Disable your Ad Blocker! Thanks :)
Chapter 34
What's next?
Rätsel
Nach der aufregenden Episode am Telefon war ich ziemlich sicher, dass ich nicht einschlafen konnte, zumindest nicht bald. So entschied ich mich, in die Werkstatt zu gehen. Auf dem Weg über den Hof sandte ich noch eine Nachricht an Andrea, dass ich zur Belohnung für ihr mustergültiges Verhalten alle vorherigen Anweisungen aufhob. Sie dürfe sich waschen und zu Bett gehen. Ich wollte am kommenden Vormittag weiter an den Schränken arbeiten, es könne aber später werden als gewöhnlich. Eine Antwort erwartete ich nicht, so steckte ich das Handy weg.
Ich trat über die Schwelle zu meiner Werkstatt und wie immer fühlte es sich an, als wechsle ich in eine alternative Welt. Die vertrauten Gerüche nach abgelagertem Holz, frischem Sägemehl und trocknenden Farben umfingen mich wie eine heimelige Kuscheldecke. Und auch die Farben und Formen, die ich im hellen Licht der Deckenbeleuchtung wahrnahm, schienen ganz andere als draußen zu sein.
Ich fasste nach den bereitliegenden Werkzeugen und sie begrüßten mich wie einen alten Freund. Ich atmete tief ein, schob die Skizzen der Einbauschränke zur Seite und holte die Papiere mit älteren Projektideen aus einer Schublade. Während ich sie vor mir ausbreitete, schaltete mein Verstand umgehend in den Planermodus und ich vergaß die Umgebung und Sorgen.
Als ich erwachte, war es schon lichter Tag. Mein Kopf lag auf überkreuzten Armen auf der Werkbank, ich musste im Sitzen eingeschlafen sein. Trotz der unbequemen Haltung fühlte ich mich ausgeruht. Beschwingt kehrte ich ins Haus zurück, duschte, zog mich an und fuhr zu Andrea.
Sie begrüßte mich fröhlich und ohne irgendwelche Anspielungen auf unser gemeinsames Bad tags zuvor oder das nächtliche Telefonat. Oh Gott, würde ich jemals schlau aus dieser Frau werden?
Ich machte mich wieder an meine Aufgabe, sie erledigte Hausarbeit und besuchte mich regelmäßig, um mir zuzusehen und sich mit mir zu unterhalten. Am meisten beschäftigte sie der bevorstehende Besuch ihrer Tochter Lisa. Andrea schlug vor, dass ich am Sonntag, weil ich da nicht arbeiten würde, nachmittags zum Kaffee kommen sollte. Sie wollte dafür extra Kuchen backen und für nur zwei Personen wäre das zu viel. Aber ich lehnte dankend ab. Zum einen wollte ich ihr die gemeinsame Zeit mit ihrem Mädchen nicht streitig machen. Zum anderen war ich ohnehin nicht der gesellige Typ, der sich zum Kaffeeklatsch traf.
Ich kam zügig voran, wenn Andrea nicht in meiner Nähe war. Sobald sie aber auftauchte, war ich abgelenkt, denn ich suchte nach Anzeichen für eine Verhaltensänderung. Nur, ich fand keine. Sie blieb mir ein unlösbares Rätsel.
Richtiggehend nervös wurde ich, als sie mich zum Mittagessen in die Küche bat. Ständig schielte ich in ihre Richtung. Entweder bemerkte sie es nicht, oder sie zog es vor, nicht darauf einzugehen. Jedenfalls war sie perfekte Hausfrau und aufmerksame Gastgeberin, mehr auch nicht. Nachdem ich satt war und den angebotenen Espresso getrunken hatte, ging ich verwirrt wieder an mein Werk.
Am Abend hatte ich gutes Stück erledigt. In vielleicht zwei oder drei Tagen wären alle geplanten Einbauten an ihrem Platz und fertig. Wenn nichts dazwischenkam. Andrea war überaus erfreut, als ich ihr diese positive Einschätzung mitteilte. Das versetzte mir einen kleinen Stich. Gewünscht hätte ich mir, dass sie bedauerte, wenn ich nicht mehr regelmäßig bei ihr vorbeischaute.
Neue Hoffnung keimte in mir, nachdem ich für den Tag Schluss machte und mein Werkzeug zusammenpackte. Andrea lud mich noch zu einem Feierabendbier auf ihrer Terrasse ein. Wir saßen nebeneinander auf nagelneuen Gartenstühlen und ich bewunderte und lobte den gepflegten Rasen und die sauber angelegten Beete. In kürzester Zeit hatte sie aus einem ziemlich verwilderten Grundstück eine Oase gezaubert. Offenbar hatte sie nicht nur im Haus, sondern auch drum herum ein gutes Händchen.
Wir tranken unser Bier aus der Flasche. Sie erklärte mir, wo sie was angepflanzt hatte und welche Pläne sie noch bis in den Herbst hatte. Die ganze Zeit über sah ich sie an. Sie war lebendig, liebenswert und wunderschön. Nur sagen konnte ich ihr das nicht. Ich hatte einen Kloß im Hals und die Worte, die mir auf der Zunge lagen, brachte ich nicht über die Lippen.
Schließlich, als die Sonne schon tief im Westen stand, bedankte und verabschiedete ich mich.
In dieser Nacht fand ich nur schwer zur Ruhe. Ich wusste einfach nicht, wie es weitergehen sollte. Mit ihr? Mit mir? Mit uns? Gab es überhaupt ein ‚uns‘? Die Frau machte mich fertig.
Am Morgen wachte ich wie gerädert auf. Ich war sicher, dass ich etwas geträumt hatte, das mich aufwühlte. Doch ich hatte keinerlei Erinnerung an die Bilder, die mich im Schlaf aufgesucht hatten.
Ich fühlte mich so mies, dass ich Andrea anrief und Bescheid gab, dass ich einen Tag aussetzen wollte. Zu hören, dass sie ernsthaft besorgt war, tat mir gut.
„Brauchst du etwas? Soll ich dir was besorgen oder vorbeikommen?“
Ich mühte mich, die Panik aus meiner Stimme heraus zu halten, als ich ablehnte. Ich bräuchte nur etwas Ruhe. Andrea hier in meinen vier Wänden um mich zu haben, wäre genau die falsche Kur.
Nach einem kargen Frühstück zog ich mich in meine Werkstatt zurück. Sobald ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, fühlte ich mich schon bedeutend besser. Auf dem Arbeitstisch lagen noch immer die ausgebreiteten Pläne. Rasch verschaffte ich mir einen Überblick und traf die Entscheidung, was ich angehen wollte. Das Schaukelstuhl-Projekt, das ich zugunsten des Prangers zurückgestellt hatte, sollte endlich zu seinem Recht kommen.
Wie oft vergaß ich die Zeit. Ich war eben dabei, die Hölzer für den Rahmen abzuhobeln, als mich etwas aufschreckte. Die Eingangstür hatte sich geöffnet und ein Schatten fiel herein.
„Ach, da bist du. Anscheinend geht es dir wieder besser?“
Nachdem sich meine Augen auf das Gegenlicht eingestellt hatten, erkannte ich Andrea. Ihr kaum verhohlener Tadel war kaum zu überhören. Ich suchte nach einer passenden Antwort, kam aber gar nicht dazu, mir eine zu überlegen, weil sie einfach weiterredete. Ich tastete meine Hosentasche ab, in der ich mein Handy vermutete, und da fiel mir auf, dass ich es im Haus vergessen hatte.
„Ich habe mir Sorgen gemacht, weil du nicht mehr ans Telefon gegangen bist. Ich habe mir weiß Gott was für Sorgen gemacht, wie schlecht es dir geht, und war drauf und dran, den Notarzt zu rufen. Ich dachte nur, ich schaue vorher selbst nach dem Rechten. Und wo finde ich dich? Hier!“
Die Geste, mit der sie mein kleines Reich umfing, war alles andere als wertschätzend. Dann fiel ihr Blick auf einen großen, von einem Leintuch bedeckten Gegenstand, der einigen Raum einnahm.
„Was ist das denn?“, rief sie neugierig und strebte in die Richtung ihres Funds.
Alarmglocken schrillten in meinem Kopf und ich stürzte hinter ihr her, um sie aufzuhalten. Zu spät. Sie zog an dem Tuch und die Verhüllung rauschte zu Boden. Interessiert betrachtete sie den freigelegten Pranger und legte den Kopf schief.
Dann wandte sie sich mir zu. „Aha!“
What's next?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)
Der Handwerker (Public)
Ich habe plötzlich genügend Geld, um nicht mehr arbeiten zu müssen, und widme mich meinem Hobby.
Das erste Kapitel dient ausschließlich der Einführung und es gibt noch keine "Action". Danach gibt es Zug um Zug mehr Handarbeit.
Updated on Oct 1, 2024
Created on Mar 11, 2023
Comments moved below the chapter.
Jump to comments
Comments