Was ist Tom wohl widerfahren?
Er hat alles verloren
"Vorbei?" Alex bekam ein mulmiges Gefühl im Bauch. "Was ist passiert?"
"Sie haben rausgekriegt, was ich bin", erzählte Tom. "Bei einer der Schwangerschaftsuntersuchungen meiner Frau. Sie haben unser ungeborenes Kind auf mögliche Erbkrankheiten untersucht, und da kam raus, dass es Gene von einem Zarathustra hat. Allerdings - gesagt haben sie mir davon nichts. Sie haben nur plötzlich eines Tages, als ich gerade im Dienst war, meine Familie abgeholt. Und als ich dann nach Hause kam, saß da ein Major aus der Zarathustra-Eingreiftruppe in meinem Fernsehsessel. Und der hat mich dann aufgeklärt, dass ich schön weiter zu kooperieren habe, wenn ich nicht will, dass den beiden was passiert."
Alex schluckte. "Scheiße. Und du hast mitgemacht?"
Mit ernster Miene sah Tom zu Boden. "Was blieb mir anderes übrig? Ich hab gekuscht und weiter meinen Dienst gemacht. Auch wenn ich innerlich fast explodiert wäre. Denn genau das hätte ich auch dann getan, wenn sie meine Familie in Ruhe gelassen hätten! Ich war immer loyal! Immer ein guter Soldat! Dass sie dachten, sie müssten mich zur Kooperation zwingen, das machte mich fuchsteufelswild!"
"Und wie bist du dann da rausgekommen?" wollte Alex wissen.
"Die Regierung hat unterschätzt, was für gute Kameraden ich in der Armee hatte", fuhr Tom fort. "Ich war immer ein vorbildlicher Offizier gewesen, und ich hatte einen guten Freund im Stab. Der hat mitbekommen, was mit meiner Familie passiert war und Nachforschungen auf eigene Faust angestellt - einfach nur, um mir die Sicherheit geben zu können, dass es ihr gut geht. Leider hat er dabei herausgefunden, dass es ihnen eben nicht gut ging - die Arschlöcher hatten versucht, meinen Sohn aus dem Mutterleib herauszuoperieren, um seine Entwicklung zu studieren, und meine Frau war während dieser Operation gestorben. Als ich das erfuhr, war es vorbei. Ich tauchte unter und schwor mir, das würden sie mit niemand anderem mehr machen, wenn ich es verhindern konnte. Und so kam ich mit Steffen zusammen, der ähnliche Ziele hatte."
Alex sah ihn bedrückt an. "Und ich dachte, es wäre schon endkrank, was sie mit Lorena gemacht haben. Aber das hier ist ja mindestens genauso eklig. Dass sie so was mit einem loyalen Mann machen..." Er schüttelte den Kopf. "Wir müssen die echt stoppen."
Langsam sah Tom zu ihm auf. "Es sind kleine Schritte, Alex, die wir gehen können. Kleine Schritte. Und manchmal geht es auch einen Schritt zurück. Aber heute, heute war es ein Sieg für uns. Und ich hoffe einmal, mit 'Shorty' haben wir eine Mitstreiterin gewonnen."
Immerhin war Malia am nächsten Morgen extrem gut gelaunt und aufgekratzt, und sie belagerte förmlich Steffen, als der nach dem Frühstück die gemeinsame Gesprächsrunde eröffnete. "Unsere gestrige Mission können wir ja mit gutem Gewissen als Erfolg verbuchen", begann er, "und ich hatte ja schon meine Einzelgespräche mit Syren und Tha- Titania. Atlas, du hast mit, uhm, Roadie gesprochen-"
"Und ich denke, er wird uns auch weiterhin unterstützen", nahm Tom den Faden auf. "Es lief gestern nicht ganz optimal, aber ich denke, wir können trotzdem stolz auf uns alle sein. Gute Planung, passable Umsetzung, Missionsziel erreicht. Ich hab mich auch mit Pandora ausgetauscht und ihr unser Dankeschön für die Unterstützung ausgerichtet."
"Bedankt sich auch mal einer bei mir?" beklagte sich eine von Lorenas blonden Töchtern - Alex konnte sie immer noch nicht auseinanderhalten. "Ich hab euch sicher zum Treffpunkt und danach sicher wieder heimgebracht!"
Lorena legte ihre eine Hand auf den Arm. "Und das hast du auch gut gemacht, Steffi", sagte sie. "Ich bin sicher, Atlas hat dich mitgemeint, als er von 'uns allen' gesprochen hat."
Tom nickte. "Hab ich in der Tat. Und gerne auch noch mal direkt für dich: ausgezeichnete Arbeit. Du warst prima in der Zeit und bist unauffällig geblieben. Für eine Fahrerin alles, was man sich wünschen kann."
"Darf ich auch mal was sagen?" erhob Malia die Stimme. "Ich wollte mich nämlich auch bedanken. Bei allen, die mich hier rausgeholt haben, aber auch bei... Hathor, richtig?"
"Richtig", nickte Lorena, "Hathor. Wie die ägyptische Muttergottheit."
Malia lächelte. "Ja, wie gesagt, danke auch dir für die freundliche Aufnahme. Und natürlich Eidolon, für den netten Abend gestern. War ein echter Augenöffner!"
Steffen nickte ihr zu. "Gerne jederzeit wieder, wie gesagt."
"Jedenfalls", fuhr Malia fort, "ihr habt mich ja schon gefragt, ob ich mich euch auch anschließen will. Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich war jetzt ein paar Monate weg vom Fenster, und ich hab keine Ahnung, wie viel von meinem alten Leben noch übrig ist. Vor einem halben Jahr hatte ich nen Job, nen Freundeskreis, ne Wohnung - da haben mir schon ein paar Sachen was bedeutet. Ich würde gern mal nachschauen, was davon noch zu retten ist."
"Wenn du gestattest", beantwortete Steffen die Frage, "das hab ich bereits für dich rausbekommen. Wir haben dich aus dem Gefängnis nur deswegen rausholen, weil mir einer meiner Kontakte von dir erzählt hat. Deine Bekannten wissen jetzt alle, dass du eine der bösen Zarathustras bist, und das heißt, du hast keinen Job mehr, keine Wohnung, und bei deinen Freunden kannst du dir nicht sicher sein, wie die auf dich reagieren werden. Du kannst uns jederzeit verlassen, wenn du willst. Ich würde dir aber davon abraten, dein altes Zuhause wieder aufzusuchen."
Malia war bei seinen Worten wohl sehr unbehaglich zumute geworden. "Du meinst, mein altes Leben... das gibt es nicht mehr?"
An der anderen Seite des Tisches beugte sich Lorena ein Stück vor. "Wahrscheinlich ist das hier für dich der letzte sichere Platz auf der ganzen Welt", sagte sie. "Deine Identität, deine paramenschlichen Fähigkeiten, das alles ist jetzt öffentlich. Wenn du draußen erkannt wirst, wird man dich wieder jagen. Und wenn man dich nochmal fängt, wird man wohl nicht riskieren, dich wieder zu verlieren."
"Also, aber wenigstens eins muss ich noch erledigen", warf Malia ein. "Ich muss wissen, dass es Asha gut geht. Nicht, dass sie die auch noch geschnappt haben!"
"Asha?" Steffen sah auf. "Gehört sie auch zu uns?"
Malia nickte. "Meine beste Freundin. Wenn ich ehrlich bin, sogar meine einzige richtige Freundin." Sie sah in die Runde. "Bitte - könnt ihr nachsehen, ob es ihr gut geht?"
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