren. Sie musste jetzt nach Hause fahren. Sie musste all das hinter sich lassen und am besten alles vergessen.

Doch Markus' Finger hatten sie zu lange, zu penetrant berührt, als dass sie es schnell wieder vergessen konnte. Sie fragte sich, warum sie den Übergriff zugelassen hatte, warum sie sich nicht gewehrt hatte. Konnte sie es nicht? Oder wollte sie es nicht?

Der schlaksige, junge Mann stand noch immer neben ihrem Wagen.

"Bist du sicher, dass du allein zurecht kommst?", fragte er lauernd. "Ich kann auch mitkommen, um aufzupassen, dass dir nichts passiert."

Sie drehte den Kopf zu ihm und schaute Markus an - oder besser schaute sie auf seinen Schritt, weil dieser im Sitzen auf ihrer Augenhöhe war. Der freche Kerl rieb vulgär mit seiner Hand darüber. Igitt.

"Nein, danke", meinte sie eisig.

"Wenn du es dir doch noch anders überlegst, ruf mich einfach an. Hier ist meine Nummer."

Er zog ein zerknittertes Pappkärtchen aus seiner Gesäßtasche und steckte es ihr ans Armaturenbrett.

Sie **** sich zu einem unechten Lächeln, murmelte ein Dankeschön und schlug die Tür zu. Ihr Puls raste, ihr Körper war angespannt, als sie aufs Gaspedal trat und mit quietschenden Reifen vom Bordstein wegfuhr. Die Rothaarige winkte ihr zu, ein wissendes Grinsen auf den geschminkten Lippen.

Jasmin sollte nach Hause fahren. Das war das einzig Richtige. Dort wartete Robert und machte sich sicherlich schon Sorgen. Aber als sie die Kreuzung zur Hauptstraße erreichte, weigerte sich etwas in ihr, in ihr normales Leben zurückzukehren. Diese Nacht hatte einen Fleck auf ihrer Seele hinterlassen, den sie erst loswerden musste.

Ihre Hände zitterten. Sie war noch nicht bereit – für Roberts besorgten Blick, für die unausweichlichen Fragen, denen sie sich stellen musste.

Sie riss das Lenkrad scharf herum und nahm die entgegengesetzte Richtung. Die Straße führte an den Stadtrand und darüber hinaus, vorbei an verlassenen Einkaufszentren, Reklametafeln und rostigen Zäunen. Die Straßenlaternen wurden spärlicher, die Dunkelheit rückte näher, das Leuchten der Stadt verblasste in ihrem Rückspiegel.

Sie wusste nicht genau, warum sie das tat. Vielleicht brauchte sie einfach nur frische Luft. Oder sie war auf der Suche nach einem Ort, wo sie niemandem begegnen müsste.

Jasmin fuhr weiter, ohne nachzudenken, ließ sich einfach treiben. Einer spontanen Eingebung folgend bog sie ab. Ihr Wagen wurde verschluckt von dichter werdenden Bäumen, die links und rechts an den schmaler werdenden Feldweg heranrückten. Die Straße verlief ein Gefälle hinab und durch die Bäume schimmerte Wasser. Ein See.

Sie hielt an und nahm die friedliche Szenerie in sich auf. Es fühlte sich an wie ein Zeichen, dass sie angekommen war.

Es gab keinen Parkplatz, der Weg endete einfach. Sie stellte den Motor ab und stieg aus. Die Luft war erfüllt vom schweren Geruch feuchter Erde und dem frischen Duft immergrüner Nadelbäume. Das Mondlicht kitzelte mit silbernen Fingern über die stille Oberfläche des Sees, die sich sanft in einer nächtlichen Brise kräuselte.

Jasmin schlang die Arme um sich. Ihr Shirt klebte an ihr. Sie fühlte sich schmutzig.

Sie machte einen Schritt auf das Wasser zu. Es sah verlockend aus.

Sie hatte keinen Badeanzug, kein Handtuch. Aber wen kümmerte das schon? Niemand war hier. Niemand würde sie sehen.

Sie zog ihr einziges Kleidungsstück über den Kopf. Die Nachtluft küsste ihre Haut. Das Wasser plätscherte am Ufer, dunkel und einladend.

Jasmin stieg hinein.

Kalt. Ein scharfer Kontrast zu der Hitze, die noch immer in ihrem Inneren brodelte. Sie keuchte auf, **** sich aber, weiter vorwärts zu gehen, tiefer in den See. Die Kälte stieg an ihre Hüften, ihren Bauch, ihre Brüste, ihren Hals. Sie legte den Kopf in den Nacken, ließ sich nach hinten kippen, die Arme ausgebreitet. Sie schwebte. Die Augen fielen ihr zu. Die Welt löste sich auf. Es existierte nichts mehr außer dem Wasser, der Kühle und der Nacht.

Da –

ein Rascheln. Irgendwo in den Bäumen am Ufer.

Ihr Puls schoss in die Höhe.

Sie war nicht allein.

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