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Chapter 12
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Rapunzel Z.10
Urtica fand sich in einem Wirbelsturm der Gefühle. Einerseits konnte sie in dem gleißenden magischen Licht in aller Deutlichkeit zusehen, wie die Zauberin, die sie gefangen hielt, mit aufreizendem Hüftschwung zu ihrem unbekleideten Bruder in das zerwühlte Bett stieg. Obwohl er, wie sie mit eigenen Augen beobachtet hatte, erst vor wenigen Minuten den jungen Körper der Hexe begattet hatte, begann seine Männlichkeit schon wieder sich aufzurichten. Die Aussicht, die beiden noch einmal beim Akt zu beobachten, ließ Urticas Puls in ihren Ohren pochen und ihr Mund wurde vor Aufregung trocken.
Andererseits war sich die Prinzessin nur allzu deutlich bewusst, auf welch beschämende und provokante Weise ihr eigener Körper von den unsichtbaren Fesseln gehalten zur Schau gestellt wurde. Seit Jahren hatte sie es peinlichst vermieden, von ihrem Bruder nackt gesehen zu werden. Oder um genau zu sein, von irgendjemandem außer ihrer persönlichen Zofe, die ihr normalerweise das Bad bereitete. Die Hitze, die sie im Gesicht spürte, sagte ihr überdeutlich, dass sie vor Schamesröte glühte.
Dankbar hatte sie zur Kenntnis genommen, dass Nastur sie nicht anstarrte, sondern den Blickkontakt auf ein Minimum beschränkte. Dennoch musste er, so wie sie ausgestreckt in der Luft hing und nichts verbergen konnte, selbst in diesen kurzen Augenblicken jedes Detail ihres Körpers registriert haben. Selbst ihre Erregung war ihr so überdeutlich auf den nackten Leib geschrieben, dass jedermann sie sofort und ohne Schwierigkeit wahrnehmen musste. Sie war sich daher nicht sicher, wessen Blicke ihr unangenehmer gewesen waren. Das hastige, bedrückte Hinsehen ihres Bruders, der sie eigentlich nie so sehen sollte, oder das schonungslos abschätzige und boshaft amüsierte Taxieren der Zauberin.
Während sie zusah, wie die beiden Gestalten sich auf dem Bett näherkamen, erinnerte sich Urtica unwillkürlich daran, weshalb sie in diese delikate Lage geraten war. Aus einer Laune heraus war sie ins Bett gestiegen, ohne zuvor etwas anzuziehen, obwohl sie wusste, dass sich ihr Bruder zu ihr legen würde. Ihr schlechtes Gewissen wurde noch größer, als sie sich erinnerte, wie sie sich gefühlt hatte, als sie sich an ihn geschmiegt hatte, kurz bevor die Hexe in das Turmgemach eingedrungen war. War es wirklich nur Unüberlegtheit und von Müdigkeit verursachte Unachtsamkeit gewesen, die sie bewogen hatte, mit ihrem Bruder in unangemessener Weise zusammen zu sein?
Sie hieß die Ablenkung durch die Realität vor ihren Augen willkommen, die sie davon abhielt, diesen verstörenden Gedanken bis zu seinem erschreckenden Ende zu führen. Genauestens konzentrierte sie sich auf das Paar, das erneut vergessen zu haben schien, dass Urtica im selben Raum war. Nur allzu bereitwillig ließ sie sich von den aufregenden Bildern und Tönen gefangen nehmen, die ihre aus mangelnder Erfahrung geborenen Phantasien endlich Wirklichkeit werden ließen und zur gleichen Zeit dafür sorgten, dass sie von einem noch nie gekannten Glücksgefühl ergriffen wurde.
Noch hatte sie den Ansturm der Gefühle, die sie überwältigt hatten, als das Paar sich vor ihren Augen auf dem Teppich zum ersten Mal liebte, nicht völlig überwunden. Und das Vorenthalten des Orgasmus hatte sie in einen derart latent erregten Zustand versetzt, dass sie sich in kürzester Zeit quasi ohne Vorwarnung erneut an der Schwelle zu ihrem Höhepunkt befand, ohne Hoffnung, ihn tatsächlich erreichen zu können. Die Frustration, die sie erfüllte, war schier unerträglich. Aber dennoch würde sie das, was sie hier empfand und erlebte, nicht missen wollen. Noch nie hatte sie sich so lebendig und aufgeregt gefühlt. Sie vermeinte zu verglühen und war sich sicher, dass sie beinahe alles tun würde, um die Erfüllung zu erreichen, deren Hinauszögern sich aber andererseits so herrlich anfühlte.
Nastur war von sich selbst überrascht. Eben noch hatte er sich völlig ausgelaugt und total erschöpft gefühlt. Doch nachdem er auf der weichen Matratze lag und das betörende jugendliche Wesen mit der gebräunten Haut und den langen, glänzenden schwarzen Haaren auf sich zukommen sah, konnte er sich des Verlangens nach dieser entzückenden Frau nicht erwehren. Er spürte, wie das Leben in ihn zurückkehrte. Mit unverhohlenem Stolz blickte er an sich herunter und erfreute sich an seiner wachsenden Erektion.
Er versuchte sich einzureden, dass er sich nur auf diese ungebührliche Handlung einlasse, um seine Schwester zu retten. Schließlich war es seine Aufgabe als Mann und Bruder, sie zu beschützen. Allerdings bezweifelte er, dass er die Hexe besiegen könnte. Überhaupt, wie kämpfte man gegen eine böse Zauberin?
Natürlich kannte er das Märchen von Hänsel und Gretel. Doch zum einen war der Herd in der angrenzenden Küche viel zu klein, als dass ein Mensch hineingepasst hätte. Zum anderen war es mehr als unwahrscheinlich, dass ihre Widersacherin dumm genug wäre, in einen brennenden Ofen zu steigen. In weiteren Märchen waren Zauberblumen oder sonstige magische Talismane der Schlüssel zum Sieg. Doch gab es in ihrer Geschichte keine wundertätigen Blumen, es gab nur Salat. Auch ging es in vielen Sagen gar nicht darum, die böse Fee zu vernichten, sondern eher ihren Fluch zu brechen oder ihrem Bann zu entkommen.
So glaubte er sich darin bestätigt, seinen ursprünglichen Plan weiter zu verfolgen. In Gedanken zählte er all die vernünftigen Argumente auf, weshalb ihm keine andere Wahl blieb, als zu versuchen, die Hexe zu verführen, um sie entweder abzulenken, so dass Urtica entkommen konnte. Oder er müsste sie davon überzeugen, dass es für sie lohnender wäre, Nastur statt seiner Schwester bei sich zu behalten. Beim Anblick der liebreizenden Gestalt, die sich anschickte, zu ihm ins Bett zu steigen, fiel ihm dieser Selbstbetrug nicht mehr schwer. Auch wenn er wusste, dass ihre engelsgleiche Figur nur eine Illusion war und in krassem Widerspruch zu ihrer dämonischen Seele stand, war er ihr längst **** verfallen.
Als die wunderschöne Geliebte neben ihm aufs Lager sank, drehte er sich auf die Seite und drückte sich mit einem Arm hoch, so dass er sie halb von oben betrachten konnte. Ein letztes Mal schielte er zu seiner Schwester. Sie hing noch immer bewegungslos und stumm in der Luft. Aber zumindest schien sie weiterhin nicht in unmittelbarer Gefahr. Also würde ihre Befreiung auch noch ein wenig warten können, und er konnte sich auf den makellosen Körper konzentrieren, der sich neben ihm ausstreckte. Der zauberhafte Anblick nahm ihn derart gefangen, dass er fast augenblicklich vergaß, wie Urtica ihn die ganze Zeit über beobachtete.
Fast zögerlich hob er seine Hand zum Haupt seiner Gespielin und fasste scheu nach den zerzausten, rabenschwarzen Strähnen, die sich über ihre Stirn gelegt hatten. Zärtlich strich er über ihre Wangen und an der Seite des Halses hinab. Seine Hand glitt über ihre Schulter, um anschließend den Arm zu streicheln. Von dort legte sie sich auf ihren flachen Bauch. Kurz verirrte sich ein Finger in den niedlichen Bauchnabel. Dann zog er eine zitternde Linie senkrecht nach oben, zwischen ihren wundervollen Brüsten hindurch, bis er die kleine Vertiefung an ihrer Kehle erreichte.
Genießerisch schloss die Frau ihre Augen und schnurrte leise. Nur ganz wenig öffneten sich ihre feucht schimmernden Lippen und Nastur konnte nicht umhin, einen Kuss darauf zu hauchen. Ihm ging auf, wie zart und **** sie wirkte. Mühelos hätte seine Hand ihren schlanken Hals packen und zudrücken können. Wäre das die Lösung ihrer Probleme? Die Befreiung aus ihrer Zwangslage? Unmerklich schüttelte er den Kopf. Nein, selbst wenn er sicher gewesen wäre, die Zauberin überwältigen zu können - denn nichts garantierte, dass sie tatsächlich so wehrlos war, wie es den Anschein hatte -- hätte er es nicht über sich gebracht, sie zu töten. Nie mehr hätte er reinen Gewissens in den Spiegel sehen können. Selbst wenn es sein eigenes Leben kosten würde, er würde es nicht dadurch erkaufen, dass er heimtückisch ein anderes Leben nahm.
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Schlimm's Märchen
Klassische Märchen, sexy neu erzählt
Die Märchen halten sich eng an die Original Texte, driften aber in Sex und Erotik ab.
Updated on Dec 8, 2023
Created on Apr 13, 2023
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