What's next?

Stolzer Vater

Der Sonntagmorgen kroch mit erbarmungsloser Helligkeit durch die Altbaufenster der Steglitzer Wohnung.

Jeder Schritt über das Parkett brannte sich als dumpfe Erinnerung in mein Fleisch: Die Striemen auf meinen Oberschenkeln brannten unter der weichen Jogginghose, während das stählerne Gehäuse vorn unnachgiebig gegen den Damm drückte. In der Küche lief das Mahlwerk der Kaffeemaschine; ich deckte den Tisch mit Tellern, Besteck, frischen Brötchen und Orangensaft, mechanisch und lautlos wie ein Dienstbote im eigenen Heim.

Gegen halb zehn schlurfte Timo in die Küche. Er trug ein zerknittertes T-Shirt und graue Shorts, das Haar zerzaust, aber seine Augen funkelten vor unverhohlener Energie.

„Morgen, Bro“, sagte er heiser, grinste über das ganze Gesicht und schlug mir schwungvoll auf die Schulter. „Gott, du bist ein Lebensretter. Ich habe einen Kater des Todes, aber verdammt… es war jede Sekunde wert.“

Er ließ sich auf einen der Stühle fallen, griff sofort nach dem Kaffeebecher und nahm einen tiefen Schluck. Es lag keine böse Absicht in seiner Haltung – Timo hielt mich für seinen besten Freund, seinen treuen Wingman. Doch genau diese ahnungslose Selbstverständlichkeit verlieh seinen Worten eine schneidende Schärfe.

„Ohne Scheiß, John“, setzte er an, schüttelte ungläubig den Kopf und lehnte sich mit breitem Kreuz zurück. „Dass du es hier mit zwei solchen Granaten aushältst, ohne durchzudrehen, kapiere ich echt nicht. Die beiden… mann, das ist eine ganz andere Liga. Bei Frauen wie Loona musst du einfach liefern, verstehst du? Die fordern alles. Wenn du da mit Samthandschuhen rangehst oder den Kopf verlierst, fressen die dich auf.“

Er biss in ein Brötchen, musterte mich kurz und lachte leise.

„Du bist halt einfach der Kopfmensch, John. Der brave Mediziner. Ist ja auch völlig in Ordnung, jeder hat seine Stärken. Aber im Bett… bro, da zählt nur reine Durchsetzungsstärke. Da musst du das Ruder rumreißen und klarmachen, wer den Ton angibt. Ich habe drüben echt alles gegeben – und Loonas Schreie hast du ja sicher bis in dein Zimmer gehört.“

Ich zwang mich zu einem matten Nicken, die Hände fest in den Taschen meines Hoodies vergraben. „Ja. Habe ich gehört.“

In diesem Moment öffnete sich die Küchentür. Loona und Nadja traten herein, beide frisch geduscht, in dunklen Seidenmorgenmänteln. Loona strahlte eine vollkommene, sachte Zufriedenheit aus; ihr vertrauter Vanilleduft verdrängte sogleich die Katerluft.

„Guten Morgen, Timo“, säuselte Loona, trat hinter seinen Stuhl und strich ihm mit beiden Händen sanft über den Nacken. Dann glitt ihr Blick zu mir. Er war glasklar, ruhig und trug jenen vertrauten, possessiven Schimmer. „Guten Morgen, John. Schön, dass du den Tisch so perfekt vorbereitet hast. Du bist wirklich ein aufmerksamer Gastgeber.“

„Er ist eine Maschine“, warf Timo lachend ein und klopfte noch einmal auf die Tischplatte. „Hat an alles gedacht.“

Nadja lehnte sich mit verschränkten Armen an die Arbeitsplatte. Ein feines, spöttisches Zucken umspielte ihre blutroten Lippen, als sie meine steife Haltung und die sorgsam verdeckte Choker-Linie an meinem Hals musterte. „Manche Männer sind eben für das Grobe gemacht… und andere glänzen im Hintergrund beim Dienen. Man muss wissen, wofür man taugt.“

Timo lachte arglos, völlig blind für die Doppelbödigkeit ihrer Worte.

Eine Dreiviertelstunde später stand er im Flur, die Reisetasche geschultert. Er umarmte erst Nadja, dann zog er Loona fest an sich und gab ihr einen langen Kuss auf die Wange. Schließlich wandte er sich an mich, packte mich fest am Oberarm und schüttelte mir die Hand.

„Danke für das Wochenende, Alter“, sagte er mit echtem Kumpelstolz. „Bester Wingman der Welt. Wir hören uns die Tage, ich muss zurück an die Uni. Halt die Ohren steif!“

Die Wohnungstür fiel ins Schloss. Das metallene Klicken des Riegels schnitt die trügerische Fassade bürgerlicher Normalität mit einem Schlag ab. Timo war auf dem Weg zum Bahnhof, Nadja zurück nach Friedrichshain.

Plötzlich war es totenstill in der Steglitzer Altbauwohnung.

Loona drehte sich langsam zu mir um. Jede beiläufige, gesellschaftliche Maske fiel von ihren Zügen. Ihre dunklen Augen musterten mich – nicht mit Kälte, sondern mit jener einnehmenden, fast zärtlichen Aufmerksamkeit, die mir seit Wochen jeden Fluchtweg abschnitt.

„Komm ins Wohnzimmer, John“, sagte sie sanft. „Zieh das Shirt und die Jogginghose aus und setz dich zu mir aufs Sofa.“

Ich gehorchte ohne Zögern. Als ich mich neben sie auf die Polster setzte, nur im starren Chirurgenstahlkäfig und den halterlosen Feinstrümpfen, strich die kühle Zimmerluft über meine nackte Haut. Loona griff nach einer Tube reichhaltigem Wundbalsam und öffnete den Verschluss.

„Dreh dich um“, wies sie mich leise an. „Rücken zu mir.“

Ich spürte die Kühle der Creme, die sie auf meinen Schultern und entlang meiner Wirbelsäule verteilte. Ihre Hände waren warm, ihre Bewegungen gleichmäßig und behutsam. Sie strich mit kreisenden Fingern über die verspannten Muskeln meines Nackens, massierte den Druck der letzten Tage aus meinen Schulterblättern und glitt langsam tiefer zu den geröteten Striemen auf meinem Gesäß und den Oberschenkeln. Sie pustete leicht auf die brennenden Stellen, kühl und tröstend.

„Erzähl mir davon, John“, flüsterte sie an meinem Hinterkopf, während ihre Daumen über meine Haut glitten. „Wie war das Wochenende für dich? Sag mir, wie es sich angefühlt hat. Ich will deine Worte hören.“

Ein Zittern lief durch meinen Körper. Der Balsam linderte das Feuer auf der Haut, doch die Erinnerungen stiegen mit erdrückender Wucht in mir auf. Ich starrte auf meine Hände im Schoß und sprach mit brüchiger Stimme:

„Es war… die absolute Hölle, Loona“, gestand ich, und jedes Wort kostete mich Überwindung. „Draußen der Club… dieser ständige Bass, der den Zylinder und den Plug erzittern ließ, während Timo direkt vor meinen Augen mit Nadja getanzt hat. Und dann hier in der Wohnung. Gestern Nacht in der Küche zu kauern und euch beiden zuzuhören… und später drüben auf dem Bett zu liegen, während Nadja mich benutzt hat und du nebenan für Timo geschrien hast. Es hat mich innerlich zerrissen. Ich lag da, vollkommen wehrlos, eingesperrt im Stahl, und mein ganzer Körper hat vor Scham und Erregung gebrannt, ohne jedes Ventil. Ich habe mich noch nie so entmachtet gefühlt… und gleichzeitig noch nie so lebendig.“

Loona hielt in ihrer Bewegung kurz inne. Ihre Hände glitten an meinen Flanken nach vorn, legten sich sanft auf meine Brust und zogen mich behutsam nach hinten, bis mein Kopf an ihrer weichen Schulter ruhte. Der süßliche Vanilleduft ihres Morgenmantels hüllte mich vollkommen ein.

„Siehst du, mein Kleiner“, hauchte sie mir sanft ins Ohr und strich mir mit den Fingerspitzen über die Wange. „Genau das wolltest du. Erinnerst du dich noch an die Liste, die du mir damals gegeben hast? An all deine geheimen Wünsche und Fantasien, die du dich nie laut auszusprechen getraut hast? Genau dieser Punkt stand ganz oben: zusehen müssen, wie andere Männer sich nehmen, was dir verwehrt bleibt; spüren, wie die eigene Männlichkeit schwindet, während eine Frau die totale Kontrolle übernimmt. Ich erfülle dir das alles, Schritt für Schritt. Sieh doch mal, wie fürsorglich ich zu dir bin.“

Sie kraulte meinen Nacken, kühl und tröstend.

„Timo ist ein guter Junge“, fuhr sie leise fort, und eine Hand glitt hinab zu den Streben des Käfigs, prüfend und beiläufig. „Und er fickt mich wirklich gut. Hart, fordernd… er füllt mich vollkommen aus. Besser, als du es je gekonnt hättest. Erst recht jetzt, sieh es dir doch an. Durch die Wochen im Stahl ist dein kleiner Schwanz noch winziger geworden, fast verkümmert. Du könntest einer Frau wie mir doch gar nichts mehr geben.“

Ich schloss die Augen und lehnte mich tiefer in ihre Umarmung, während Tränen der Erleichterung und der Auslieferung meine Wangen benetzten.

„Aber weißt du was, John?“, raunte sie, drehte mein Gesicht zu sich und sah mir mit aufrichtigem Lächeln in die Augen. „Du hast gestern etwas bewiesen. Beim Lecken bist du inzwischen richtig gut geworden. Wirklich. Du bist aufmerksam, du hältst durch… besser als so manche Lesbe, mit der ich früher im Bett war. Das ist dein Talent. Du bist kein Macher wie Timo. Du bist mein kleiner, zarter Diener, der mir mit seiner Zunge die Welt zu Füßen legt. Und dafür liebe ich dich.“

Sie drückte einen weichen Kuss auf meine Stirn, strich mir die Haare aus dem Gesicht und klopfte mir leicht auf die Wange.

„Und jetzt machst du dich frisch“, sagte sie und stand auf. „Ich habe die Kidslox-Freigabe für dein Tagebuch aktiviert. Du schickst mir das Foto vom intakten Verschluss, räumst die Wohnung blitzblank auf und ziehst dir ein sauberes Hemd an. Richard kommt heute Abend von seiner Tagung zurück, und wir essen alle gemeinsam in Schöneberg. Wir wollen ihn doch nicht enttäuschen.“

Am Sonntagabend empfing uns die Schöneberger Altbauwohnung mit aristokratischer Ruhe. Hoher Stuck, schwere Eichenmöbel und der vertraute Duft nach teurem Bienenwachs und Rotwein.

Am langen Esstisch saß Richard, mein Vater. Er trug ein elegantes Sakko, nippte an seinem Bordeaux und wirkte gelöst von den erfolgreichen Vorträgen des Wochenendes. Neben ihm thronte Vanessa, kühl und makellos im dunklen Etuikleid, deren eisblaue Augen jede meiner Bewegungen millimetergenau sezierten. Arissa schenkte im Hintergrund geräuschlos Wasser nach, wobei ihre Lippen ein kaum merkliches, spöttisches Zucken verrieten, als sie meinen vorsichtigen Gang bemerkte.

Ich saß aufrecht auf dem harten Polsterstuhl. Unter der dunklen Bundfaltenhose und den Feinstrümpfen bohrte sich der Käfig bei jeder Bewegung in den Damm, und der Samt-Choker spannte eng unter meinem hochgeschlossenen Hemdkragen.

„Richard, ich muss sagen, dein Sohn hat sich in den letzten Wochen phänomenal entwickelt“, begann mein Vater und schnitt sein Filet an. Er blickte mich mit ehrlichem Stolz an. „Die Berichte von der Charité sind tadellos. Du hast diese nervöse Unruhe völlig abgelegt, John. Du wirkst diszipliniert, beherrscht, fast schonAskese-artig fokussiert. Diese Reife wird dir im Praktischen Jahr unschätzbare Dienste leisten.“

„Vielen Dank, Vater“, erwiderte ich mit ruhiger, kontrollierter Stimme, den Blick demütig gesenkt. „Ich bemühe mich, den Anforderungen gerecht zu werden.“

Loona nippte am Rotweinglas, lehnte sich zurück und warf Vanessa einen vielsagenden Blick zu.

„Er gibt sich wirklich große Mühe, Richard“, bestätigte Vanessa mit samtener, aristokratischer Kälte. „Auch zu Hause. John lernt endlich, sich unterzuordnen und seine Pflichten ohne Murren zu erfüllen. Man merkt, dass er eine feste Hand zu schätzen weiß.“

„Ganz genau“, lachte Richard wohlwollend, völlig ahnungslos über das grausame Netz, das ihn und mich umspannte. „Ordnung und Gehorsam sind das Fundament jedes guten Mediziners. Ich bin stolz auf dich, mein Junge.“

Unter dem Tisch glitt Loonas Absatzschuh nach vorn und drückte mit gezielter, schleifender Härte gegen das stählerne Gehäuse zwischen meinen Schenkeln. Ein schneidender Schmerz durchzuckte mein Becken. Ich hielt den Atem an, zwang meine Gesichtszüge zu einem perfekten bürgerlichen Lächeln und dankte meinem Vater ein weiteres Mal, während das Schloss an meinem Schambein kalt im Verborgenen lag.

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