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Blinde Hingabe

Chapter 32 by Levantin Levantin

Der laute, schrille Gong rettete mich in der allerletzten Sekunde. Das Geräusch schnitt durch den Flur, Türen flogen auf, und ein Schwall von Schülern schob sich zwischen uns.

„Muskelkater“, brachte ich hastig hervor, presste die schweren Bücher noch fester an meine Leiste und wich einen halben Schritt zurück. „Vom Laufen gestern. Ich muss in den Kurs.“

Emma blieb am Spind stehen, musterte mein gehetztes Gesicht mit diesem amüsierten, überlegenen Blick und schnaubte leise. „Morgen, sechzehn Uhr, John. Sei pünktlich. Und vergiss meine Analysis-Aufgaben nicht.“

Der Dienstagnachmittag bei ihr war eine reine Nervenschlacht gewesen. Emma hatte es sichtlich genossen, mich herumzukommandieren, mir ihre ungelösten Blätter hinzuwerfen und sich auf dem Sofa die Nägel zu feilen, während ich ihre Arbeit erledigte. Jedes Mal, wenn sie aufstand, um sich etwas zu trinken zu holen, oder sich provozierend nah hinter meinen Stuhl stellte, hatte ich krampfhaft die Beine zusammengepresst, den Tisch als Schild genutzt und gehofft, dass der dicke Stoff meiner Cargohose die starren Konturen des Harzkäfigs schluckte. Ich hatte es geschafft. Sie wusste von nichts. Punkt 17:35 Uhr hatte ich meine Sachen gepackt, ihre spöttischen Kommentare über meinen eiligen Abgang ignoriert und war zur Bahn gerannt.

Als die schwere Haustür unserer Wohnung hinter mir ins Schloss fiel, war es exakt 17:52 Uhr. Acht Minuten vor der Deadline.

Kein Stress. Kein Versteckspiel mehr. Ich streifte die Schuhe ab, ging durch den stillen Flur und zog die Zwischentür zu unserem Trakt hinter mir zu. Mit dem leisen *Klack* des Riegels fiel der gesamte Druck der letzten zwei Tage von mir ab. Die Angst vor Emmas Erpressung, die Paranoia in der Schule, das ständige Misstrauen gegenüber Vanessas Blicken – all das blieb draußen.

In Loonas Zimmer brannte nur das matte, warme Licht der Nachttischlampe. Sie saß auf der Kante ihres Betts, die Beine übereinandergeschlagen, barfuß, in einer bequemen grauen Sweatpants und einem engen Top. Ihr Laptop stand zugeklappt auf dem Schreibtisch. Sie sah auf, als ich eintrat, und musterte mich schweigend. An ihrem Hals glänzte das feine Lederband; der kleine Messingschlüssel ruhte sichtbar auf ihrem Schlüsselbein.

Ich sagte kein Wort. Ich spürte nicht den Hauch des Impulses, mich zu rechtfertigen, zu verhandeln oder die Distanz zu suchen. Zum ersten Mal seit Tagen gab es in meinem Kopf keinen Widerstand mehr.

Ich trat langsam auf sie zu, sank vor dem Bett auf die Knie und senkte den Kopf. Der kühle Bodenbelag fühlte sich gut an unter meinen Knien. Ich streckte die Hände aus, umfasste vorsichtig ihren linken Knöchel und hob ihren Fuß sanft an. Meine Lippen berührten ihren Spann, wanderten langsam über die weiche Haut zu ihren Zehen. Ich küsste sie mit einer tiefen, ergebenen Andacht, schloss die Augen und atmete den vertrauten, sauberen Duft ihrer Haut ein. Es war keine Demütigung in diesem Moment – es war pures Ankommen. Eine Erlösung davon, die Kontrolle behalten zu müssen.

Loona entwich ein leises, zufriedenes Atmen. Ihre Zehen krallten sich ganz leicht in meine Wange, strichen dann sanft über meine Schläfe.

„Sehr brav, John“, murmelte sie leise. Ihre Stimme hatte nichts von der scharfen Härte vom Sonntag; sie klang fast warm, souverän und ruhig. „Pünktlich. Keine Ausreden. Du lernst es langsam.“

Sie griff mit einer Hand neben sich auf das Kissen, zog ein breites, schwarzes Seidentuch hervor und hielt es mir hin. Ich zögerte keine Sekunde. Ich nahm es ihr aus der Hand, legte den geschmeidigen Stoff über meine Augen und band ihn am Hinterkopf fest.

Die Dunkelheit schluckte den Raum, und im selben Moment schärften sich alle anderen Sinne. Ich hörte das leise Rascheln von Stoff, als sie ihre Beine öffnete und sich auf dem Bett ein Stück nach hinten lehnte.

„Komm her“, flüsterte sie in die Schwärze.

Ich tastete mich vorwärts, kroch auf allen vieren auf die Matratze, bis meine Stirn ihre Oberschenkel berührte. Meine Hände fanden ihre Hüften, schoben den Bund ihrer Sweatpants nach unten, während mein eigener Käfig hart und dumpf gegen meine Leiste drückte. Die starre Hülle schnürte mich ein, ließ nicht den Hauch einer Schwellung zu, schickte aber bei jeder Bewegung diesen bittersüßen, pochenden Schmerz durch mein Becken. Ich war versiegelt. Ich konnte mir nichts nehmen. Ich durfte nur geben.

Als meine Lippen die feuchte, brennend heiße Haut zwischen ihren Schenkeln berührten, stieß Loona ein langes, zitterndes Keuchen aus. Ihre Finger fuhren sofort in meine Haare, krallten sich fest in meine Strähnen und drückten mein Gesicht tiefer gegen sich.

Ich verlor mich vollkommen darin. Ohne Augenlicht gab es nur noch den Geschmack von ihr auf meiner Zunge, das Aufbäumen ihres Körpers unter meinen Händen und den Rhythmus, den ihre Finger an meinem Hinterkopf vorgaben. Ich leckte sie mit einer Hingabe, die ich selbst kaum begreifen konnte – methodisch, ausdauernd, jeden Zentimeter ihrer Lust auskostend. Bei jedem ihrer heiseren Laute zuckte mein eingesperrtes Glied hilflos im Harz, vollkommen überreizt, aber zur absoluten Passivität verdammt. Und genau diese Ausweglosigkeit trieb mich noch tiefer in den Rausch. Ich wollte nirgendwo anders sein. Ich wollte nur ihr gehören.

Loonas Schenkel begannen unkontrolliert zu zittern. Ihr Griff in meinen Haaren wurde fast schmerzhaft fest, ihre Nägel bohrten sich in meine Kopfhaut.

John… genau da… hör nicht auf…“, stöhnte sie atemlos, ihre Stimme rau und völlig ungefiltert.

Ihr Becken ruckte nach vorn, ein harter Krampf riss durch ihren gesamten Körper, und sie ergoss sich mit einem erstickten Schrei gegen meine Lippen. Ich hielt sie fest, leckte jeden Schauder auf, während sie bebend über mir zusammenbrach und ihre Schenkel fest um meinen Kopf presste.

Für ein paar Minuten war im Raum nur ihr schweres, unregelmäßiges Atmen zu hören.

Bevor sie sich jedoch ganz entspannte, spürte ich noch unter der Augenbinde, wie sie sich zurückzog. Der Stoff ihrer Sweatpants raschelte leise, als sie ihn wieder ordentlich nach oben zog und den Bund glattstrich. Erst als sie wieder vollkommen angezogen und hergerichtet auf dem Bett saß, lockerte sich ihr Griff in meinem Nacken. Ihre Finger glitten sanft, fast beiläufig durch mein Haar, strichen mir über die Wange und zogen das Seidentuch langsam von meinen Augen.

Das schummrige Licht blendete mich kurz. Ich blinzelte und sah zu ihr auf. Loona saß vor mir – die Beine wieder sittsam geschlossen, das enge Top glattgezogen, die Sweatpants perfekt an Ort und Stelle. Wie immer. Ich hatte sie noch nie im Leben nackt gesehen; selbst eben hatte ich nur diesen einen winzigen Ausschnitt ihrer nackten Haut zwischen den Oberschenkeln spüren dürfen, während die schwarze Seide mir jeden Blick verwehrt hatte. Sie gab mir nie das ganze Bild, immer nur genau so viel, wie sie für ihre Zwecke brauchte.

Ihre Wangen waren noch leicht gerötet, die Lippen feucht und ein wenig geöffnet, während sich ihre Brust im Takt ihres schnellen Atems hob. Sie blickte auf mich hinab, sah meine geschwollenen Lippen, die absolute, willenlose Unterwerfung in meinen Zügen – und griff dann ganz langsam an ihr Dekolleté, wo der kleine Messingschlüssel an dem Lederband hervorbügelte.

Sie hielt ihn zwischen zwei Fingern, lächelte matt und mit einer grausamen, überlegenen Vertrautheit.

„Sehr brav gedient“, hauchte sie leise, beugte sich ein Stück vor und strich mir mit der kühlen Kante des Metalls sachte über die Unterlippe. „Wenn du so weitermachst… darfst du vielleicht bald auch mal wieder kommen.“

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