Chapter 28
by
Daemony
What's next?
Glaube
Da! Rascheln. Schon wieder.
Jasmin gefror. Das Wasser leckte an ihrer nackten Haut. Die äußere Kälte war bereits bis in ihre Knochen gedrungen. Aber jetzt überkam sie zusätzlich eine andere Art von Kälte – die Art, die tief aus ihrem Bauch herauskam und ihre knochigen Finger unter der Oberfläche zu Fäusten ballte.
Sie legte den Kopf schief und lauschte angestrengt. Das Rascheln kam vom Ufer. Ein Hauch von Bewegung im Schilf.
Die weitere Umgebung war still. Zu still.
Jasmin atmete stoßweise. Jeder Atemzug erzeugte Ringe im Wasser, die sich konzentrisch von ihr entfernten. Sie schalt sich für ihre Arglosigkeit. Für ihre Dummheit. Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Sich einfach auszuziehen und mitten im Nirgendwo baden zu gehen. Wie konnte sie sich nur so **** machen?
Die Idee, sich zu reinigen, hatte zunächst symbolisch gewirkt, metaphysisch auf einer höheren Ebene. Gewissermaßen eine Möglichkeit, die Bürde und das Laster der vergangenen Nacht abzuwaschen. Aber jetzt? Nackt in der Dunkelheit zu stehen, allein, schutzlos – während ein Fremder um sie herumstrich, da kam es ihr wie ein törichter Fehler vor.
Jemand beobachtete sie.
Etwas beobachtete sie.
Die Gewissheit darüber fraß sich in ihren Magen.
Das Rascheln kam wieder. Näher.
Jasmins Puls pochte in ihren Ohren. Sie wollte sich bewegen, tiefer ins Wasser gleiten, unter der Oberfläche verschwinden, wo sie niemand sehen konnte. Aber sie konnte nicht. Ihre Glieder waren zu Eis erstarrt.
Dann entdeckte sie es. Ein Schatten bewegte sich am Rand der Bäume.
Eine große Gestalt. Sie blieb stehen. Beobachtete.
Jasmins Magen verkrampfte sich. Ihr würde übel und für einen kurzen Moment glaubte sie, sie müsse sich übergeben.
Die Gestalt trat langsam und bedächtig aus dem Schutz des Waldes. Das Mondlicht wurde von seinem langen, dunklen Mantel verschluckt, so dass er wie ein Schattenriss vor einem dunklen Hintergrund wirkte. Sein Haar fiel in langen, lockeren Strähnen bis über die Schultern. Jasmin versuchte, sein Gesicht zu erkennen, doch es war in Schatten, die da nicht sein sollten, verborgen.
Jasmin bibberte, sie schauderte. Ihre Stimme zitterte, als sie sich ****, die wenigen Worte über ihre Lippen zu bringen: „Wer sind Sie?“
Keine Antwort.
Der Mann – oder das Wesen – stand einfach nur da, unfassbar still.
Ein Anflug von Panik ergriff Jasmin. Sie wollte fliehen, wollte sich umdrehen und so schnell sie konnte zur anderen Seite des Sees schwimmen, im Schilf verschwinden und nie wieder zurückblicken. Aber ihr Körper verweigerte sich ihr. Sie spürte, wie sich vor Angst unwillkürlich ihre Blase entleerte.
Er kam näher.
Die feuchte Erde am Ufer gab unter seinen Stiefeln kein Geräusch von sich. Er erreichte die Wasserlinie, trat hinein - nein, er trat darauf. Seine Füße wandelten über die sich kräuselnde Wasseroberfläche, als sei sie festes Land.
Jasmin blinzelte. Sie konnte nicht glauben, was sie sah.
Und doch: War Glaube nicht ein Teil ihrer Selbst? Das Fundament, auf dem ihr Leben gründete?
Sie dachte an einen Mann, von dem geschrieben stand, dass er über einen See gewandelt war.
Jasmin **** sich, ruhig zu bleiben und abzuwarten, während das Wasser immer höher stieg und sich wie eiskalte Hände um ihre Kehle legte.
„Was willst du von mir?“, flüsterte sie kaum hörbar.
Er sagte immer noch nichts.
Dann hatte er sie erreicht, kauerte sich hin. Seine Finger streckten sich aus und berührten die Oberfläche. Der See erzitterte unter seiner Berührung. Jasmin konnte das zarte Beben auf ihrer Haut spüren.
„Du solltest nicht hier sein“, sprach er schließlich. Seine Stimme war wie ein Echo, das von weit her schallte.
Jasmin zitterte.
Seine Hand berührte sanft ihre Wange. Und aus Kälte wurde Wärme.
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Die junge Pastorin
Sie gibt alles für ihre Gemeinde
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