What's next?
Max kauft die Fähigkeit für seinen Vater
Walter starrte die Verkäuferin an, als hätte sie gerade in einer völlig fremden Sprache über etwas höchst Unanständiges gesprochen. Sein Gesicht verfärbte sich von einem blassen Schock zu einem tiefen, fast schon violetten Rot. Er war ein Mann der alten Schule, ein Mann des Handwerks und der klaren Worte – aber dieses Wort, diese Kombination aus Begriffen, ließ ihn innerlich erzittern.
„Wichsv... was?“, stammelte er, wobei seine Stimme in einer unkontrollierbaren Tonhöhe endete. „Was für ein… wie kann man nur so etwas sagen?! Max, sag ihr, dass das ein schlechter Scherz ist! Das klingt ja… unmöglich!“ Er versuchte, die Bedeutung zu erfassen, und dabei schien sich die Scham über das Wort in seinem Kopf mit einer vagen, doch verstörenden Vorstellung von dem zu mischen, was es bedeuten könnte.
Die Verkäuferin amüsierte sich köstlich an der Reaktion des Vaters. Sie strich mit einer eleganten Geste durch die schwebenden Zahlen und sah Max dann mit einem Blick an, der sowohl Herausforderung als auch eine dunkle Vorfreいte enthielt.
„Siehst du, Max?“, sagte sie leise. „Die Reaktionen sind immer so… intensiv. Aber hier im Shop gibt es keine Regeln, nur Möglichkeiten.“
Sie trat einen Schritt näher zu Walter und legte ihre Hand fast spielerisch auf dessen steife Schulter, während ihr Blick wieder zu Max wanderte.
„Du hast zwei Wege, deine Punkte einzusetzen“, erklärte sie mit einem geheimnisvollen Lächeln. „Du kannst die Fähigkeit für dich selbst erwerben. Sie wird dein Werkzeug sein, um dich in die perfekte ‚Vorlage‘ Anderer zu verwandeln. Das bedeutet aber, dass du nicht die Blondine aus dem Zug werden kannst. Oder…“
Sie hielt inne und ihr Blick wurde fast schon schelmisch-grausam.
„Da wir hier alle gemeinsam sind, könntest du die Punkte auch direkt für deinen Begleiter verwenden. Du könntest mit deinen Punkten die Fähigkeit für deinen Vater erwerben, damit kann sich der Mann neben dir verwandeln.“
Die Stille, die darauf folgte, war so schwer, dass man sie fast hätte greifen können.
Walter erstarrte förmlich. Er verstand jetzt. Die Bedeutung des Wortes, die Implikation der Verwandlung – es traf ihn wie ein physischer Schlag. Sein Blick glitt panisch zu Max, als suchte er in den Augen seines Sohnes nach einer Rettung oder einer Bestätigung. „Max?“, flüsterte er verzweifelt. „Was… was meint sie damit?! Was willst du tun?!“
Max spürte, wie sein ganzer Körper unter der Spannung vibrierte. Die Vorstellung war so absurd, so unglaublich und doch in diesem magischen Laden fast schon greifbar real. Er sah seinen Vater an – den Mann, der ihn großgezogen hatte – und dann sah er die Verkäuferin, die darauf wartete, dass er sein Schicksal besiegelte.
Die Punkte waren genug für eine Entscheidung. Eine Entscheidung, die alles verändern würde.
Max schluckte schwer. Er blickte zu seinem Vater und dann wieder zur Verkäuferin. Es war ein Wagnis, ja, aber es war das aufregendste, was er je getan hatte. „Ich kaufe sie für ihn“, entschied er fest. Er wollte sehen, wie diese Kraft wirkt, und er wollte sehen, wie sich die Welt verändert, wenn sein Vater zum Objekt der Lust wird.
Die Verkäuferin kicherte und neigte den Kopf zu Walter, der immer noch mit einer Mischung aus Entsetzen und leiser Hoffnung auf sie starrte.
„Eine mutige Wahl!“, sagte sie. „Aber damit er weiß, was ihn erwartet, erkläre ich dir die Regeln dieser Gabe genau, Max.“ Sie deutte auf die schimmernden Zahlen, die nun um Walter herum kreisten.
„Um seine Gestalt zu verändern und sich in die ‚Vorlage‘ eines anderen zu verwandeln, muss er lediglich seine Konzentration auf das Ziel richten“, erklärte sie mit einer Stimme, die wie dunkler Samt klang. „Wenn er sich auf die Person konzentriert, wird sein Körper beginnen, sich zu formen – er wird zu einem perfekten, lebendigen Werkzeug der Lust für diese Person. Er wird zu genau dem Objekt, das dessen Leidenschaft widerspiegelt.“
Sie sah Walter an, dessen Atem flacher wurde. „Und die Rückverwandlung? Das ist der wichtigste Teil. Wenn die Verwandlung vollzogen ist und er in seiner neuen, hingebungsvollen Gestalt verweilt, gibt es nur einen Weg zurück zur ursprünglichen Form: Er muss sich selbst befriedigen. Erst wenn er den Höhepunkt erreicht, wenn der Orgasmus seinen neuen Körper durchflutet, bricht die Verwandlung und er kehrt als der alte Walter zurück.“
Walter schluckte schwer. Das Konzept war so radikal, dass es fast schmerzhaft klang.
„Doch nun... Genug des Gelabers!“, rief die Verkäuferin plötzlich mit einem schelmischen Funkeln in den Augen. „Es ist Zeit, dass ihr eure Reise fortsetzt. Die Welt wartet auf euch!“
Sie hob beide Hände und vollführte eine ausladende Geste, als wollte sie das gesamte Universum um sie herum wegfegen. Ein blendendes, weißes Licht flutete den Laden, so hell, dass Max die Augen schließen musste. Das Gefühl der Schwerelosigkeit kehrte zurück, ein Sog, der alles mit sich riss – die Regale, die Luft, die Zeit selbst.
Snap!
Mit einem heftigen Ruck und dem vertrauten Geräusch von Reifen auf Asphalt wurden sie zurück in die Realität geschleudert.
Max blinzelte gegen das helle Tageslicht an. Er war nicht mehr im mystischen Laden. Er saß wieder auf dem Beifahrersitz des Autos. Das Auto stand am Straßenrand, der Motor war zwar aus, aber man konnte noch das leise Knacken des abkühlenden Metalls hören. Sie waren genau dort gelandet, wo sie vor dem „Shop“-Besuch gewesen waren.
Neben ihm saß Walter. Er sah äußerlich immer noch aus wie der kräftige Mann von vorhin, doch seine Augen leuchteten mit einer unnatürlichen Intensität. Seine Hände umklammerten das Lenkrad, als würde er versuchen, sich an der Realität festzuhalten. Die Spannung zwischen ihnen war fast greifbar – eine elektrische Ladung, die darauf wartete, entladen zu werden.
Max sah seinen Vater an und grinste breit. Er wusste genau, was als Nächstes passieren würde.
„Also, Papa“, flüsterte Max leise, während sein Blick auf das Lenkrad wanderte, „willst du es mal ausprobieren?“
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