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Chapter 4 by Papas_Liebling Papas_Liebling

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Zwickmühle

Ich schnappte nach Luft. Mein Gott, was passierte hier? Das war eindeutig ein sexueller Übergriff. Und der Täter war mein Chef. Ein Anwalt. Ein Mann des Rechts. Er musste ganz genau wissen, was die Konsequenzen dieser Tat waren.

Andererseits...

Mein Kopf war wie leergefegt und gleichzeitig rasten meine Gedanken. Was könnte ich beweisen? Wir waren allein. Die Tür war abgeschlossen. Keine Zeugen. Wenn es zum Schwur käme, stünde Aussage gegen Aussage. Und es galt das Prinzip: im Zweifel für den Angeklagten. Am Ende würde es womöglich heißen, die Initiative sei von mir ausgegangen, dass ich versucht hätte, ihn zu verführen oder zu kompromittieren – klassische Täter-Opfer-Umkehr.

Am Rande einer Panik suchte ich nach einem Ausweg aus dieser Zwickmühle. Was sollte ich tun? Welchen Weg auch immer ich einschlagen würde, auf keinen Fall dürfte dadurch meine berufliche Karriere gefährdet werden. Ich wollte eine angesehene, erfolgreiche Anwältin werden. Dieses Ziel durfte ich nie aus den Augen lassen.

Ich schaute Gerhard intensiv an, suchte in seinem Gesicht nach irgendeinem Anhaltspunkt, was er von mir wollte.

Zu meiner Überraschung entdeckte ich dort nicht den Hauch einer Emotion. Ruhig und gelassen saß er auf seinem Sessel und machte auf mich keineswegs den Eindruck, als wolle er über mich herfallen.

So irrwitzig die Situation war, so gab sie mir ein klein wenig meines analytischen Verstandes zurück. Es drohte keine unmittelbare Gefahr. Mir war eine Atempause vergönnt, in der ich nachdenken konnte, wie ich reagieren sollte.

Ich holte tief Luft, hielt sie an und zählte stumm bis fünf. Dann ließ ich sie leise und gemessen durch den Mund entweichen. Und ich erkannte: Ich hatte die Kontrolle. Ich konnte entscheiden, was als Nächstes geschah.

Die Konsequenzen seines Handelns spüren, hatte er gesagt.

Jetzt verstand ich, was er meinte. Langsam drehte ich mich um, stützte mich mit den Händen auf die Tischkante. Ich drückte das Kreuz durch und wackelte einladend mit dem Hintern. Meine Hose rutschte noch ein wenig nach unten und mein Jackett nach oben.

"Ich habe einen Fehler gemacht", brachte ich mit heiserer Stimme hervor. "Ich bin bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen."

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