What's next?
Einzug ins Nest
Die letzten Wochen vor dem Abitur vergingen in einer beklemmenden, lückenlosen Routine.
Mein Alltag in der Altbau-Eigentumswohnung glich einem Uhrwerk, dessen Takt allein Loona bestimmte. Jeden Morgen riss mich ihr stummer Weckruf aus dem Schlaf: Aufstehen um halb sechs, eiskaltes Wasser ins Gesicht, Liegestütze, Crunches und Unterarmstütz auf den blanken Holzdielen, bis die Muskeln zitterten und der Schweiß über meine Schläfen rann. Der Körper, den ich im Badezimmerspiegel musterte, veränderte sich unerbittlich. Die Bauchmuskeln zeichneten sich scharf als definierter Sixpack ab, das Kreuz wurde breiter, die Adern traten an den Unterarmen hervor. Bei jeder Dehnung, bei jedem Schritt erinnerte mich das starre, unnachgiebige Harz zwischen meinen Schenkeln daran, wer die Kontrolle besaß. Das Vorhängeschloss blieb versiegelt, tagelang, wochenlang.
Nach dem Unterricht in der Schule, wo Emma mir mit gesenktem Blick und kalkweißen Wangen aus dem Weg ging, wartete die häusliche Pflicht. Fast jeden zweiten Tag kehrte Vanessa am späten Nachmittag erschöpft aus dem Yoga-Studio zurück. Kaum fiel die schwere Wohnungstür ins Schloss, lag sie auf dem Sofa, streckte ihre langen Beine aus und ließ mich mit einer beiläufigen Handbewegung antreten.
Ich sank auf die Knie auf den Teppich, griff nach ihren nackten Füßen und knetete mit beiden Daumen die verhärteten Sehnen und Wadenmuskeln durch, während Loona mit verschränkten Armen am Küchentresen lehnte und das Ganze stumm überwachte. Vanessa genoss die Behandlung, lobte mein Durchhaltevermögen, schwärmte von meiner neuen, athletischen Haltung und steckte mir danach jedes Mal beiläufig zwei Zwanzig-Euro-Scheine aus ihrem Portemonnaie zu – Geld, das ich keine zehn Minuten später wortlos in Loonas geöffnete Handfläche abliefern musste.
Die entscheidende Weichenstellung für die Zukunft fiel an einem Sonntagabend, als mein Vater für ein verlängertes Wochenende von seiner Auslandsbaustelle zurückkehrte.
Wir saßen am großen Esstisch unter der Stuckdecke. Vanessa hatte teuren Rotwein eingeschenkt, und die Stimmung wirkte wie das makellose Porträt einer wohlhabenden Familie. Mein Vater, sichtlich stolz auf meine schulischen Leistungen und mein verändertes Auftreten, musterte mich über den Tisch hinweg mit tiefer Zufriedenheit.
Genau in diesem Moment brachten die beiden Frauen das Thema auf den Tisch.
Es war ein eingespieltes Zusammenspiel. Vanessa strich meinem Vater über den Unterarm, schwärmte davon, wie reif und zielstrebig ich geworden sei und dass der anstehende Beginn des Medizinstudiums der ideale Zeitpunkt für den Schritt in die Selbstständigkeit wäre. Loona schaltete sich mit sanfter, wohlüberlegter Zurückhaltung ein: Ein eigenes Reich sei für das anspruchsvolle Lernen unerlässlich, und als erfahrene Studentin könne sie ein Auge auf mich haben, mich unterstützen und dafür sorgen, dass der Unialltag mich nicht überrollt.
Mein Vater brauchte nicht lange, um zuzustimmen. Er sah in dem Vorhaben eine vorbildliche geschwisterliche Fürsorge und einen Meilenstein meines Erwachsenwerdens. Noch am Tisch willigte er ohne Zögern ein, die gesamte Miete für eine großzügige Altbauwohnung in Schöneberg zu übernehmen.
In mir tobte ein seltsames Gemisch der Gefühle. Es gab Momente, in denen mir die Kehle eng wurde, weil ich ahnte, wie vollständig ich mich ihr auslieferte. Aber der Gedanke, mit Loona allein zu leben, löste ein noch viel stärkeres Kribbeln aus. Ich vergötterte sie. Sie hatte mir mehrfach leise zugeflüstert, dass wir ohne Vanessa im Nacken endlich freier sein würden – dass sie dann ganz andere Dinge mit mir anstellen, viel intensiver mit mir spielen und mich so fordern konnte, wie ich es mir tief im Inneren wünschte. Ich wollte diesen Schritt. Ich freute mich darauf, auch wenn eine leise, dumpfe Ehrfurcht vor ihrer absoluten Macht mitschwang.
Als dann wenige Wochen nach der Abiturverleihung – bei der mein Vater mir im Foyer noch stolz auf die breiter gewordenen Schultern geklopft hatte – der weiße Transporter vor dem neuen Altbau stand, ging es endlich los.
Der Hochsommer brannte über dem Asphalt. Kiste um Kiste trug ich die vier Stockwerke hinauf. Der Schweiß brannte in den Augenwinkeln hinter meiner runden Brille, das Harz rieb warm und fordernd an der Leiste.
„John, Junge! Schau dich an!“
Ein dröhnender Schlag traf meine Schulter. Timo grinste mich aus seinem sonnengebräunten Gesicht an, die Arme in einem ärmellosen Shirt perfekt trainiert, das Haar lässig zerzaust. Er war extra aus seiner Unistadt angereist, um mir beim Umzug zu helfen – mein bester Freund, der Frauenschwarm, der keine Ahnung von den Geheimnissen hinter den Kulissen hatte.
„Du hast ja richtig Fleisch auf den Rippen, Alter“, lachte er, boxte mir gegen den Oberarm und schnappte sich zwei Kartons. „Und dann ziehst du auch noch mit so ’ner Granate wie deiner Stiefschwester zusammen. Ganz Berlin beneidet dich um die Bude.“
Ich schmunzelte und stieg neben ihm die Stufen hinauf.
Im vierten Stock stand die Flügeltür weit offen. Drinnen empfing uns Loona im enganliegenden weißen Ripp-Top und kurzen Jeansshorts. Doch neben ihr stand noch jemand im Flur: Nadja.
Sie trug ein luftiges, helles Leinenhemd und kurze Stoffshorts, die ihre schlanken, makellosen Beine perfekt zur Geltung brachten. Ihre feinen Gesichtszüge, die rehbraunen Augen und das strahlende, offene Lächeln nahmen mich im ersten Moment völlig für sie ein. Sie wirkte unglaublich sympathisch, fast schon anziehend fröhlich, wie frischer Wind in dieser neuen Wohnung.
„Ah, die starken Männer sind da“, sagte Loona lächelnd, musterte Timos breite Statur mit einem aufmerksamen Blick und stellte die beiden einander vor.
Timo schüttelte galant ihre Hand, und als er weiterging, wandte sich Nadja direkt mir zu. Ihr Blick war warm, ehrlich interessiert und entwaffnend freundlich, als sie mich von oben bis unten musterte.
„Hi John“, sagte sie mit einer weichen, melodischen Stimme und schenkte mir ein bezauberndes Lächeln. „Schön, dich endlich richtig kennenzulernen. Wahnsinn, wie viele Kisten du da hochwuchtest. Mach bloß langsam, ja? Nicht, dass du dich übernimmst.“
Sie trat einen Schritt zur Seite, damit ich durchkam, und berührte dabei ganz beiläufig und sanft meinen Oberarm. Eine Welle von Verlegenheit schoss mir ins Gesicht. Sie war hübsch, ungeheuer charmant und ging so herzlich mit mir um, dass mein Herz einen kleinen Satz machte.
„John, stell die Kisten bitte direkt nach hinten durch“, wies Loona mich an, mit diesem ruhigen Tonfall, der mir wohlige Schauer über den Rücken jagte.
Ich nickte und trug die schweren Kartons ins hintere Zimmer. Der Käfig unter meiner Hose brannte wie flüssiges Blei. Hinter mir hörte ich Loona leise lachen, über einen Witz, den Timo gerade gemacht hatte.
Der Nachmittag verging in einer schweißtreibenden Routine aus Stufen, Kartons und dem dumpfen Poltern von Möbelteilen auf den geölten Dielen.
Neben Timo und mir packten noch drei kräftige Bekannte aus Loonas Unikreis mit an, die für ein paar Kisten Bier und Pizza den Transporter leerräumten. Das Treppenhaus hallte wider von schweren Schritten, Flüchen über die engen Wendelungen und dem Klappern von Werkzeugkoffern.
Timo bewegte sich mittendrin mit gewohnter, müheloser Kraft. Er riss Sprüche, witzelte über das Treppenhaus ohne Fahrstuhl und flirtete mit einer beiläufigen Leichtigkeit, die ihm seit jeher eigen war. Loona stieg überraschend offen darauf ein. Normalerweise strahlte sie Männern gegenüber eine kühle, unnahbare Distanz aus, doch heute lächelte sie über seine Witze, warf ihm schlagfertige Konter zu und musterte ihn immer wieder mit einem berechnenden, aufmerksamen Blick. Jedes Mal, wenn er sich das feuchte T-Shirt über den Kopf zog und sein breites, sehniges Kreuz entblößte, huschte ein kaum merkliches Schmunzeln über ihre Züge.
Ich schleppte stumm die schwereren Bücherkisten. Die Oberschenkel brannten, der Harzzylinder rieb bei jeder Drehung an der empfindlichen Haut, und unter dem Stoff meiner grauen Shorts stauten sich Hitze und Druck.
„Hier, trink erst mal was.“
Eine kühle Glasflasche berührte sanft meinen Unterarm. Ich zuckte leicht zusammen und blickte auf.
Nadja stand vor mir. Sie hatte ein feuchtes Papiertuch in der Hand und reichte mir die zischfrische Mineralwasserflasche. Ihr Lächeln war offen, fast fürsorglich. „Du siehst aus, als würdest du gleich umkippen, John. Lass die Kiste stehen, die läuft nicht weg.“
„Danke“, keuchte ich, schob meine Brille mit dem Handrücken die nasse Nase hoch und nahm die Flasche entgegen. Das kalte Wasser brannte herrlich in meiner ausgedörrten Kehle.
Nadja trat einen halben Schritt näher. Ihr Blick wanderte von meinen Augen hinab zu meiner Brust, wo das nasse Shirt eng an den frisch definierten Konturen meines Oberkörpers klebte. „Loona hat nicht übertrieben. Du hast wirklich hart trainiert, oder? Man sieht es dir an.“
Ihr Tonfall war warm, ohne jede Überheblichkeit. Eine Welle wohliger Verlegenheit schoss mir in die Wangen. Neben der schneidenden Kälte, mit der Loona mich sonst maß, fühlte sich Nadjas aufrichtige Freundlichkeit wie eine Oase an.
„Ich… gebe mir einfach Mühe dranzubleiben“, murmelte ich verlegen und kratzte mich am Nacken, bedacht darauf, mir bloß nichts anmerken zu lassen.
„Das sieht man aber auch“, lachte Nadja leise, beugte sich minimal vor und wischte mir mit dem kühlen Papiertuch eine Schweißperle von der Schläfe. Die Berührung war flüchtig, fast beiläufig, doch mein ganzer Körper spannte sich an. Unter der Sporthose pochte mein Fleisch gegen das starre Gehäuse. Wenn sie wüsste, was sie da berührt. Wenn sie nur ahnen würde, was unter dem Stoff eingesperrt ist. Die bloße Vorstellung schnürte mir den Atem ab – eine Mischung aus blanker Panik vor Entdeckung und einem bizarren, prickelnden Rausch.
„He, John! Träum nicht, pack mit an!“, rief Timo aus dem Flur, wo er gerade zusammen mit zwei der Jungs das Kopfteil meines Bettes durch den engen Türrahmen manövrierte.
Gegen zwanzig Uhr war der Transporter endlich leer. Die Helfer von der Uni verabschiedeten sich erschöpft mit ein paar Flaschen Bier für den Heimweg. Das Wohnzimmer glich einem Labyrinth aus brauner Pappe, Werkzeugkoffern und Luftpolsterfolie, doch die Küche war dank Nadjas Organisationssinn bereits voll funktionsfähig.
Timo ließ sich ächzend auf einen umgedrehten Karton fallen, wischte sich mit dem Handtuch über den Nacken und trank einen langen Schluck aus der Flasche. „Verdammt, das war ein Stück Arbeit. Aber die Bude ist der Wahnsinn. Wenn ich in Berlin bin, weiß ich ja, wo meine Couch steht.“
„Du bist jederzeit willkommen, Timo“, erwiderte Loona mit samtener Stimme. Sie lehnte an der Küchenzeile, die Weinflasche in der Hand, und schenkte Nadja und sich selbst ein Glas ein. Ihr Blick glitt langsam von Timos breiten Schultern hinab zu seinen Händen und wieder hoch zu seinen Augen. Es war ein Blick, den ich kannte – der Blick, mit dem sie Beute taxierte.
Nadja stellte ihr Glas ab und griff nach ihrer Handtasche. „Ich muss leider los, Mädelsabend ruft. Aber es war toll, euch zu helfen.“ Sie trat auf mich zu, legte kurz eine Hand an meinen Oberarm und schenkte mir ein ehrliches, strahlendes Lächeln. „Ruh dich aus, John. Du hast dich echt reingehängt heute.“
Mein Herz schlug mir bis zum Hals. „Danke für die Hilfe, Nadja.“
Kaum war die Wohnungstür hinter ihr ins Schloss gefallen, verabschiedete sich auch Timo. Er musste noch zu einem Kumpel nach Friedrichshain, bei dem er für die Nacht unterkam. Er zog mich kurz an sich, klopfte mir derb auf den Rücken und raunte mir grinsend ins Ohr: „Die Freundin deiner Stiefschwester ist der absolute Hammer, Alter. Halt dir die warm. Und deine Schwester sowieso… Junge, du hast das Paradies gezogen.“
Ich nickte stumm und brachte ihn an die Tür.
Als das schwere Schloss mit einem satten Klicken zuschnappte und die Altbautreppe draußen verstummte, legte sich eine schlagartige, drückende Stille über die Wohnung.
Ich drehte mich langsam um.
Loona stand am Ende des langen, dämmrigen Flurs. Das warme Sommerlicht fiel schräg durch die hohen Fenster und zeichnete ihre Silhouette nach. Ihr Lächeln war verschwunden. Das offene, charmante Gesicht, das sie den Nachmittag über für Timo und die Helfer aufgesetzt hatte, war wie weggewischt. Zurück blieb die schneidende, maskenhafte Kälte, die ich so fürchtete – und anbetete.
Sie sagte kein Wort. Sie hob nur langsam die rechte Hand, krümmte den Zeigefinger und winkte mich heran.
Mein Atem stockte. Das Harz unter meiner Hose fühlte sich an wie eine glühende Klemme. Mit gesenktem Kopf ging ich den Flur hinab, Schritt für Schritt, bis ich unmittelbar vor ihren nackten Füßen auf dem frisch geölten Parkett stehen blieb.
„Knie“, sagte sie leise.
Ich sank auf die Knie. Meine Hände legten sich flach auf die Oberschenkel, der Blick starr auf das Holz gerichtet.
Loona trat näher, bis ihre Schienbeine fast meine Schultern berührten. Ich roch ihren Duft – herbe Zitrusnoten, Schweiß von der Arbeit und die unverwechselbare Aura ihrer Überlegenheit. Sie neigte den Kopf zur Seite, griff mit zwei Fingern unter mein Kinn und zog mein Gesicht nach oben, bis ich in ihre smaragdgrünen Augen blicken musste.
„Ein schöner Tag, meinst du nicht auch?“, flüsterte sie, und ihre Lippen zuckten amüsiert. „Timo sieht wirklich unverschämt heiß aus, wenn er ins Schwitzen kommt. Findest du nicht?“
Ich schluckte trocken. „Ja.“
„Sehr gut.“ Ihre Hand glitt von meinem Kinn ab, wanderte langsam über meine Brust, spürte das wilde Hämmern meines Herzens und fuhr weiter hinab über den festen Bauch. „Er wird uns noch öfter besuchen. Sehr oft sogar.“ Ihre Finger schlossen sich um den Bund meiner Hose und zogen ihn mit einem Ruck nach unten.
Die kühle Luft traf den feuchten, schmerzhaft eingeengten Harzkäfig. Das kleine Vorhängeschloss klirrte leise gegen den Kunststoff.
Loona musterte das Gefängnis mit einem kühlen, befriedigten Lächeln. Sie griff nicht nach dem Schlüssel. Stattdessen hob sie ihren Fuß und drückte die samtige Sohle fest von oben gegen das Gehäuse, presste den Ring tief in mein Schambein.
„Willkommen in deinem neuen Zuhause, John“, hauchte sie leise. „Keine Stiefmutter mehr. Niemand, der dir zu Hilfe kommt. Ab heute gelten nur noch meine Regeln. Du hast gesehen, wie hübsch Nadja ist, hm? Wie nett sie zu dir war?“ Sie übte mehr Druck aus, bis mir ein leises Keuchen entwich. „Streng dich an. Vielleicht erlaube ich dir irgendwann, sie noch ein bisschen besser kennenzulernen. Aber heute Nacht… bleibst du genau da, wo du bist.“
What's next?
- No further chapters
- Add a new chapter
- Customize choices
0 comments
No comments yet
The story has no discussion yet. Leave a note here when a branch gives you something to say.
No chapter comments yet
No one has commented on this branch yet. Add the first note above.