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vor der Pause in der Loge

Chapter 16 by rallebonn

Im Theater führt mich Kai bis zur Loge, begleitet mich jedoch nicht hinein. Rainer ist bereits dort, ebenso ein Paar, dass ich nicht kenne. Er begrüßt mich mit ausgesuchter Höflichkeit, mustert mich einen Moment lang aufmerksam und lächelt anerkennend. Dann stellt er mich dem Bürgermeister und dessen Frau vor.

Wir sprechen über unverfängliche Themen. Rainer erzählt, ich sei seine Retterin gewesen, und erwähnt beiläufig, dass mein Mann heute leider arbeiten müsse. Nach und nach treffen weitere Gäste ein. Schließlich ertönt das Zeichen zum Beginn der Vorstellung. Wir nehmen unsere Plätze ein, und der Saal versinkt langsam im Dunkeln.

Rainer reicht mir ein Glas Champagner. Ich nippe daran, während sich der Vorhang hebt. Das Stück beginnt, und alle richten ihre Aufmerksamkeit auf die Bühne. Neben mir bleibt Rainer erstaunlich still. Gerade diese Ruhe macht mich unruhig. Als er sich leicht zu mir neigt und mit leiser Stimme sagt „öffne deine Schenkel“, läuft mir ein Schauer über den Rücken.

Mein Herz schlägt schneller. Für einen Augenblick weiß ich nicht, ob ich seinem Tonfall misstrauen oder mich einfach auf die seltsame Spannung dieses Abends einlassen soll. „Jetzt öffnen“ höre ich wieder und dieses Mal öffne ich Sie ein Stück weit „mehr“ höre ich und erröte mal wieder aber mache es. Die Bühne vor mir verschwimmt beinahe mit dem Flüstern neben mir, und ich merke, wie sehr mich die Situation aus dem Gleichgewicht bringt.

„Bleiben Sie ganz ruhig und bleiben sie so bis ich was anderes sage“, sagt Rainer kaum hörbar. Seine Stimme ist kontrolliert, fast zu ruhig. Ich atme tief ein und versuche, mich wieder auf das Theaterstück zu konzentrieren, doch die Worte hallen in meinem Kopf nach. Von der Handlung auf der Bühne bekomme ich nur noch Bruchstücke mit.

Rainer sitzt neben mir, reglos und aufmerksam. Gerade weil er nichts weiter tut, wirkt seine Gegenwart umso stärker. Immer wieder hebt er sein Glas, als wolle er den Abend vollkommen beherrschen. Ich trinke nur kleine Schlucke und spüre, wie die Atmosphäre in der Loge dichter wird.

Als die Pause näher rückt, wird das Licht langsam heller. Kurz bevor die Gespräche im Saal wieder anschwellen, beugt sich Rainer noch einmal zu mir. „Wir sehen uns gleich draußen“, sagt er leise. Ich richte mich auf, sammle mich und spüre, dass dieser Abend noch lange nicht vorbei ist.

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