Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)

Chapter 26

What's next?

Maß nehmen

Ich wartete drei Tage nach unserem ersten Treffen, bis ich die Jenssens in ihrem neuen Haus besuchte. Sobald ich mit Hannes ins Obergeschoss gegangen war, um die Schrägen anzuschauen und mir einen Eindruck davon zu verschaffen, was für eine Art von Einbaumöbeln für sie in Frage kämen, wusste ich auch wieder, warum ich mir diese Zeit gelassen hatte. Er war ein derart extrovertierter und von sich eingenommener Typ, dass ich mich einfach nicht überwinden konnte, ihn zu mögen.

Während ich versuchte, die Wände auszumessen und eine Idee zu entwickeln, was ich ihnen vorschlagen wollte, quatschte er mich pausenlos zu. Am meisten ärgerte mich, dass er meine Meinung anscheinend gar nicht hören wollte. Es wirkte, er wisse schon längst und vor allem viel besser als ich, was ich tun sollte.

Ich war schon drauf und dran, ihm zu sagen, dass ich ihm nicht helfen könne, als Andrea auftauchte.

„Na, Jungs, seid ihr am Fachsimpeln?“

Ihr Ehemann ergriff sofort das Wort, ohne sich bei mir rückzuversichern. „Ja, alles klar, Schatz. Herr Gerke hat schon alles ausgemessen. Wir bauen hier Unterschränke ein, um die niedrigen Ecken als Stauraum nutzen zu können. Genauso hatte ich es mir vorgestellt.“

Ich schäumte innerlich, wollte vor der netten Hausfrau aber nicht ausfällig werden. Sie sah mich mit einer Hochachtung an, die mich sofort besänftigte. Ihr zuliebe entschied ich mich, die Respektlosigkeit, die er mir entgegenbrachte, zu ignorieren. Allerdings würde ich abwarten, bis er wieder auf seiner Bohrplattform Schichten schob, ehe ich das Projekt angehen wollte. Auf diese Weise könnte ich es richtig machen, ohne dass er mir hineinredete. Und ich müsste mich nicht mit ihm herumärgern.

Also **** ich ein Lächeln auf mein Gesicht und bestätigte. „Das bekomme ich auf jeden Fall hin. Ich muss vorher nur das Material besorgen und ein bisschen was vorbereiten. Dann kann ich mich an die Arbeit hier machen.“

Hannes sah nicht besonders glücklich aus. Anscheinend hatte er erwartet, dass ich sofort anfange, seine Ideen umzusetzen. Dieses Mal war seine Frau gottseidank schneller mit der Antwort.

„Das klingt wunderbar. Ich finde es unheimlich nett, dass Sie uns helfen.“

„Kein Problem, das mache ich doch gerne.“

Ihr Gatte gab sich noch nicht zufrieden. „Wenn Sie mir eine Materialliste geben, kann ich die Sachen im Baumarkt kaufen. Ich habe ja Freizeit und könnte mich morgen schon drum kümmern. Dann könnten wir gleich anfangen, so lange ich noch hier bin.“

„Danke, das ist gut gemeint, aber ich habe meine eigenen Bezugsquellen. Es soll am Ende ja auch alles zusammenpassen. Oder?“, nahm ich ihm den Wind aus den Segeln.

Grummelnd gab er nach. „Und was wird das ungefähr kosten?“

Ich überschlug kurz im Kopf die Preise, addierte einen kleinen Sicherheitspuffer dazu und nannte die Summe. Er schien von der Zahl nicht beeindruckt zu sein.

„Kein Problem. Geben Sie uns dann einfach die Rechnungen, dann erstatten wir ihnen das Geld. Und Sie sind sicher, dass Sie für Ihre Arbeit selbst keine Bezahlung wollen?“, hakte er nach.

„Nein, ganz bestimmt nicht. Ich mache sowas ja nur, weil ich Spaß daran habe.“

Bei den letzten Worten sah ich bewusst an ihm vorbei und lächelte Andrea gewinnend an.

„Das ist wirklich super nett“, würdigte sie mein Hilfsangebot noch einmal und erwiderte offen und aufrichtig mein Lächeln. „Und jetzt, wie wäre es mit einem Stück Kuchen?“

„Unheimlich gerne. Ich liebe Süßes.“

Ich ließ Hannes links liegen und folgte ihr ins Erdgeschoss.

Bei Kaffee und Kuchen erfuhr ich auch den Grund, weshalb sie sich für das Haus im Grünen fernab der Stadt entschieden hatten. Zuvor hatten sie in einer geräumigen Mietwohnung relativ zentral gewohnt, so lange ihre beiden Töchter Lisa und Miriam noch zur Schule gingen. Die eine studierte inzwischen und wohnte in einer WG, die andere hatte eine Lehre gemacht und war mit ihrem Freund zusammengezogen. Weil die Wohnung für nur zwei Erwachsene eigentlich zu groß war, hatten sie diese aufgegeben und sich ein kleines Häuschen gesucht.

Hannes wollte unbedingt raus aufs Land, wie er sagte, um sich nach den anstrengenden 14-Tage-12-Stunden Schichten zu erholen. Was seine Frau wollte oder brauchte, schien für ihn keine Rolle zu spielen. Durch den Umzug waren alle ihre sozialen Kontakte gekappt worden. Und sie schien nicht die gesellige, aktive Person zu sein, die schnell und einfach neue Bekanntschaften schloss. Während ihr Ehemann zuhause war, deckte er dies durch seine rastlose Wesensart zu. Doch ich konnte mir unabweislich vorstellen, dass die Zeiten, in denen sie alleine war, sehr einsam für sie sein würden. Zumal ihr sicher auch ihre beiden **** fehlten.

-

Ich zögerte die Bestellung der Hölzer für das Projekt bewusst hinaus, bis ich genauer wusste, wann der Hausherr verschwinden würde. Acht Tage später, am Tag nach seiner Abreise lud ich meinen Kombi voll und fuhr vor dem Haus der Jenssens vor. Kaum war ich ausgestiegen, öffnete Andrea auch schon die Tür. Sie stand auf der Schwelle und begrüßte mich.

„Hallo Herr Gerke, schön dass Sie da sind. Es ist nur schade, dass Sie Hannes knapp verpasst haben. Er hätte Ihnen sicher geholfen, die Sachen auszuladen und hoch zu tragen.“

„Hallo!“, ich wechselte meinen Werkzeugkoffer in die Linke und schüttelte ihr herzlich die Hand, ohne auf die Bemerkung über ihren Mann einzugehen. „Wie wäre es, wenn wir uns duzen? Ich werde öfter hier auftauchen und länger bleiben, da müssen wir nicht so förmlich sein.“

„Gerne. Ich bin Andrea.“ Sie erwiderte meinen Händedruck freundschaftlich.

In den nächsten Stunden und Tagen verbrachten wir relativ viel Zeit miteinander. Ich gewann den Eindruck, dass Andrea absichtlich in der Nähe blieb, während ich in ihrem Dachgeschoss arbeitete, um Gesellschaft und jemanden zum Reden zu haben.

Dabei litt sie nicht unbedingt unter Langeweile, denn es gab etliches ein- und aufzuräumen. Überall standen noch Umzugskartons, da sie in der alten Wohnung mehr Stauraum gehabt hatten. Deshalb freute sie sich auch darauf, dass ich die Winkel unter den Dachschrägen verkleidete und mit Schiebetüren in Ablagefächer verwandelte, in denen sie vieles unterbringen konnte. Als ich mit dem ersten kleinen Zimmer fertig war, brachte sie überraschend eine gekühlte Flasche Sekt und zwei langstielige Gläser.

„Hurra! Die erste Etappe ist geschafft. Darauf müssen wir anstoßen“, verkündete sie.

Ich öffnete die Flasche und schenkte uns ein. Plötzlich standen wir uns ganz nah. Sie sah mir in die Augen, dann errötete sie und senkte betreten ihren Blick.

„Ich danke dir. Für alles, was du machst. Und dass du da bist“, wisperte sie, „aber wir müssen aufpassen, was wir tun. Mein Mann kann sehr besitzergreifend und … dominant sein.“

Sie ließ die Worte ohne weitere Erklärung im Raum stehen. Ich stürzte den Inhalt meines Glases in einem Zug herunter.

What's next?

Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)