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Chapter 27

What's next?

Sven behebt einen Fehler

Die Spannung in der kurzen Distanz zwischen ihr und mir nahm spürbar zu, als sei die Luft elektrisch aufgeladen. Andrea stand wie angewurzelt da und schaffte es nicht mehr, mich direkt anzusehen. Möglichkeiten und Chancen, aber auch Gefahren und Risiken zogen in Windeseile an meinem inneren Auge vorbei.

Ich trat einen Schritt zurück und der Zauber löste sich auf.

Ich räusperte mich und sah demonstrativ im Zimmer umher, ohne mein Gegenüber genauer zu beachten. „Ich räume dann hier zusammen und mache die anderen Räume ein andermal fertig. Man sollte nochmal staubsaugen, ehe man die Schränke benutzt, weil in allen Ecken noch Sägemehl hängt.“

„Kein Problem, ich kümmere mich drum“, meinte sie und eilte hinaus, als würde sie flüchten.

Ich packte mein Werkzeug in den Koffer und ging runter ins Erdgeschoss. Im Flur vor der Haustür trafen wir wieder aufeinander. Sie hatte eine rote Nasenspitze, als habe sie heftig geschnäuzt.

„Wann kommst du wieder?“, fragte sie. Es lag etwas Weinerliches in ihrer Stimme.

„Ich melde mich“, war meine lahme Antwort. Dann fuhr ich nach Hause.

Eine knappe Stunde später klingelte mein Telefon. Auf dem Display stand Andreas Nummer. Ich überlegte ernsthaft, ob ich rangehen sollte. Doch es nutzte nichts, mich totzustellen, ich könnte ihr nicht auf ewig aus dem Weg gehen. Außerdem hatte ich ihr versprochen, die Staufächer in ihrem Haus einzubauen. Das Versprechen wollte ich auch einhalten. Und ganz eigennützig wollte ich eigentlich zügig weiterarbeiten, um fertig zu sein, ehe Hannes von seinen Schichten zurückkehrte.

„Ja, hallo?“, meldet ich mich.

„Sven? Entschuldige, dass ich dich nochmal störe“, sie klang durch den Lautsprecher verzerrt, „kannst du nochmal kurz vorbeikommen?“

„Wieso, was ist?“ Ich versuchte, mir meine Überraschung und mein Misstrauen nicht anhören zu lassen.

„Es ist mir peinlich, aber eine der Türen an deinem neuen Schrank scheint zu klemmen. Jedenfalls bekomme ich sie nicht auf. Ich hoffe, ich habe nichts kaputt gemacht“, erläuterte sie.

„Alles klar, kein Problem. Gut, dass du gleich anrufst. Ich bin in fünf Minuten bei dir.“

Mein Werkzeug lag ohnehin noch im Kofferraum. Ich stellte die Bierflasche, die ich mir nach dem Heimkommen geöffnet hatte, auf die Anrichte. Sie war noch halbvoll. Es wäre schade, das Bier schal werden zu lassen, entschied ich, und leerte den Rest in einem Zug. Dann ging ich zum Wagen und machte mich auf den kurzen Weg zurück.

Ich klingelte an ihrer Tür. Es dauerte einige Zeit, bis Andrea öffnete. Sie wirkte erhitzt und ein wenig außer Atem. Um den Kopf hatte sie ein schmales, buntes Tuch gebunden, damit ihr die Haare nicht ins Gesicht fielen. Mit einem Unterarm wischte sie sich über die Stirn. „Tut mir leid, dass du warten musstest. Ich war oben beim Aufräumen.“

„Kein Problem“, beschwichtigte ich, „du siehst ziemlich fertig aus. Das liegt hoffentlich nicht an der klemmenden Schranktür?“

„Nein, natürlich nicht.“ Es war schön zu sehen, dass sie wieder lächeln konnte, wenn es auch ein wenig geknickt wirkte. „Ich habe nur die ganzen schweren Kisten hochgeschleppt.“

Die Bemerkung war für mich wie ein Tritt ans Schienbein. Wäre ich nicht feige abgehauen, hätte ich ihr bei der anstrengenden Arbeit helfen können.

Überdies hätte ich eigentlich kontrollieren müssen, ob alle Türen leicht und glatt auf- und zugehen, bevor ich die Aufgabe für beendet erklärte. Auch wenn ich kein professioneller Handwerker war, legte ich großen Wert auf gründliche, solide Arbeit. So etwas wie jetzt entsprach nicht meinem eigenen Qualitätsanspruch. Also beschloss ich, das wieder gut zu machen.

„Du, ich helfe dir gerne beim Tragen. Sag mir nur, was wohin soll. Vorher schaue ich mir aber den Schrank an.“

Ich kannte mich ja inzwischen aus und ging hoch. Unmittelbar erfasste ich die Ursache des Problems. Eine der Rollen war von der Führungsstange gesprungen und hatte sich verkeilt. Ich legte mich rücklings in das Staufach und arbeitete über Kopf. Fix hatte ich den Fehler behoben und zog abschließend noch die Schrauben nach, damit die Mechanik stabiler wurde.

Ich schob mich aus dem Unterbau und sah überrascht und befangen nach oben. Andrea hatte sich neben mich gestellt, um zuzuschauen. Nun blickte ich von unten senkrecht an ihrem zierlichen Körper entlang. Aus der ungewohnten Perspektive nahm ich sie ganz neu und in jedem Detail wahr.

Sie trug beige Capri Hosen, die im Schritt ziemlich eng saßen, wodurch sich gewisse Partien ihrer Anatomie, die an und für sich besser verborgen bleiben sollten, aus meinem speziellen Blickwinkel deutlich abzeichneten. Ihr mandarin-farbenes Poloshirt war aus dem Hosenbund gerutscht, so dass ich darunter schauen konnte. Der Schweiß vom anstrengenden Kistentragen hatte sich an den Stellen gesammelt, wo das Hemd auf ihrer Haut anlag, und malte die Konturen ihrer Brüste ausdrücklich nach.

Ich riss mich von dem Anblick los, drehte mich rasch zur Seite und stand auf. Ins leere Zimmer sprach ich: „Jetzt funktioniert alles wieder. Du kannst nichts dafür, es war mein Fehler.“ Die Doppeldeutigkeit meiner Worte entging mir nicht. Sie verzog keine Miene.

„Dann kann ich ja weiter einräumen“, antwortete sie mit wenig Begeisterung.

Sie ging zu den Kartons, die entlang der Wand aufgereiht waren, und wollte einen hochwuchten. Er wirkte ziemlich schwer.

„Moment, ich helfe dir!“ Ich sprang ihr zur Seite und riss die Kiste mit Schwung nach oben.

„Nein!“, schrie sie, doch es war zu spät. Der Kartonboden gab nach und der Inhalt kullerte scheppernd aufs Parkett.

Andrea schlug sich die Hände vor den Mund. Ich blickte betreten auf das Durcheinander aus verschiedensten Farben und Formen, das sich auf dem Fußboden ausbreitete. Etliche der Gegenstände kannte ich aus Sarahs Päckchen, anderes war mir unbekannt.

Direkt vor meine Füße gerutscht war ein metallenes Knäuel, das aussah wie eine Schneekette für das Rad einer Schubkarre. Wissbegierig nahm ich es auf, schüttelte und hielt es mit spitzen Fingern vor mich, um es zu betrachten.

Nachdem ich sortiert hatte, wo an dem Teil oben, unten, vorne und hinten war, verstand ich, was es war: Ein Kettenbikini-Oberteil.

Andrea lief himbeerrot an und wäre am liebsten im Boden versunken.

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