What's next?

Treibstoff

Nachdem das Miniaturschloss mit einem trockenen, unbarmherzigen Klicken eingeschnappt war, herrschte für einige lange Atemzüge vollkommene Stille im Raum.

Ich kniete noch immer auf dem harten Parkett vor der Bettkante, die Hände hinter dem Rücken, die Knie taub und schwer. Meine Oberschenkel und das Skrotum glühten noch immer von den Verbrennungen der Laserimpulse im Salon, und die frischen Striemen der Gerte auf meinem Rücken und den Schenkeln brannten wie offenes Feuer. Der Chirurgenstahl saß wieder unnachgiebig stramm an meinem Becken; die Kälte des Zylinders fraß sich langsam in das beruhigte Fleisch, während der asymmetrische Basisring tief in die Dammhaut schnitt.

Loona stand nicht sofort auf. Sie musterte mich von oben herab, während sie das kleine Messingwerkzeug beiläufig auf dem Nachttisch ablegte. Der schneidende, sadistische Spott, mit dem sie mich eben noch gezüchtigt hatte, schien sich in ihren Zügen langsam zu verflüchtigen. An seine Stelle trat ein weicherer, fast nachdenklicher Blick voller dunkler Faszination.

„Komm hoch, John“, sagte sie leise. Ihre Stimme hatte jeden herrischen Tonfall verloren; sie klang gedämpft, beinahe zärtlich. „Nicht auf dem Boden bleiben. Rauf aufs Bett.“

Ich blinzelte benommen, verunsichert von diesem abrupten Wechsel ihrer Haltung. Langsam löste ich die Hände vom Rücken, stützte mich auf die wackeligen Beine und stand mühsam auf. Jeder Muskel protestierte. Ich schob die Beine vorsichtig über die Kante der Matratze und setzte mich zögernd neben sie.

„Flach hin. Auf den Rücken. Hände neben den Kopf“, wies sie mich an. „Du greifst nicht zu. Den Mund hältst du offen.“

Ich ließ mich zurücksinken. Kaum lag ich, schob Loona den Morgenmantel beiseite, kniete über mich und senkte sich in einem Zug. Kein langes Aufsetzen. Kein Schonraum. Mein Blickfeld füllte sich vollständig mit ihr – Haut, Wärme, Dunkel. Luft blieb nur in den Lücken zwischen ihren Bewegungen.

„Zunge. Jetzt.“

Ich gehorchte. Sie ritt kurz und hart, das Gewicht fest auf Mund und Nase, die Hüften ohne Zärtlichkeit. Von oben kam nur ihre Stimme, nah und etwas außer Atem, und die Hand im Haar, die meinen Kopf dort festhielt, wo sie ihn brauchte.

„Weißt du, was mir durch den Kopf ging, als Alessa und Miriam in der Kabine standen?“, sagte sie, während sie sich tiefer setzte. „Ich war so kurz davor, Selin zu sagen, sie soll dir die Brille runterreißen. Du hättest ihnen in die Augen sehen müssen, während sie das Gel ums Gewinde schmiert. Ich wollte dich von der Liege holen. Nackt. Halsband. Käfig. Mitten im Raum. Chiara hätte vor allen vieren die Kappe abgeklopft und die Hoden genommen. Und danach auf alle viere. Fliesen. Sneaker auf dem Rücken. Du küsst die Füße, putzt die Schuhe, und die machen Fotos für den Gruppenchat.“

Ein Laut kam gegen sie, kein Satz. Die Vorstellung schnürte die Kehle zu, ihr Gewicht nahm den Rest.

Sie lachte kehlig, ein kurzes Glucksen über mir, und wurde schneller. Das Becken schlug kürzer, herrischer. „Du hättest es getan. Still. Kopf unten. Weil du gar nicht mehr anders kannst.“

Ihre Schenkel zitterten. Der Druck auf Mund und Nase wurde vollständig. Sie kam laut, hart, ohne sich zu halten – ein offener, tiefer Laut, der durch das Zimmer ging, warm und nass direkt gegen Zunge und Kinn. Sie rieb sich noch zweimal ab, als wolle sie sicherzugehen, und blieb sitzen, bis das Beben nachließ.

Erst dann hob sie sich.

Die Kühle auf dem Gesicht kam wie ein Schlag. Ich keuchte, das Kinn glänzend, unfähig, sofort etwas Ordentliches zu sagen. Loona strich mir mit dem Daumen über die nasse Unterlippe, nicht um mich zu säubern.

„Atme“, sagte sie leise. „Dann den Kopf hierher.“

Sie klopfte auf ihren seidenbedeckten Oberschenkel. Ich bettete den Kopf auf ihren Schoß. Der vertraute Duft nach ihrem teuren Parfüm, vermischt mit der Kühle ihres Morgenmantels und dem, was sie gerade auf meinem Gesicht gelassen hatte, umfing mich. Loona hob langsam die Hand und begann, mir mit ruhigen, gleichmäßigen Zügen durch die Haare zu streichen. Ihre warmen Fingerkuppen fuhren sanft über meine Schläfen, glitten an meiner Wange hinab und strichen behutsam über den Samt-Choker, dessen schweres kleines Schloss auf meinem Schlüsselbein ruhte.

„Du zitterst ja noch immer am ganzen Körper“, flüsterte sie und neigte das Gesicht zu mir hinab.

„Es… es war einfach unglaublich viel heute, Loona“, brachte ich heiser hervor und schloss die brennenden Augen. Die zarte Wärme ihrer Berührungen nach den Qualen des Tages war so überwältigend, dass mir fast die Tränen kamen. „Erst der Salon mit Chiara und Selin… dann die Anprobe vor Vanessa und Arissa… und jetzt das hier. Ich fühle mich wie betäubt.“

Ein feines, leises Lachen entwich ihren Lippen. Ihre Finger strichen beruhigend über meinen Nacken.

„Ich weiß“, hauchte sie. „Aber du hast nicht die geringste Ahnung, wie wunderschön und erregend es war, dich heute zu beobachten. Als Chiara deinen Käfig gepackt und mit beiden Händen zur Seite gehebelt hat… wie du auf der Liege lagst, die Zähne zusammengebissen hast und dich nicht getraut hast, auch nur einen Ton von dir zu geben. Jede einzelne Sekunde davon war reine Perfektion. Zu wissen, dass du das alles nur erträgst, weil du mir gefallen willst.“

Ihre Hand wanderte langsam von meinen Haaren hinab an meine Kehle. Mit zwei Fingern fasste sie nach dem Miniatur-Vorhängeschloss an meinem Choker, hob es leicht an und ließ es leise gegen die Schnalle klirren.

„Glaub aber bloß nicht, dass nach heute Abend Ruhe einkehrt, mein Kleiner“, fuhr sie mit samtener, fast beiläufiger Stimme fort, während sie das Schloss sanft hin und her drehte. „Dieser Abend, die Gerte, die Erleichterung auf dem Boden… das war keine Belohnung zum Ausruhen. Das war der Treibstoff, den du brauchst, um in den nächsten Tagen überhaupt durchzuhalten.“

Ich öffnete die Augen und blickte unsicher zu ihr auf. „Was… was meinst du damit? Durchhalten wofür?“

Loona beugte sich etwas weiter zu mir hinab, sodass ihr warmer Atem meine Wange streifte. Ein spöttisches, vielsagendes Lächeln umspielte ihre Lippen.

„Du hast doch heute in Schöneberg genau zugehört, als Arissa dir die Spitze übergezogen hat“, begann Loona leise, während ihre Finger langsam durch mein Haar glitten. „Du hast bemerkt, wie frei das Gewinde an der Stirnseite liegt. Aber noch viel interessanter war doch dein Blick, als du vor Vanessa standest.“

Sie hielt in der Bewegung inne und neigte den Kopf leicht zur Seite, um mir direkt in die Augen zu sehen. Ein wissendes, spöttisches Lächeln lag auf ihren Lippen.

„Glaubst du eigentlich im Ernst, mir wäre nicht aufgefallen, wie befangen du in ihrer Nähe wirst? Schon damals, als du noch geglaubt hast, ein freier Mann zu sein. Du warst immer wie gelähmt vor Ehrfurcht, wenn sie den Raum betrat. Diese unnahbare Kälte, ihre schneidende Art, ihre ganze Erscheinung… Gib es doch zu, John: Du fandest sie schon immer faszinierend. Und unendlich einschüchternd.“

Die Hitze schoss mir unbarmherzig in die Schläfen. Der Samt-Choker um meinen Hals schien sich bei jedem Wort noch enger zusammenzuziehen.

„Sie… sie ist die Frau meines Vaters, Loona“, stammelte ich heiser und versuchte, den Blick abzuwenden. „Sie war immer streng. Das ist alles.“

„Spar dir diese Ausflüchte“, flüsterte sie und strich mit dem Daumen fest über meine Wange, sodass mein Kopf fixiert blieb. „Ich will die Wahrheit hören. Du warst völlig eingenommen von ihr. Damals, als du deinen Körper noch selbst kontrolliert hast, hast du heimlich an sie gedacht, nicht wahr? An ihre Distanz. Daran, wie es wäre, ihr vollkommen ausgeliefert zu sein. Sag es. Laut.“

Die Scham schnürte mir die Kehle zu. Jeder Instinkt sträubte sich dagegen, doch die Erschöpfung und die absolute Abhängigkeit brachen meinen letzten Rest an Gegenwehr.

„Ich… ich war fasziniert von ihr“, brachte ich mühsam hervor, während meine Stimme zitterte. „Ich habe… ich habe oft an sie gedacht. Früher.“

Loona lachte nicht sofort auf. Sie hielt inne, fixierte mich mit verengten Pupillen und ließ ihre Nägel quälend langsam über meine Kinnlinie wandern. Ein Schauer des Triumphes schien durch ihre Haltung zu gehen.

„Sieh an“, hauchte sie, und ihre Stimme troff vor herablassender Genugtuung. „Der brave Medizinstudent. Jahrelang hast du den anständigen Sohn gespielt und bist vor Ehrfurcht erstarrt, während sich in deinem Kopf die schmutzigsten Gedanken um die Frau deines Vaters gedreht haben. Wie erbärmlich du bist, John. Und wie herrlich transparent.“

Sie beugte sich so nah an mein Ohr, dass ihre Lippen die Ohrmuschel streiften.

„Und jetzt stell dir vor, wie die Dinge heute stehen: Du musst dich nicht mehr heimlich dafür schämen. Vanessa plant den Einsatz des Gewindes sehr bald. Sobald Richard auf seiner nächsten Geschäftsreise ist, wirst du in genau dieser nachtblauen Spitze im Schöneberger Ehebett antreten. Arissa wird den Schaftgurt unterlegen, die massive Silikonattrappe auf dein M10-Gewinde schrauben – und dann dienst du meiner Stiefmutter rein mechanisch als Wellness-Werkzeug. Ohne Gefühle, ohne eigene Regung. Was hältst du davon, John? Wie fühlt sich der Gedanke an, dass die Frau, vor der du früher gezittert hast, dich bald als bloßes, lebloses Hilfsmittel benutzt?“

Mein Magen krampfte sich mit einer solchen Wucht zusammen, dass mir für einen Moment die Luft wegblieb. Die Worte trafen mich wie ein physischer Schlag. Die Vorstellung, als bloßer Apparat im Bett meines Vaters eingesetzt zu werden, während Arissa Tücher reichte und Aufsicht führte, ließ mein Blut in den Adern gefrieren.

„Im… im Ehebett?“, stammelte ich mit versagender Stimme. „Loona, das… das ist mein Vater… ich kann doch nicht…“

„Du kannst, und du wirst“, unterbrach sie mich mit unerbittlicher, sanfter Härte und legte ihren Zeigefinger auf meine Lippen. „Und das ist noch nicht einmal alles. Vor dem Dienst bei Vanessa hat sie noch eine ganz andere Aufgabe für dich vorgesehen.“

Ich starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an.

„Noch eine Aufgabe?“, wiederholte ich mit belegter Stimme.

Loona lächelte dünn, während ihre Fingerspitzen langsam von meinem Choker über mein Schlüsselbein glitten. „Glaubst du wirklich, du darfst bis zum Wochenende einfach so tun, als wärst du der gewöhnliche Student von nebenan? Dass du dich im Hörsaal hinter deinem Kittel verstecken kannst?“

Sie richtete sich langsam auf, schwang die Beine über die Bettkante und ging mit lautlosen Schritten hinüber zu ihrer Kommode. Aus der obersten Schublade holte sie eine flache, mattschwarze Schatulle hervor. Als sie zurückkehrte und sich wieder neben mich setzte, öffnete sie den Deckel mit einem leisen Schnappen.

Darin lag keine grobe Fessel, sondern hauchfeine, seidige Damenwäsche: tiefschwarze, halterlose Feinstrumpfhosen mit breitem Spitzenabschluss und Silikonband, dazu ein zartes, trägerloses Spitzen-Bustier und eine kleine Glasflasche mit schwerer Lilien-Lotion.

„Vanessa legt großen Wert auf lückenlose Konditionierung“, flüsterte Loona, während sie mit zwei Fingern über das zarte Nylon strich. „Sie verlangt, dass du dich an das Gefühl vollkommener Wehrlosigkeit gewöhnst – jede einzelne Sekunde des Tages. Ab morgen früh trägst du das hier. Täglich. Unter deiner Jeans, unter deinem T-Shirt, unter deinem Kittel.“

Ich starrte auf die seidenen Stoffe. Der Gedanke, so präpariert durch die Gänge der Charité zu gehen, schnürte mir die Kehle zu.

„Loona… morgen ist der ganze Tag voll“, brachte ich mühsam hervor. „Vormittags Anatomie, danach die Bibliothek, und am Nachmittag das Praktikum mit Mira… Wenn der Kittel verrutscht oder jemand das Nylon hört…“

„Dann wirst du eben sehr vorsichtig sein müssen“, unterbrach sie mich kühl, doch in ihren Augen funkelte pure Belustigung. „Jedes Rascheln des Stoffs, jeder Zug des Silikonbands an deinen rasierten Schenkeln wird dich daran erinnern, wer du bist. Und wehe, ich sehe morgen früh im Kidslox-Tagebuch nicht die Bestätigung, dass alles vorschriftsmäßig sitzt. Du wirst lernen, stillzuhalten – denn das Praktikum an der Charité ist nur die Generalprobe für das, was dir im Schöneberger Schlafzimmer bevorsteht.“

Sie legte die Schatulle auf dem Nachttisch ab, schob die Bettdecke zur Seite und glitt wieder zurück auf die Matratze. Mit einer ruhigen, fast beiläufigen Bewegung griff sie nach meinem Arm und zog mich sanft, aber unmissverständlich an sich heran.

„Komm her“, flüsterte sie leise. „Leg dich hin.“

Ich leistete keinen Widerstand mehr. Meine Glieder fühlten sich an wie Blei, taub vor Erschöpfung und innerer Erstarrung. Vorsichtig bettete ich meinen Kopf an ihre Schulter, die Wange dicht an den weichen Stoff ihres Morgenmantels geschmiegt. Loona zog die schwere Decke über uns beide, schlang einen Arm fest um meinen Nacken und begann mit gleichmäßigen, bedächtigen Zügen durch mein Haar zu streichen.

Die plötzliche Stille im Raum war fast drückend. Es war ein bizarrer Kontrast: Eben noch hatte sie mit unbarmherziger Schärfe meine Demütigung für die kommenden Tage diktiert, und nun umfing mich eine fast intime, schützende Geborgenheit.

In meinem Inneren brach der letzte Rest an Fassung zusammen. Eine heiße Welle stieg in mir auf, und unwillkürlich traten mir Tränen in die Augen, die lautlos in den seidenen Stoff ihres Mantels sickerten. Es war ein zerreißendes Chaos aus Scham, Panik und einer unerträglichen Dankbarkeit. Ich verabscheute mich dafür, wie sehr sich mein Körper nach dieser Nähe sehnte, nach der Kühle ihrer Finger auf meiner glühenden Stirn und dem ruhigen Herzschlag unter ihrer Brust. Sie war es, die mein altes Leben zerschlagen und mich in diesen Stahl gezwungen hatte – und doch war sie im selben Atemzug die einzige Person auf der Welt, an die ich mich noch klammern konnte.

„Ganz ruhig“, hauchte sie mir ins Haar, während ihre Hand sanft meinen Hinterkopf hielt. „Du hast heute genug ausgehalten. Du warst gehorsam. Es ist alles gut.“

Ihre Worte waren Gift und Balsam zugleich. Das leise Klirren des Miniaturschlosses an meinem Choker, das bei jedem meiner zittrigen Atemzüge gegen mein Schlüsselbein stieß, erinnerte mich sekündlich an meine Unfreiheit. Doch während Loona mich fest an sich gedrückt hielt und die Wärme ihres Körpers langsam die Kälte des Chirurgenstahls verdrängte, erlosch der letzte Rest meines Widerstands. Ich vergrub mein Gesicht tiefer an ihrem Hals, ließ die Anspannung der vergangenen Stunden abfallen und gab mich der traurigen, friedlichen Gewissheit hin, dass ich ihr vollkommen ausgeliefert war.

„Schlaf jetzt, John“, flüsterte sie leise, und ihre Lippen berührten flüchtig meine Schläfe. „Morgen um sechs beginnt der Tag. Und ich will, dass du für die Charité perfekt vorbereitet bist.“

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