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Chapter 39
by
kleinehexe
What's next?
Wir danken Ihnen!
Ein letztes Mal atmete sie tief durch und wollte sich gerade in Bewegung setzen, als ihr Tischtelefon sie stoppte. Während sie noch dachte „So ein Mist, jetzt nicht!“, sah sie gereizt auf das Display. Die Nummer war intern und gehörte zu einem der Besprechungsräume hier im Haus. Noch kurz überlegte sie, ob ihr Chef den Termin vielleicht dorthin verlegt haben könnte, und ging ran.
„Ja, Feldmann.“
…
„Oh, Entschuldigung, aber ich habe gleich einen Termin bei Herrn …“
…
„Ach, er ist informiert?“
…
„Ja, bis gleich.“
Noch während sie diese Worte sprach, hatte der Anrufer bereits aufgelegt.
„Was war denn das jetzt?“, murmelte sie vor sich hin. Aber vor allem fragte sie sich: Wer war das eigentlich?
Sie kannte die Stimme nicht. Kein Name, keine Funktion, an die sie sich erinnern konnte, einfach nur dieser selbstverständliche Tonfall, als wäre es das Normalste der Welt, sie einfach zu sich zu zitieren. Im Gehen versuchte sie, ihn gedanklich irgendwo in der Firma einzuordnen. Aus der Redaktion war er jedenfalls nicht. Sie konnte sich nicht daran erinnern, jemals Kontakt mit ihm gehabt zu haben und dafür klang er am Telefon auch zu glatt und administrativ.
Der Besprechungsraum lag im Verwaltungstrakt, dort, wohin sie sich sonst nur selten verirrte. Hier war alles immer eine Spur ordentlicher, leiser und steriler. Keine Zettel an Türen, keine halb geleerten Kaffeebecher auf Fensterbänken, keine Diskussionen vom Kollegen über Überschriften oder Inhalte. Stattdessen nur eine scheinbar ewige Ruhe auf dem Gang mit seinem grauen Teppich und den immer geschlossenen Türen.
Unsicher und bemüht, auf alles gefasst zu sein, klopfte sie.
„Herein.“
Der Mann, der am Tisch saß, im Anzug mit dezent gemusterter Krawatte, erhob sich nicht oder blickte gar zu ihr auf. Seine Aktenmappe, mit der er sich beschäftigte, lag korrekt ausgerichtet vor ihm mit einigen Dokumenten.
„Frau Feldmann. Danke, dass Sie so kurzfristig Zeit gefunden haben.“, begann er das Gespräch und sah sie an.
Als hätte ich eine Wahl gehabt, dachte sie, setzte sich aber und nickte knapp.
„Worum geht es? Ich habe gleich einen Termin bei Herrn…“
„Der entfällt“, unterbrach er sie ruhig, aber definitiv. „Mein Name ist Rüdiger Seidel und ich gehöre zur Vorstandsassistenz.“
Ihr Magen zog sich unmerklich in böser Vorahnung zusammen, während er in einigen seiner Dokumente blätterte. Nicht hastig, so als wäre alles vorbereitet und bereits endgültig.
„Es geht um Ihr Arbeitsverhältnis hier beim Stadtanzeiger“, begann er sachlich, ohne sie dabei anzusehen.
Caroline öffnete ihren Mund, aber schloss ihn wieder, da er ihr erneut zuvor kam.
„Wie Sie vermutlich wissen, gehört der Stadtanzeiger seit kurzem zur Mediengruppe Nordwest.“
Er sprach langsam, didaktisch, als erkläre er ihr einen Sachverhalt, der für ihn längst erledigt war. „Im Rahmen dieser Übernahme wird dieser Standort derzeit vollständig in die Konzernstruktur integriert.“, dabei legte er seine Hände gefaltet auf die Mappe.
„Solche Integrationsprozesse gehen zwangsläufig mit Umstrukturierungen einher und die Entscheidungen werden dabei nicht auf Abteilungsebene getroffen.“
Es folgte ein kurzer Blick über den Rand seiner Brille und dann wieder zurück in die Unterlagen.
„Die strategische Neuausrichtung der Gruppe sieht eine deutliche Reduzierung der Printaktivitäten vor. Gleichzeitig investieren wir gezielt in digitale Formate.“
Wir, dachte sie. Na klar.
„In diesem Zusammenhang“, fuhr er fort, „wurden natürlich auch sämtliche Arbeitsverhältnisse überprüft.“ Nur kurz hob er seinen Blick. „Dabei wurde festgestellt, dass ihr Vertrag momentan noch befristet ist und im Zuge der strukturellen Anpassungen nicht verlängert wird.“
Er blätterte erneut in seinen Unterlagen.
„Aufgrund Ihres noch bestehenden Resturlaubs sowie der angesammelten Überstunden werden Sie daher mit sofortiger Wirkung freigestellt.“
„Freigestellt“, wiederholte sie kaum hörbar.
„Korrekt.“ Dabei schob er ihr ein Schreiben über den Tisch. „Die Details entnehmen Sie bitte diesem Dokument.“
Ganz oben, sauber formatiert, stand: Wir danken Ihnen für die gute Zusammenarbeit.
Caroline spürte, wie sich etwas in ihr verhärtete.
„Das ist alles?“ fragte sie fassungslos.
Er lehnte sich in geübter Pose minimal zurück.
„Ja. Ihren Presseausweis geben Sie bitte im Sekretariat ab, wenn Sie das Gebäude verlassen. Natürlich erhalten Sie in den nächsten Tagen von der Zentrale per Post ein karriereförderndes Arbeitszeugnis. Für alle weiteren Fragen steht Ihnen die Personalabteilung zur Verfügung.“
Mit einem kurzen Blick auf seine Uhr „Ich habe um neun den nächsten Termin.“ beendete er das Gespräch.
Damit war sie für ihn abgewickelt. Einfach entlassen. Nicht nur aus ihrem Job, sondern auch aus seiner Aufmerksamkeit.
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Updated on Apr 15, 2026
by Papas_Liebling
Created on Aug 3, 2023
by kleinehexe
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