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Chapter 16 by ThormGravis

Wie beginnt das Spiel?

Remy lernt die Gruppe kennen

"Mal ganz von dem gelungenen Outfit abgesehen..." Franklyn zog Remy - sofern das bei ihrem knappen Kostüm überhaupt noch möglich gewesen wäre - mit seinen lüsternen Blicken geradezu aus. "Was für eine Rolle spielst du denn?" Wahrscheinlich hatte er eine versaute Phantasie im Kopf, während er sie gierig betrachtete, denn er musste seine Erregung förmlich herunterschlucken, was selbst unter dem dichten Zwergenbart noch deutlich sichtbar war.

"Eine echt gute Frage." Remy lächelte ihn an und konnte nicht leugnen, dass sie seine Blicke genoss. Sie mochte es stets, wenn Männer sie lüstern ansahen. Es gab ihr das gute Gefühl, Macht über die Männer zu haben und mit ihnen spielen zu können. Und auch in dieser ungewohnten Situation mit den Nerds aus ihrer Uni-Zeit war es nicht anders. "Es ist schon ziemlich lange her, dass ich D&D gespielt habe. Früher habe ich glaube ich..."

"...eine Diebin gespielt", beendete Alan ihren Satz und reichte ihr in einer Klarsichthülle steckendes Dokument, das ziemlich alt wirkte und nicht der aktuellsten Version entsprach, Remy aber sehr bekannt vorkam.

"...eine ziemlich unmoralische Diebin, wenn ich mich recht entsinne", grinste Wang und leckte sich über die Lippen. Anders als Thomas machte er gar nicht erst den Versuch, seine Augen auf ihr Gesicht zu richten, sondern blickte ihr völlig ungeniert auf die Brüste.

Remy nahm das Dokument entgegen und musste lächeln, als sich ihr erster Verdacht bestätigte. "Du hast wirklich meinen alten Charakter aufgehoben, Alan?"

"Aber sicher doch." Alan zuckte mit den Achseln. "Ich habe eine Menge alte Charaktere aufgehoben und mit deinem..." Er grinste. "...verbinde ich eine Menge schöne Erinnerungen. Außerdem spart das eine Menge Zeit, wenn wir dir nicht einen neuen Charakter machen müssen. Als du dir eben ein Kostüm ausgesucht hast, habe ich ihn rausgesucht."

Remy schüttelte halb ungläubig und halb belustigt den Kopf. Nerds waren schon eine ganze besondere Spezies, aber Remy verstand auch, dass Alan mit den _schönen Erinnerungen _wohl nicht nur die geselligen Abenteuer der alten D&D-Gruppe meinte. Sie überflog die alten Seiten und erinnerte ich Stück für Stück an manche Details. "Talia The Red", las sie den Namen vor und nickte. Sie hatte damals rot gefärbte Haare und da sie wenig Ahnung von Fantasy hatte, spielte sie einfach eine sich selbst nicht unähnliche Rolle - aufsässig, schlagfertig und lasziv.

"Dann passt das Kostüm ja hervorragend", lächelte Anett und zitierte belustigt Wangs letzte Aussage, "...besonders für eine `ziemlich unmoralische Diebin.´ Da bin ich ja sehr gespannt."

Remy erwiderte das Lächeln der schönen Frau und fragte sich, ob Anett schon vorher von ihr gehört hatte. Die meisten Männer redeten gerne über Frauen und ihre Phantasien. Nerds waren wahrscheinlich nicht anders. Hatten Alan, Thomas und Wang von den gemeinsamen Spielabenden mit Remy an der Uni erzählt? Auf jeden Fall schien dies ein durchaus interessanter Abend. Sie stand auf, verneigte sich leicht vor ihren Mitspielern wie eine Schauspielerin auf der Bühne: "Gestatten sie: Talia The Red."

"Ich bin Torkan vom Stamm der Voraskan-Barbaren", stellte sich Thomas vor.

"Bruder Stefanus." Auch Wang stand auf und verneigte sich.

"Kaldur, Sohn des Baldur", sagte Franklyn barsch und nickte kurz.

"Und ich bin Syressa aus dem Waldlandreich", hauchte Anett, "und freue mich auf eine neue Gefährtin, die unsere Reise noch interessanter machen dürfte."

"Nicht ganz so schnell", unterbrach Alan. "Noch seid ihr einander nicht begegnet. Am Ende des letzten Abends hattet ihr gerade den Schatz den Greifenkönigs erbeutet und wart auf dem Heimweg durch die nördliche Öde. So einfach aus dem nichts wird Talia The Red hier sicher nicht auftauchen."

"Wir hatten am Horizont ein Gebäude gesehen", ergänzte Thomas, "das sich beim Näherkommen als ummauertes Gasthaus erwiesen hatte."

"Die Herberge zu den neun Riesen. Wir wollten gerade an das Außentor klopfen", steuerte Franklyn bei.

"Nein, hatten wir schon. Wir haben Schluss gemacht, als der Stallknecht uns eingelassen und wir unsere Pferde untergestellt hatten. Wir waren gerade dabei, die Herberge zu betreten", berichtigte Wang.

"Sehr richtig", bestätigte Alan. "Die Tür hat sich gerade geöffnet..."

Remy schüttelte unmerklich den Kopf. Thomas hatte ihr gesagt, dass sich die Gruppe nur einmal im Jahr treffe. Und diese Nerds konnten sich nach einem Jahr noch an so kleine Details wie den Stallburschen und den Namen der Herberge erinnern. Seltsame Burschen.

"...und ihr erblickt einen Schankraum, in dem es nach dem Rauch des Kamins, Tabak, Bratfett, Bier und dem Schweiß zahlreicher Gäste riecht. Es ist deutlich wärmer als die kalte Öde des Nordlandes, doch auch sehr stickig. Offenbar ist schon lange nicht mehr gelüftet worden, um die Wärme im Raum zu halten. Der Wirt steht hinter der Theke und zapft gerade ein Bier, während eine junge Frau - wahrscheinlich seine Tochter oder eine Magd - von Tisch zu Tisch geht und serviert. Ihr seht fünf Tische, von denen vier besetzt sind. An einem sitzen drei Bauern, die ein Würfelspiel machen und dabei laut lachen. Ein grimmiger Söldner und ein alter Mann in einer heruntergekommenen Robe blicken euch vom anderen Ende des Raumes. Den größten Tisch in der Mitte hat eine große Gruppe in Beschlag genommen, die aus Halborks, Goblins und anderen zwielichtigen Gesellen, darunter sogar ein Oger, besteht und gerade nach Bier mit Nachdruck nach weiterem Bier ruft. Ganz hinten in der entlegensten Ecke des Raumes, sitzt eine junge Frau in einem sehr offenherzigen, roten Gewand." Mit den letzten Worten deutete er auf Remy.

"Ich nicke dem Wirt zu, stapfe in den Raum und rufe mit dröhnender und ebenso fordernder Stimme wie die Orks: `Bier, Meister Wirt. Und zwar gutes, aus einer zwergischen Brauerei, wenn ihr habt.´ Dann steuere ich zum noch freien Tisch und werfe den Orks einen übellaunigen und warnenden Blick zu. Wir sind hier zwar im Niemandsland, aber deshalb hasse sich dieses Pack nicht weniger", erklärt Franklyn.

"Ich folge Kaldur", erklärt Anett, "und achte dabei darauf, dass die Orks mich möglichst wenig bemerken und stets Kaldur oder einer der anderen zwischen mir und diesem Gesindel ist."

"Da ist jemand wohl aus Erfahrung vorsichtig geworden...", neckte Wang und grinste.

"Du kannst nicht vermeiden, dass zumindest einige Orks auf dich aufmerksam werden. Eine Elfe mit deinem Aussehen bleibt ihnen sicher nicht verborgen und so verfolgen dich Blicke und schmutzige Kommentare", erklärt der Spielleiter, "allerdings scheint ein großer Teil der Orks bereits ein anderes Objekt der Lust im Auge zu haben. Immer wieder deuten einige dieser Kreaturen in Richtung der allein reisenden Frau am Ecktisch."

"Ich folge dem Blick der Orks", beschreibt Wang die Handlung seiner Figur, "aber eile auch schnell an deren Tisch vorüber."

"Ich achte darauf, dass die Orks nicht zu weit gehen", erzählt Thomas, "einige schmutzige Kommentare über Syressas Körper lasse ich durchgehen, da ich daran ohnehin nichts ändern kann, aber wenn einer dieser Kerle handgreiflich wird, werde ich einschreiten."

"Ihr nehmt alle am freien Tisch Platz und kurz darauf bringt die Magd das Bier für Kaldur und nimmt die Bestellung der anderen auf", erklärt Alan. "Indessen seht ihr, dass zwei der Halborks von ihren Stühlen aufstehen und sich grinsend auf den Tisch von Talia The Red zubewegen."

Wie regiert Remy (Talia)? Wie geht das Spiel weiter?

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