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Chapter 30

What's next?

Scheikh Hamza

Vor Aufregung machte Heike so gut wie kein Auge zu. Ihre Gedanken kreisten darum, was sie am folgenden Tag erleben würde. Endlich könnte sie dem goldenen Käfig entfliehen, die Einsamkeit und Langeweile hinter sich lassen. Was würde Klaus ihr zeigen, wen würde sie kennenlernen?

Und auch die zurückliegenden Ereignisse ließen ihr keine Ruhe. Sie wusste sehr wohl, dass sie ihr Ehegelübde gebrochen hatte. Dass es ihren Gatten sehr verletzen würde, wenn er davon erführe. Das durfte sie nicht zulassen. Bei allem Ärger, den sie manchmal über ihn empfand, liebte sie ihn doch über alles.

Sobald sich die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont stahlen, war sie auf den Beinen. Trotz der kurzen Nacht war sie voller Energie und aufgeregt wie ein junges Mädchen, dass zum allerersten Mal auf eine Party gehen durfte. Sie zog sich eines der besten Kleider an, das sie mitgebracht hatte, und kombinierte es mit einem gehäkelten Schultertuch, das sie notfalls über den Kopf ziehen konnte, wenn die lokalen Gebräuche es erforderten. Noch ein paar hochhackige Schuhe an die Füße und sie fühlte sich jeder Herausforderung gewachsen.

Wie er versprochen hatte, nahm Klaus sie mit in das große Bürogebäude, in dem er und die anderen Planer und Ingenieure an dem ehrgeizigen Projekt arbeiteten. Er führte sie durch mehrere große Räume, in denen Dutzende Menschen an Laptops und PCs saßen. Viele davon stellte er ihr vor, aber die unzähligen Namen und Gesichter verschwammen, so dass sie sich bald nicht mehr merken konnte, wer wer war. Er wies auf Besprechungsräume hin, hinter deren verglasten Türen Sitzungen und Videokonferenzen mit Teilnehmern aus aller Welt stattfanden.

Es war alles sehr beeindruckend. Klaus bewegte sich mit schlafwandlerischer Sicherheit durch die Räume und Gänge. Heike hingegen schwirrte bald der Kopf und sie war sich nicht mehr sicher, ob sie ohne Hilfe den Ausgang wiedergefunden hätte.

Mit einem Mal verlangsamte ihr Mann seine Schritte, als ihnen eine beeindruckende Persönlichkeit entgegenkam. Klaus beugte sich zu ihr und flüsterte: „Das ist Scheich Hamza. Er vertritt hier das Konsortium der Geldgeber. Er ist sozusagen unser Big Boss.“

Heike sah sich den Auftraggeber all der vielen Leute an, während sie sich ihm näherten. Er war großgewachsen und breitschultrig, offenbar sportlich trainiert, denn er bewegte sich mit einer federnden Eleganz. Über einem blütenweißen, kragenlosen Hemd trug er einen schwarzen maßgeschneiderten Anzug, der vermutlich mehr gekostet hatte, als ihre gesamte Garderobe zusammen.

Er hatte ein ausdrucksstarkes sonnengebräuntes Gesicht mit blitzenden schwarzen Augen und hohen Wangenknochen. Es wurde umrahmt von einem akkurat gestutzten Vollbart und mittellangen schwarzen Haaren, die so kunstvoll in Unordnung gebracht waren, dass sie lebendig und natürlich leger wirkten. Die Betrachterin war sich aber fast sicher, dass ein Friseur sehr viel Mühe darauf verwendet hatte, genau diesen Effekt zu erzeugen.

Klaus blieb mehrere Schritte vor dem Scheich stehen, deutete zur nicht geringen Überraschung seiner Begleiterin eine Verbeugung an, und stellte sie vor.

„Sheikh Hamza, das ist meine Frau Heike. Sie hat mich in Ihr schönes Land begleitet. Ich zeige ihr heute meinen Arbeitsplatz.“

Der Angesprochene ließ seine perlmuttfarbenen Zähen zu einem strahlenden Lächeln aufblitzen, ergriff dezent ihre Hand und führte einen formvollendeten Handkuss aus. Das war so ungewohnt und unerwartet, dass die Geehrte sanft errötete.

„Es ist mir eine große Freude, sie kennenzulernen“, intonierte er in perfektem Deutsch, „ich hoffe, sie haben einen angenehmen Aufenthalt?“

„Ja, danke, es ist alles ganz wundervoll.“

Was hätte sie auch anderes sagen sollen?

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