Ist das machbar?
Mit gewissen Vorbehalten
Steffen sah sie nachdenklich an. "Zumindest ist es mal nicht unmöglich", sagte er. "Einfach nur rauskriegen, ob es ihr gut geht, das kann Pandora ziemlich unauffällig machen. Aber wenn du mehr Details brauchst, müssten wir deine Freundin observieren. Und zumindest ich steh dafür in den nächsten Tagen nicht zur Verfügung. Ich muss ein paar meiner Kontakte durchgehen."
"Und wenn ich das mache, ist es ein zu großes Risiko", gab Tom zurück. "Mein biometrisches Profil ist zu bekannt. Da muss mich nur eine Überwachungskamera sehen, und ein paar Tage später ist die Eingreiftruppe vor Ort und schaut nach, was ich da gesucht habe. Damit bringen wir Asha in Gefahr."
"Na, dann schickt doch mich", bot Fanny an - diesmal war es Alex klar, wenn die andere Steffi war, musste das hier Fanny sein.
Ungläubig sah Steffen zu ihr. "Dich? Du bist noch völlig grün hinter den Ohren, und das ist ne sensible Mission!"
Fanny verschränkte die Arme vor der Brust. "Steffi habt ihr zur Fahrerin gemacht. Da war's auch kein Problem."
"Weil ihr Gesicht nicht bekannt ist", erklärte Steffen, "das heißt, die Verkehrsüberwachung kann sie uns nicht zuordnen. Und außer Fahren hatte sie nichts zu tun. Aber eine Observation ist was ganz anderes. Da brauchen wir erfahrene Leute."
"Ich könnte es machen", schlug Jessie vor. "Mich kennen sie nicht, und ich war ja schon mal mit dir draußen auf ner Überwachung."
Während Steffen das zu erwägen schien, beugte sich Tom vor. "Du gehst aber nicht alleine", sagte er. "Jemand muss ein Auge auf dich haben, während du ein Auge auf Asha hast. Vielleicht wäre das dann ein Job für Fanny."
Aber Steffen schüttelte den Kopf. "Ich muss das ganze erst durchplanen", sagte er, "zumindest mal grob. Heute Nachmittag, ehe ich gehe, sag ich euch, was wir machen. Wenn Hathor nichts dagegen hat."
"Ich möchte, dass du eins mit einplanst", gab Lorena zurück. "Lass uns Asha nicht nur observieren. Lass uns auch Kontakt mit ihr aufnehmen."
"Bist du sicher?" Steffen sah sie zweifelnd an. "Wenn sie noch ein normales Leben führt-"
Lorena sah ihn ernst an. "Da draußen ist sie nicht sicher. Wenn jemand schon Malia geoutet hat, kann er eventuell auch ihre Freundin verraten. Sie sollte zumindest einmal das Angebot bekommen, hier untertauchen zu können."
Wirklich gefallen schien Steffen die Idee nicht, wenn man seinem Gesichtsausdruck nach urteilte, aber er nickte trotzdem. "Alles klar, Hathor. Ich plane es ein."
"Ich helfe dir", meldete sich Tom zu Wort. "Wenn wir einen Kontakt haben, müssen wir operativ planen."
"Danke." Steffen sah in die Runde. "Hat sonst noch jemand was?"
Niemand mehr meldete sich, und so stand er auf, und mit ihm auch die anderen. Tamara, die den ganzen Morgen über versonnen geschwiegen hatte, suchte Blickkontakt zu Alex, und als der zu ihr sah, trat sie auch auf ihn zu. Aber noch ehe sie ihn erreichte, erhob plötzlich noch einmal Lorena ihre Stimme. "Roadie, ich brauche dich kurz."
Alex sah zu ihr. "Jetzt gleich? Ich wollte nämlich-"
"Es ist wichtig", sagte sie freundlich, aber nachdrücklich. "Da gibt es etwas, was du wissen solltest."
Ein paar Minuten später saß Alex in Lorenas Schlafzimmer auf dem Sofa, wie schon vor ein paar Tagen, und wie zuvor war ihm ein bisschen mulmig im Bauch. Lorena flößte ihm immer noch Respekt ein, vielleicht jetzt sogar noch mehr als bei ihrer ersten Begegnung, als er noch nicht die Bekanntschaft mit ihren Kräften gemacht hatte. Und dass sie so darauf bestanden hatte, mit ihm zu sprechen...
"Okay", ergriff er schließlich das Wort, "hier bin ich. Was wolltest du von mir?"
"Einen Moment noch", gab sie zurück. "Ich warte auf-"
In diesem Moment öffnete sich die Tür und Sandy schlüpfte hinein. Ihrer Körperhaltung nach musste sie etwas ausgefressen haben; zumindest schien sie Lorenas Blick ausweichen zu wollen.
Aber Lorena lächelte nur und klopfte mit der Hand neben sich auf das Sofa. "Da ist sie ja auch schon. Setz dich, Liebes, dann können wir anfangen."
"Hat sie wegen gestern Abend Probleme mit dir bekommen?" erkundigte sich Alex. "Falls ja-"
"Sie hat Probleme bekommen", nickte Lorena, "aber nicht wegen gestern Abend, sondern weil sie etwas getan hat, das wir hier nicht machen: Sie hat mit Tamara eine Wette darauf abgeschlossen, dich verführen zu können und dir nichts davon verraten. Und wir spielen hier keine Spielchen mit den Gefühlen anderer Leute, weil sie das verletzen kann. Und wir wollen einander nicht verletzen. Also, Liebes, was hast du dazu zu sagen?"
Sandy sackte auf dem Sofa noch ein Stück zusammen. "Es tut mir leid, dass ich dir gestern nicht gleich alles erzählt habe, Alex", sagte sie leise. "Tamara hat so von dir geschwärmt - ich wollte unbedingt wissen, ob du wirklich so gut bist, wie sie behauptet. Und weil sie gar nicht mehr aufgehört hat mit dem Geschwärme, hab ich mit ihr gewettet, dass ich dich dazu bringe, mich zu ficken, ehe du es ihr machst." Sie sah zu Boden. "Ich weiß, das war kindisch, aber der Gedanke, ihr einen so tollen Lover wegzunehmen, der hat mich wirklich angemacht. Bitte entschuldige. Ich hätte es dir sagen sollen."
Alex lächelte. "Ich bin dir nicht böse", meinte er, "und nach gestern Abend glaube ich, dass auch Tamara dir nicht böse sein wird. Du hast deine Wette nämlich verloren - na ja, ich vermute, das hat sich inzwischen wohl etwas rumgesprochen."
"Ja, das hat es", gab Sandy immer noch etwas zerknirscht zurück, "aber ich hoffe trotzdem, du- Also, dass du jetzt deswegen nicht schlecht von mir denkst. Das andere, das ich dir gesagt habe, war nämlich die Wahrheit."
"Das andere?" Alex musste kurz überlegen - der Fick mit Tamara hatte die vorherige Unterhaltung etwas in den Hintergrund treten lassen. "Ah, du meinst, dass du- Dass du Jungfrau bist?"
Sandy nickte. "Das, und auch dass ich dich für mein erstes Mal will."
Alex warf einen Blick zu Lorena, aber die schien vorerst noch warten zu wollen, wie sich die Unterhaltung entwickelte. "Okay", fuhr er dann fort, "weißt du inzwischen einen guten Grund, warum?"
"Ich wusste schon gestern einen", erklärte Sandy, "aber Tamara hat der Wette nur zugestimmt, wenn ich ihn dir nicht sage. Heute kann ich das aber tun. Wenn du ihn immer noch wissen willst."
"Oh, aber sicher will ich." Alex musste schmunzeln. "Was für einen Grund sollte eine reizende junge Dame wie du haben, sich ausgerechnet von einem dahergelaufenen Straßenköter wie mir 'die Kirsche knacken' zu lassen?"
Zu seiner Überraschung sah jetzt Sandy zu Lorena. "Es ist in Ordnung, wenn ich...?"
Lorena nickte aufmunternd. "Es ist deine Entscheidung", sagte sie. "Ich hab dir erklärt, welche zwei Möglichkeiten sich daraus ergeben."
"Okay." Sandy holte einmal tief Luft und sah zu Alex. "Du..."
"Ich...?"
"...bist mein Vater."
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