Chapter 4
by
Reyhani
What's next?
Unterwegs
Die Schwarzbach Alm lag auf der anderen Seite des Tals. Deshalb führte Alois Annika den Höhenweg entlang durch den Wald. Immer wieder deutete er nach unten ins Tal, wo das Dorf lag. Man konnte von ihm meist nur den Kirchturm sehen. Nachdem sie schon fast zwei Stunden unterwegs gewesen waren, hielten sie an, um Brotzeit zu machen. Sie setzten sich auf ein paar Felsblöcke am Rande eines Abhangs. Schweigend kauten sie den mitgebrachten Proviant.
Verstohlen musterte Annika ihren Führer. Bis jetzt hatte sie ihn hauptsächlich von hinten gesehen. Aber sie wollte sich nicht beschweren. Das Spiel seiner Muskeln in Schenkeln und Gesäß war faszinierend genug gewesen. Auch Alois betrachtete die Touristin aus der Stadt eingehend. Als er aufgegessen hatte, sprach er sein Urteil offen aus:
„Du bist ein gutes Mädchen, das kann ich sehen. Auf der Alm wird’s dir gefallen. Der Bauer und die Bäuerin werden dich schon verhätscheln. Mach nur immer brav, was sie sagen, dann kannst du viel lernen. Das wird auch deinem Bräutigam zu Hause gefallen. Das Leben da oben ist lustig, wirst schon sehn.“
Annika nickte nur stumm. Sie wusste nicht recht, was die erwidern sollte. Sie hatte ja nicht mal einen Freund geschweige denn einen Bräutigam. Dazu war ihr Alltag einfach zu voll mit anderen Dingen. Im Gegensatz dazu schien das hier ein ganz natürlicher Bestandteil des Lebens zu sein. Vielleicht dachten die Dorfbewohner mehr ans heiraten, weil alle ständig nackt waren, vielleicht war es aber auch die gute Luft oder das Wasser ...
„Wir müssen gleich weiter“, unterbrach Alois ihre Gedanken. „Wenn du noch unten bei der Jungfrauenquelle schauen willst, musst du dich beeilen.“
„Die was?“
Alois deutete nach links, dort zweigte ein kleiner Pfad vom Hauptweg ab und wand sich den steilen Hang hinunter.
„Geh nur allein, ich warte hier auf dich. Das ist kein Ort für Männer.“
Damit rutschte er von dem Felsblock, auf dem er gesessen hatte, lehnte sich an und zog sich den Hut ins Gesicht. Eine Erklärung, was die Jungfrauenquelle war, hatte Annika nicht bekommen. Sie musste wohl oder übel selbst nachsehen. Also im Zickzack dem Pfad folgend den steilen Hang hinunter. Nach einer Weile hörte sie Wassergemurmel und menschliche Stimmen. Hinter der nächsten Biegung trat sie auf einen kleinen Platz, den Bäumen und Felsen umrahmten. Er wurde fast ganz von einem Wasserbecken aus Stein eingenommen. Aus einem Rohr im Fels, der hier aus dem bewaldeten Abhang hervortrat, plätscherte ein kräftiger Wasserstrahl ins Becken.
Am Wasser lagerten zwei Nymphen in Gestalt von jungen Frauen etwa in Annikas Alter. Beiden hatten sich weiße Tücher in die Haare gebunden. Die mit den langen, blonden Zöpfen saß am Rand und ließ ihre Füße ins Becken baumeln, die kleine Brünette mit den kurzen Haaren saß im Wasser, das nicht einmal knietief war.
„Grüß Gott“, sprach Annika die beiden ins Gespräch vertieften jungen Frauen schüchtern an.
Sie blickten auf und sahen neugierig zu der bleichen Gestalt, die da auf sie zutrat. Schnell hatten sie sich gegenseitig vorgestellt. Antonia und Greta verdingten sich in diesem Sommer als Mägde auf einer der Almen. Sie freuten sich, dass Annika jetzt auf der Schwarzbach Alm war, obwohl sie nicht so ganz verstanden, warum nur eine Woche.
Annika setzte sich auf den Beckenrand zu Antonia, schnürte ihre Wanderschuhe auf, zog ihre weiß-gemusterten Kniestrümpfe aus und hielt ebenfalls die Füße ins Wasser.
„Was ist das denn hier für ein Brunnen“, wollte sie jetzt endlich wissen.
Antonia belehrte Annika: „Na, die Jungfrauenquelle.“
Dabei deutete sie auf eine kleine, Madonnenfigur, die in einer Nische über dem sprudelnden Ausfluss stand. Maria war ganz nackt dargestellt und drückte das Jesuskind an ihren schwellenden Busen.
„Wenn du das Wasser trinkst, ist das gut für die Brustmilch und gegen allerlei Frauenleiden. Und manche meinen, es kühlt das Gemüt, wenn dich der Hafer sticht, dass du gar nicht mehr schlafen kannst. Und wieder andere baden darin, und schwören, davon bekämen sie einen schöneren Busen oder Po. Aber da hat die Jungfrau bei dir ja ihren Segen schon mit vollen Händen ausgeteilt ...“
Antonia streckte die Hand aus und fuhr mit den Fingerspitzen von Annikas Schlüsselbein hinunter bis zur Spitze ihrer Brust. Annika erschaudert. Die Menschen schreckten hier auch vor intimen Berührungen nicht zurück. Das war ihr schon im letzten Jahr aufgefallen und war ihr heute schon zum wiederholten Male in Erinnerung gerufen worden. Sie genoss die Berührung.
Auf Antonias Kommentar zu ihrem Busen reagierte Annika nur mir einem Achselzucken. Sie hatte von ihrer Freundin Julia so oft gehört, was für „formidable Titten“ sie hätte, dass sie langsam selbst dran glaubte. Aber vollkommen ohne Widerspruch konnte Annika Antonias Lob doch nicht stehen lassen:
„Sind vielleicht noch ein bisschen weiß und fleckig“, murmelte sie.
Dabei starrte sie auf Antonias Brüste, die klein, fest und gleichmäßig gebräunt waren von der vielen Zeit im Freien. Bei der Arbeit trugen die Frauen hier höchstens einmal eine weite Schürze der praktischen Taschen wegen. Antonias Dekolleté war makellos und nicht wie bei Annika mit Sommersprossen bedeckt. Überhaupt war Antonia groß und schlank, das gefiel Annika.
Sie versuchte die Aufmerksamkeit von sich abzulenken, indem sie Greta ansprach, die vor ihnen im Wasser saß. „Und du willst also einen schönen Po bekommen?“
„Mit dem ist alles in Ordnung … war alles in Ordnung ... bis der Bauer kam.“
Zum Beweis erhob sich Greta und drehte sich um. Ihr kleiner, knabenhafter Po leuchtete rot und in der Mitte der Backen waren breite, dunkle Abdrücke zu sehen.
Antonia kicherte. „Der Bauer musste Gretl eine Lektion erteilen, weil sie die Knechte so geil gemacht hat, dass sie nicht mehr ihre Arbeit tun konnten.“
Greta schnaufte verächtlich und verdrehte die Augen. „Pff, nicht jede will eben gleich im Winter heiraten wie du, Toni. Ich genieße das Leben auf der Alm und komme gerne im nächsten Jahr noch einmal wieder.“
Greta setzte sich wieder und spritzte eine Handvoll Wassers in die Richtung der am Rand sitzenden. Annika und Antonia quietschten auf, als sie der kalte Wasserschwall traf. Nun begannen sie, ihrerseits mit den Beinen zu strampeln, um es Greta heimzuzahlen. Bald war die schönste Wasserschlacht im Gange. Die Madonna lächelte nur mild, ob des kindischen Treibens unter ihr. Als die drei jungen Frauen sich außer Atem wieder auf die Umfassung des Beckens fallen ließen, hörten sie schon von oben Alois’ tiefe Stimme Annikas Namen rufen. Unwillkürlich fasste die sich an das Kropfband und begann, sich hastig die Schuhe anzuziehen.
„Da haben wir wohl deinen Herrn aufgescheucht“, entschuldigte sich Greta mit einem Augenzwinkern. „Dann mach schnell, dass es dir nicht so ergeht wie mir.“
„Mach dem Annerl doch keine Angst“, schalt Antonia ihre Freundin. Und zu Annika gewandt fügte sie hinzu: „Hoffentlich sehen wir uns mal wieder. Die jungen Leute von den verschiedenen Almen treffen sich regelmäßig. Frag den Karli, den Altknecht auf der Schwarzbach Alm, der weiß wann und wo was los ist.“
Sie umarmten sich zum Abschied. Dann eilte Annika den Pfad hinauf. Hoffentlich war Alois nicht sauer. Er würde ihr ja wohl nicht gleich den Po versohlen. Und wenn doch? Wäre das vielleicht Teil des Erziehungsprogramms, von dem auch ihr Bräutigam etwas hätte?
What's next?
Das Dorf
Ein Ort versteckt in den Bergen
- All Comments
- Chapter Comments

