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Süßer Abgrund

Chapter 34 by Levantin Levantin

Das Flackern des Laptop-Bildschirms brannte mir in den Augen, als die Uhrzeiger unten rechts auf halb vier umsprangen. Die Quellenanalyse zur Weimarer Republik umfasste fünf Seiten; die sechste füllte sich quälend langsam.

Mein Nacken war bretthart, der Kopf dröhnte, und meine Glieder fühlten sich an wie aus Blei. Eigentlich war mein Körper völlig am Ende, ausgelaugt von den Nächten ohne Schlaf und dem gnadenlosen Sportpensum. Und doch war da diese perverse, elektrische Unruhe, die mich krampfhaft aufrecht hielt. Ich war gleichzeitig hundemüde und vollkommen überdreht. Eine dumpfe, ununterbrochene Dauergeilheit fraß sich durch meine Adern und wirkte wie eine bittere Überdosis Koffein – ein Zustand fiebriger Wachheit, der mich antrieb und mir jede Ruhe raubte.

Ein gesunder Verstand hätte längst rebelliert. Jeder rationale Instinkt in mir schrie danach, die Handbremse zu ziehen. Ich hätte nur zu meinem Vater gehen müssen. Oder zu Vanessa. Ich hätte Loonas Erpressung offenlegen können, den Handy-Zugriff kappen, Emmas Video als das brandmarken, was es war – ein widerlicher, strafbarer Eingriff in meine Privatsphäre. Ein Teil von mir, der Rest meines alten Ichs, hämmerte verzweifelt von innen gegen meine Schädeldecke: Hör auf damit. Zieh den Stecker, solange du noch einen Funken Kontrolle hast. Wenn du jetzt nicht stoppst, kommst du hier nie wieder lebend raus.

Und doch rührte ich keinen Finger.

Im Gegenteil. Als ich mich auf dem harten Schreibtischstuhl bewegte und die kühlen Streben des Käfigs gegen meine Haut drückten, jagte ein heißer Schauder durch meine Magengrube.

Das war die kranke, beschämende Wahrheit, die ich mir kaum selbst eingestehen konnte: Ich verabscheute die Hilflosigkeit nicht. Ich lechzte danach.

Sich Loona bedingungslos zu unterwerfen, ihren Schlüssel um ihren Hals baumeln zu sehen und zu wissen, dass jeder Herzschlag, jeder Muskelkater und jeder Atemzug allein ihrem Urteil unterworfen waren, erzeugte eine dumpfe, berauschende Erleichterung. Sie nahm mir jede Last ab, indem sie mich versklavte. Ich musste keine Entscheidungen mehr treffen. Ihr kühles, leises Versprechen nach dem Dienst auf ihrem Bett – „Wenn du so weitermachst… darfst du vielleicht bald auch mal wieder kommen“ – hatte sich tief in mein Fleisch gebrannt. Das Wochenende stand vor der Tür. Es war zum Greifen nah.

Allein bei diesem Gedanken pulsierte das Blut mit einer solchen Wucht in meinen Unterleib, dass sich mein steifes Glied mit brutaler Härte gegen das Plastikgehäuse presste. Es spannte, brannte und schmerzte, als wolle das Fleisch den Harzkäfig mit purer Gewalt sprengen, doch das Schloss hielt unbarmherzig dagegen. Es war Folter, und genau diese Folter machte mich unaufhaltsam heiß.

Und selbst Emma… so sehr mir das Blut in den Adern gefror, wenn ich an dieses verdammte Katzenkamera-Video dachte, so unbestreitbar war dieser abartige Kick gewesen, als sie vorhin auf der Bank so dicht an mich herangerückt war. Zu wissen, dass ein hübsches, grausames Mädchen mein ganzes soziales Überleben in den Händen hielt und mich nach Belieben herumkommandieren konnte, hielt diesen Rausch am Leben.

Ich stand zwischen zwei Fronten, und beide zogen die Daumenschrauben an. Ich wusste genau, dass ich geradewegs in den Abgrund rannte. Aber je tiefer ich fiel, desto weniger wollte ich aufgefangen werden.

Mit zitternden Fingern tippte ich die letzten Sätze für Emmas Aufsatz zu Ende. Als die Datei gespeichert war, klappte ich den Laptop zu, legte mich angezogen auf mein Bett und starrte an die Decke. Zwischen meinen Schenkeln pochte das gefangene Glied im Takt meines rasenden Herzens – und draußen kündigte der erste matte Schimmer am Horizont unbarmherzig den Freitag an.

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