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Chapter 19 by rallebonn

Plötzlich spürte ich, wie mir von hinten etwas über den Kopf gezogen wurde. Warmer, weicher Stoff legte sich über meine Augen, während Mund und Nase frei blieben. Für einen Moment verlor der Gang jede Richtung. Nur das ferne Flackern, das ich eben noch gesehen hatte, schien als blasser Nachhall hinter der Dunkelheit fortzubestehen. „Geh weiter“, flüsterte die Frau hinter mir. Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen. Sie führte mich schweigend und achtete darauf, dass ich nirgends anstieß. Dennoch glaubte ich, dicht neben uns ein leises Scharren zu hören, als bewegte sich etwas Unsichtbares im gleichen Takt. Nach einigen weiteren Schritten hielt sie mich an. Die Stille war nun so vollkommen, dass ich meinen eigenen Herzschlag zählen konnte. Johannes trat dicht vor mich. Behutsam strich er über meine Wange. „Du brauchst keine Angst zu haben“, sagte er ruhig. „Nichts geschieht gegen deinen Willen. Wenn du dich überfordert fühlst, sagst du einfach ‚Rosenblüte‘, und alles wird sofort gestoppt.“ Ich nickte. Da erklang irgendwo vor uns ein einzelner, heller Ton. Eine Tür öffnete sich knarrend, obwohl niemand sie berührt zu haben schien. Aus dem Raum dahinter wehte kühle Luft herüber, erfüllt vom schwachen Geruch verwelkter Rosen.

Hinter mir erklang plötzlich das leise, gedehnte Geräusch eines Reißverschlusses. Ich hielt den Atem an. Für einen Moment wusste ich nicht, ob es von meinem Mantel kam oder aus der Dunkelheit jenseits der geöffneten Tür. Die Frau legte mir behutsam die Hände auf die Schultern und nahm mir langsam den schweren Überwurf ab. Ihre Bewegungen waren ruhig und sachlich, doch in der vollkommenen Stille wirkte jedes Rascheln des Stoffes unnatürlich laut. Als der Mantel zu Boden glitt, strich ein eisiger Luftzug über meine Arme. Dabei war im Gang kein Fenster. Ich atmete schneller. Ganz nah an meinem Ohr flüsterte die Frau: „Jetzt erkennt der Raum dich.“ Im selben Augenblick antwortete aus der Dunkelheit ein leises Klopfen.

Die Frau zog mich weiter aus, bis ich nackt war. Noch immer war mein Kopf in den weichen Stoff gehüllt, sodass ich nichts sehen konnte. Um mich herum hörte ich leises Rascheln und gedämpfte Stimmen. Einzelne Satzfetzen drangen zu mir durch: „Da ist sie“ und „Sie wirkt erstaunlich ruhig“ und Sie ist bildschön“. Ich versuchte herauszufinden, wie viele Menschen sich im Raum befanden, doch die Stimmen schienen aus verschiedenen Richtungen zu kommen. Dann fiel die Tür hinter mir ins Schloss, und mit einem Mal verstummten alle.

Jemand ergriff behutsam meinen rechten Arm und führte meine Hand nach oben, bis meine Finger kaltes Metall berührten. Kurz darauf geschah dasselbe auf der anderen Seite. Ein leises Klicken erklang, dann ein zweites – nicht laut, aber deutlich genug, um den Raum noch stiller wirken zu lassen. Unter meinen Füßen begann der Boden kaum merklich zu vibrieren. Ich wurde einige Schritte weitergeführt und spürte links und rechts schmale Geländer, an denen ich mich festhalten konnte. Dann zog ein Luftzug durch den Raum, und irgendwo über mir setzte sich knarrend ein Mechanismus in Bewegung. Die Stimmen ringsum verstummten. Nur Johannes sagte aus der Dunkelheit: „Spreiz deine Beine“ Im selben Moment tat ich es.

Als ich so dastand, hörte ich erneut ein Klicken. Die Halterungen des rätselhaften Mechanismus rasteten ein, ohne zu schmerzen, und hielten mich an Ort und Stelle. Gedämpftes Flüstern erfüllte den Raum. Es war kühl, aber nicht kalt, und in der Luft lag noch immer der schwache Geruch verwelkter Rosen. Plötzlich streifte etwas meinen Nacken. Ich zuckte zusammen. Es fühlte sich wie ein schmales Band aus Leder an und glitt langsam über meine Haut hinab. Dann hielt es mitten in der Bewegung inne. Das Flüstern verstummte.

Direkt vor mir erklang dreimal jenes geheimnisvolle Klopfen. Im nächsten Augenblick schlug etwas mit einem scharfen Knall auf meinen Po Ich schrie erschrocken auf, während ein heftiges Ziehen und Brennen auf der Haut zu spüren war. Dann war es wieder vollkommen still – bis aus der Dunkelheit eine Stimme flüsterte: „Das war nur eine Gerte“

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