What's next?
auf der Terasse I
Johannes trat einen Schritt zur Seite und betrachtete mich, als würde er prüfen, ob jedes Detail an seinem Platz war. Dann ging er langsam um mich herum. Seine Schritte klangen leise auf den Steinplatten, regelmäßig, geduldig, beinahe freundlich — und gerade deshalb bedrohlich. Ich wusste, dass wir nicht allein auf der Terrasse waren. Irgendwo in der Nähe bewegte sich jemand im Halbdunkel, ein Schatten am Rand des Lichtkegels. Mein Rücken wurde steif, und ich versuchte, ruhig zu atmen. Johannes blieb vor mir stehen. Ohne jede Scham, ohne die Stimme zu senken, sagte er: „Du bist hübsch. Und schon jetzt hörst du gut.“ Er lächelte kaum merklich. „Ich denke, du wirst einmal eine wunderbare Frau werden.“ Dann wandte er den Kopf zu der Gestalt in unserer Nähe, als hätte sie die ganze Zeit dazugehört. „Was meinen Sie?“, fragte er. In diesem Moment begriff ich, dass ich nicht nur beobachtet wurde — ich wurde vorgeführt.
Der Mann trat aus dem Halbdunkel hervor. Sein Gesicht blieb im Schatten, doch seine Stimme war klar, kühl und vollkommen kontrolliert. Er stellte sich nicht vor. Stattdessen blieb er vor mir stehen und musterte mich mit einer Ruhe, die mir unangenehmer war als jedes offene Wort. Dann ging er langsam um mich herum, ohne Eile, ohne sichtbares Interesse, fast so, als begutachte er keinen Menschen, sondern einen Gegenstand, dessen Wert er abschätzen wollte. Mein Herz pochte so laut, dass ich fürchtete, er könnte es hören. Ich spürte, wie die Anspannung in mir wuchs, doch ich zwang mich, stillzuhalten. Schließlich blieb er neben Johannes stehen und sagte mit sachlicher Kälte: „Sie ist hübsch. Jung, schlank, gepflegt. Gute Haltung, ansprechende Erscheinung.“ Er machte eine kurze Pause, als wäge er jedes Wort ab. „Und sie scheint zu verstehen, wann Schweigen klüger ist als Widerspruch.“
Johannes nickte nur. Kein Lächeln, kein Widerspruch, nicht einmal ein flüchtiger Blick zu mir. Er nahm die Worte des Mannes hin, als seien sie genau das gewesen, worauf er gewartet hatte. Ich schluckte und blieb starr stehen, während eine weitere Person aus dem Schatten trat. Auch sie hielt Abstand, beobachtete mich aber mit derselben kühlen Aufmerksamkeit. „Ja“, sagte der Mann schließlich, „da haben Sie einen guten Griff getan. Aber sie braucht noch eine gründliche Ausbildung.“ Johannes’ Blick blieb ruhig, fast unbewegt. Dann legte er den Kopf leicht schief, als denke er über etwas nach, das längst entschieden war. „Die wird sie bekommen“, sagte er leise. Seine Stimme war so sanft, dass mir ein kalter Schauer über den Rücken lief. „Und ich glaube, diesmal werde ich das selbst übernehmen.“ Für einen Moment sagte niemand etwas. Die beiden Männer sahen Johannes an, dann nickten sie langsam. Es war kein freundliches Nicken. Es war Zustimmung. Und in diesem Augenblick begriff ich, dass auf dieser Terrasse nichts zufällig geschah.
Die drei Herren standen vor mir, und niemand sagte etwas. Gerade dieses Schweigen machte mich unruhig. Es war kein gewöhnliches Schweigen, sondern eines, in dem jede Bewegung von mir gewogen wurde. Ich fragte mich, wer noch im Schatten stand und zusah, ohne sich zu zeigen. Da hörte ich plötzlich eine Frauenstimme ganz nah an meinem Ohr. Sie sprach nicht mit mir, sondern über mich, als wäre ich gar nicht anwesend. „Sind das die neuen Magnetverschlüsse?“, fragte sie leise. Ich zuckte zusammen. Johannes antwortete ruhig: „Ja, das sind sie.“ Die Frau trat einen halben Schritt näher, so dicht, dass ich ihren Atem spürte, ohne ihr Gesicht sehen zu können. „Und sie wollte den Öffnungsmagneten nicht?“ Johannes ließ sich mit der Antwort Zeit. „Nein.“ Ein kaum hörbares Lächeln lag in ihrer Stimme. „Interessant.“ Dann schwieg sie einen Moment, und die Stille auf der Terrasse wurde noch schwerer. „Dann weiß sie also, wozu sie hier ist“, sagte die Frau schließlich kühl. Niemand widersprach. Nicht Johannes, nicht die Männer, nicht einmal ich. Ich stand reglos da und spürte, wie sich der Abend endgültig veränderte: Aus einer Gala war ein Prüfstand geworden, und ich war der einzige Mensch dort, der die Regeln nicht kannte.
„Darf ich prüfen?“, hörte ich die Frau sagen. Johannes nickte nur, kaum merklich, als genügte diese winzige Bewegung, um über alles zu entscheiden. Sofort spürte ich ihre Nähe hinter mir. Sie berührte mich nicht hastig, sondern mit einer langsamen, kontrollierten Ruhe, die mir den Atem nahm. Ihre Hand glitt über die Haut am Rücken, hielt hier und da inne, als würde sie jedes Detail sorgfältig begutachten. Ich schluckte, blieb aber stehen. Mein Körper wollte zurückweichen, doch Johannes’ Blick hielt mich an Ort und Stelle. „Ruhig“, sagte er leise. Nur ein Wort, kaum mehr als ein Flüstern, und doch klang es wie ein Befehl. Die Frau trat noch näher heran. „Sie zittert“, bemerkte sie sachlich. Johannes sah mich an, ohne Mitleid, ohne Eile. „Noch“, antwortete er. „Das legt sich.“ In diesem Moment wurde mir klar, dass es für sie keine Rolle spielte, was ich dachte oder fühlte. Sie beobachteten mich, prüften mich, sprachen über mich — und ich stand zwischen ihnen wie jemand, der längst in ein Spiel geraten war, dessen Regeln andere geschrieben hatten.
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