Ist das Thema damit vom Tisch?
Zum Glück gibt es noch andere Themen
Wie Jessie diese Entschuldigung aufnahm, das blieb erst einmal ein Geheimnis zwischen ihr und Steffen. In den nächsten Tagen war sie vorerst noch ein wenig einsilbig und ging insbesondere Diana aus dem Weg, der es sichtlich unangenehm war, bei der ganzen Sache mit involviert gewesen zu sein. Alex versuchte zwar zu vermitteln - er hatte ja eigentlich ein gutes Verhältnis zu beiden Frauen - kam aber bei Jessie nicht wirklich durch, und Diana machte ihm deutlich, dass er sich nicht ihretwegen groß aus dem Fenster lehnen musste. Sie war zwar etwas wütend gewesen, dass Jessie Alex auf der Mission beeinflusst hatte, aber das wollte sie ihr nicht nachtragen, und sie hoffte darauf, dass sich die Situation irgendwann in Wohlgefallen auflösen würde.
In der Zwischenzeit war Dao der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit in der Villa. Lorena hatte sie am Tag nach ihrer Ankunft einmal zur Seite genommen und mit ihr gesprochen, und danach war es beschlossene Sache gewesen, dass sie bei ihnen bleiben würde. Allerdings - und das machte Lorena allen in einer gemeinsamen Runde sehr deutlich - wollte Dao vorerst einmal noch keine sexuellen Kontakte. Das war ungewöhnlich - alle in der Villa einte ja eigentlich ein starker Sexualtrieb, und der musste auch bei der jungen Asiatin vorhanden sein. Die Gründe für ihre "Enthaltsamkeit" hatte sie Lorena wohl genannt, aber unter dem Mantel der Verschwiegenheit, und so blieb es ein Rätsel, warum sie sich dem täglichen Treiben in der Gemeinschaft nicht anschloss. Nur eins war klar - Lorena wirkte von ihren Erzählungen sehr betroffen, das sah man ihr deutlich an.
"Wenn du mich fragst, hat sie ein Trauma von den Experimenten", meinte Tamara zu Alex, als die beiden über die Situation sprachen. "Ich bin ja selbst nicht ganz normal, und dabei hab ich nur ein kleines bisschen von dem Knacks geerbt, den Mama in Gefangenschaft abbekommen hat. Viktor war wohl während den Experimenten an ihm die meiste Zeit bedröhnt, aber wenn Dao alles mitbekommen hat, was sie mit ihr angestellt haben, wundert es mich nicht, dass sie jetzt erst mal ihre Ruhe haben will."
"Na ja, bei Lorena haben die Experimente ihre Besonderheiten wohl eher noch verstärkt", warf Alex ein, "und sie ist mit Sicherheit dadurch nicht weniger rattig geworden, als sie es vorher war. Wenn es bei Dao auch darum ging, ihre Kräfte zu verbessern, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie jetzt weniger Bock aufs Ficken hat als zuvor. Ich glaube eher, sie will sich zurückhalten, bis sie sich ganz sicher ist, was man mit ihr genau gemacht hat."
Tamara legte den Kopf leicht zur Seite. "Du meinst, es könnte wie bei Viktor sein, dass sie nicht einschätzen kann, wie genau ihre Kräfte jetzt funktionieren?"
Alex nickte. "So etwa. Beziehungsweise, vielleicht kann sie es, aber sie will sie erst richtig kontrollieren können, ehe sie sie vielleicht ungewollt auf uns loslässt. Viktor hat ja auch zu Beginn Probleme gehabt, nicht unterbewusst seine Power einzusetzen, auch wenn er das gar nicht vorhatte."
"Dann muss Dao ja schon was draufhaben, wenn sie jetzt so vorsichtig ist", schloss Tamara. "Ich hoffe mal, sie zieht sich nicht allzu lange von uns zurück. Ich bin nämlich schon neugierig, was für ein Mensch sie ist."
Tamaras Wunsch wurde zu ihrer großen Freude schon bald erfüllt, denn auch wenn Dao sich vorerst noch vom wilderen Leben in der Villa fernhielt, so schloss sie sich immerhin nicht in ihrem Zimmer ein und ging von sich aus auf die anderen zu. Sie begann dabei zunächst einmal mit den anderen Frauen, angefangen mit Malia, mit der sie ja schon die Rückfahrt verbracht hatte und mit der sie wohl ihre Erfahrungen in Gefangenschaft teilen konnte. Wie schon Lorena war auch Malia nach dem ersten längeren Gespräch mit ihr sehr nachdenklich und fast bedrückt, und auch sie kam Daos Wunsch nach, nichts von dem zu erzählen, was sie erfahren hatte. "Ich hätte den Ärschen von der Regierung ja ne Menge zugetraut", erwähnte sie einmal gegenüber Alex, "aber das mit Dao ist noch übler als alles, was ich mir hätte vorstellen können."
Ansonsten aber machte sie auf die meisten einen ruhigen und sanftmütigen Eindruck und schien sich auch schnell einzuleben. Alex lief ihr zum ersten Mal nach drei Tagen alleine über den Weg, als er gerade draußen am See ein bisschen in der Sonne entspannte und sie unversehens zu ihm trat. "Du bist Roadie, richtig?" sagte sie.

"Jau, das bin ich", nickte Alex. "Hast du dich ein bisschen bei uns einleben können?"
"Sicher, ist bei euch ja auch alles sehr entspannt!" Sie lächelte ihn an. "Komisch, wenn man daran denkt, was ihr so tut. Man sollte meinen, ihr wärt irgendwie ernster drauf. Eher auf Effektivität organisiert und nicht so, na ja, lustig-chaotisch."
Alex musste grinsen. "Wir wollen ganz absichtlich keine Militärtruppe oder so was sein. Und dass wir so entspannt sind, das macht der ganze Sex. Wenn du täglich mehrmals den Sack geleert oder die Möse gefüllt bekommst, bist du deutlich weniger gestresst."
Zu seiner Überraschung schien das Daos gute Laune ein wenig zu trüben. "Du also auch?" fragte sie.
"Was, ich auch?"
"Du bist auch einer von denen, die meinen, mir geht's schnell besser, wenn ich nur bald wieder guten Sex habe."
Alex legte den Kopf zur Seite. "Hast du hier so was öfter gehört?"
Dao seufzte. "Quasi ständig. Vor allen Dingen von Hathors Töchtern. Aber BM ist genauso drauf, oder dieser Viktor. Die wollen alle, dass ich für sie die Beine breit mache."
"Also, bei mir brauchst du dir deswegen keine Sorgen zu machen", gab Alex zurück. "Ich hab bereits zwei sehr anspruchsvolle Freundinnen hier in der Villa und bin über jeden dankbar, der meinen Schwanz nicht auch noch will."
"Die eine ist Tamara, das weiß ich schon", meinte Dao. "Die hat mir ganz von selbst erzählt, dass sie von dir ein Kind kriegt, als wäre das das Wichtigste, das man von ihr wissen muss."
Alex grinste. "Bei Hathors Töchtern ist das auch was Besonderes. Die werden nicht so leicht schwanger. Darum ist Tamara auch so stolz, dass es mit uns beiden geklappt hat."
Auch Dao wagte ein leichtes Lächeln. "Also, ich hab erst mal was anderes vor, als schwanger zu werden", sagte sie. "Trotzdem scheinen hier die meisten der Ansicht zu sein, es gäbe nichts Besseres. Ganz ehrlich, ich glaub nicht, dass Sex jetzt das ist, was ich am Dringendsten nötig habe."
"Ich weiß nicht, ob dir Sex was hilft", meinte Alex. "Mir hilft er, locker und entspannt zu sein, und den anderen sicherlich auch. Bei uns Zarathustras ist das wohl eine Veranlagung-"
"Bitte sag nicht 'Zarathustras' dazu", unterbrach ihn Dao. "Das Wort benutzen sie, um Leute wie uns zu verteufeln!"
Alex hob entschuldigend die Hände. "Sorry - wollte dich nicht beleidigen. Wir denken schon, dass wir ganz normale Menschen sind, nur halt mit besonderen Fähigkeiten. Leider haben wir kein eigenes Wort dafür."
Das schien Dao etwas zu besänftigen. "Meine Mutter nannte Menschen wie uns khon mai. Es bedeutet einfach nur, dass wir etwas Neues sind, das es vorher noch nicht gab."
"Klingt auch nicht schlecht", meinte Alex, "zumindest ist da nicht drin, dass wir irgendwie was Besseres wären als der Rest der Welt. Aber-" Er sah Dao unsicher an. "Wenn ich dir damit nicht zu nahe trete, hast du's denn nicht auch häufiger mal nötig?"
"Doch, schon." Dao senkte ihren Blick. "Es ist ja auch nicht, dass ich nicht will. Aber es-" Sie schien zu überlegen, wie sie es ausdrücken sollte. "Es ist zu riskant. Das, was man mir mir gemacht hat, war- Selbst, wenn ich es unter Kontrolle hätte, wäre es gefährlich. Und im Moment hab ich nicht mal das."
Mitfühlend blickte Alex zu ihr. "Malia hat erzählt, dass sie wirklich miesen Scheiß mit dir gemacht haben, wenn auch nicht genau, was sie an dir verändert haben."
Dao nickte mit einem bitteren Ausdruck in ihrem Gesicht. "Und das ist auch gut so", sagte sie. "Wenn du wüsstest, wozu ich in der Lage bin, würdest du dich ganz, ganz weit von mir fernhalten."
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