What's next?
Ein ganz gewöhnlicher Kaffee
Der späte Dienstagnachmittag kroch zäh durch die Zimmer unserer Altbauwohnung.
Ich stand vor dem bodentiefen Spiegel im Flur. Das weiße Hemd, das Loona für mich herausgelegt hatte, war ordentlich in den Bund der tiefschwarzen Jeans gesteckt. Der Denim saß wie angegossen – unnachgiebig, straff über den Oberschenkeln und so eng am Becken, dass sich darunter absolut nichts verbergen ließ. Jeder Atemzug ließ das kalte Metall gegen mein Schambein pressen; das Silikon lag millimetergenau an, kein Millimeter Spielraum, kein Entkommen vor der stählernen Präsenz.
Hinter mir öffnete sich leise die Schlafzimmertür.
Loona trat barfuß auf die Dielen, ein Seidenmorgenmantel locker um ihre schlanken Schultern geschlungen. Ihr Blick im Spiegel fing sofort meinen auf. Sie trat hinter mich, legte ihre Hände auf meine Schultern und ließ ihre Finger langsam über meinen Nacken hinabwandern.
„Du siehst perfekt aus, John“, flüsterte sie dicht an meinem Ohr, ihr Atem warm und sanft auf meiner Haut. „Ruhig. Gepflegt. Ein junger Mann, der zu einem ganz gewöhnlichen Kaffee mit einem hübschen Mädchen geht.“
Sie ließ die Hände tiefer gleiten, strich über meinen Rücken hinab zur Taille und glitt mit beiden Händen nach vorn. Ihre kühlen Finger tasteten durch den festen Jeansstoff direkt nach dem Gehäuse, umfassten die starre Rundung und übten einen kurzen, festen Druck aus, der mir augenblicklich ein leises Keuchen entlockte.
„Schloss sitzt fest“, stellte sie leise fest, ihre Augen im Spiegel voller ruhiger Entschlossenheit. „Kein Schlüssel in deiner Tasche. Keine Gnade von mir, bis du wieder durch diese Tür trittst. Du weißt, was auf dem Spiel steht.“
„Ja“, brachte ich heiser hervor, während mein Puls im Hals hämmerte. „Ich… ich lasse mir nichts anmerken.“
„Ich weiß, dass du das kannst“, hauchte sie, drehte mich an den Schultern zu sich um und strich mir eine verirrte Haarsträhne aus der Stirn. In ihrem Blick lag keine Kälte mehr, keine unberechenbare Härte wie damals bei den Eskalationen mit Emma, sondern ein tiefes, unerschütterliches Vertrauen. „Lass dich nicht aus der Fassung bringen. Wenn sie dir nah kommt, halte es aus. Zeig ihr, wie beherrscht du bist. Aber vergiss keine Sekunde, wer über dich wacht.“
Sie drückte mir einen flüchtigen, weichen Kuss auf die Wange, trat einen Schritt zurück und deutete mit einem schmalen Lächeln auf die Tür.
„Geh. Sie wartet schon.“
Die Dämmerung legte sich in zarten Violett- und Orangetönen über das Maybachufer. Das Wasser des Kanals plätscherte leise gegen die Ufermauer, Trauerweiden neigten ihre Zweige über den Gehweg, und das warme Licht der Lichterketten über den Außentischen des kleinen Bistros spiegelte sich auf dem feuchten Asphalt.
Ich ging die Promenade entlang, die Hände in den Jackentaschen vergraben. Jeder Schritt trieb den Zylinder rhythmisch gegen das empfindliche Gewebe. Die Panik saß mir tief in den Knochen – die Erinnerung an die Scham, die Furcht davor, dass Nadja auch nur eine Andeutung dieser bizarren Realität bemerken könnte, schnürte mir die Kehle zu.
Dann sah ich sie.
Sie saß an einem kleinen, runden Bistrotisch aus dunklem Schmiedeeisen direkt am Ufergeländer. Nadja trug eine weiche, cremefarbene Strickjacke, die an einer Schulter leicht herunterrutschte und das schmale Trägeroberteil darunter freigab. Vor ihr dampfte ein Glas Pfefferminztee, neben ihr lag eine kleine Ledertasche.
Als ihre blauen Augen mich erblickten, hellte sich ihr ganzes Gesicht auf. Sie sprang auf, die Wangen leicht rosig von der kühlen Abendluft, und kam mir mit schnellen, leichten Schritten entgegen.
„John!“, rief sie strahlend.
Bevor ich reagieren konnte, schlang sie beide Arme um meinen Nacken und zog mich in eine warme, herzliche Umarmung. Ihr Duft – dieselbe betörende Note nach Vanille und frischen Blüten wie damals in ihrer Wohnung – hüllte mich schlagartig ein. Ihr weicher Körper drückte sich für einen kurzen Herzschlag fest gegen meinen Oberkörper.
Mein Unterleib reagierte sofort mit einem verzweifelten, dumpfen Pochen; der Stahlring schnitt unbarmherzig in mein Schambein, blockierte jede Regung und jagte mir einen Schmerzschauer durch die Lenden, der mir fast die Knie wegsackte.
„Schön, dass du da bist“, hauchte sie leise an meiner Wange, löste sich langsam aus der Umarmung und hielt mich an beiden Oberarmen fest, während sie mich von Kopf bis Fuß musterte. Ein feines, vielsagendes Lächeln zupfte an ihren Lippenwinkeln. „Du siehst richtig gut aus heute. Fast schon zu schick für einen einfachen Kaffee am Kanal.“
„Danke…“, brachte ich heraus, meine Stimme eine Nuance zu tief, zu rau, während ich versuchte, mein Gewicht unauffällig zu verlagern. „Du aber auch. Wirklich.“
„Komm, setzen wir uns, bevor die Plätze am Wasser weg sind“, sagte sie fröhlich, griff ganz natürlich nach meiner Hand und zog mich sanft hinüber zu dem kleinen Tisch.
Ihre Finger waren zart, ihre Haut warm. Ich folgte ihr wie betäubt, ließ mich auf den harten Metallstuhl gleiten und biss mir unbemerkt auf die Zunge, als der Druck des Sitzes den Käfig noch tiefer in den festen Denim presste.
Nadja setzte sich mir genau gegenüber, stützte ihr Kinn auf beide Handflächen und sah mich mit einem Blick an, der vor harmloser Wärme und unausgesprochener Vertrautheit nur so sprühte.
„Na dann erzähl mal“, begann sie sanft, während ihre Fußspitze unter dem schmalen Tischchen ganz sachte den Rand meines linken Schuhs berührte. „Wie ist es dir seit Samstag ergangen? Du hast dich ja nach der Party ziemlich rar gemacht…“
Ich schluckte mühsam gegen den Kloß in meinem Hals an, während ich versuchte, meine Atmung zu beruhigen. Der eiserne Druck an meinem Schambein war eine stumme, brennende Mahnung, doch als ich in Nadjas klare, meerblaue Augen sah, mischte sich unter die panische Angst ein Rausch, der mir die Sinne vernebelte.
„Na ja… nach so einem Wochenende brauchte die WG erst mal ein bisschen Ruhe“, erwiderte ich, zwang meine Schultern locker nach hinten und ließ ein schiefes, leicht verlegenes Lächeln auf meinen Lippen aufblitzen. „Und ehrlich gesagt… ich musste mich erst mal von deinem Anblick erholen.“
Nadja zog überrascht die feinen Brauen hoch. Ein warmes, amüsiertes Schimmern trat in ihren Blick, und ihre Wangen färbten sich noch eine Nuance dunkler im Schein der Lichterkette.
„Ach, tatsächlich?“, schnurrte sie leise, neigte den Kopf zur Seite und strich sich versonnen eine blonde Strähne hinters Ohr. Ihre Lippen formten ein neckisches, herausforderndes Lächeln. „Ich dachte, du hättest am Samstag auf der Couch kaum Notiz von mir genommen. Du hast gewirkt wie eine Statue, John. Absolut unnahbar. Als könnte dich auf dieser Welt überhaupt nichts aus der Ruhe bringen.“
Unter dem kleinen Tisch bewegte sich ihr Bein. Ihre Stiefelspitze glitt langsam von meinem Schuh hinauf, strich mit sanftem, gezieltem Druck über mein Schienbein und blieb an der Kante meines Knies ruhen.
Der Reiz durchfuhr mich wie ein elektrischer Schlag. Mein Fleisch bäumte sich reflexartig auf, suchte nach Raum zum Wachsen und prallte mit unbarmherziger Härte gegen die starren Stahlwände des Zylinders. Der dumpfe, pochende Schmerz schnürte mir für einen Wimpernschlag die Luft ab, doch ich hielt ihren Blick fest, weigerte mich zu blinzeln.
„Unnahbar?“, wiederholte ich leiser, lehnte mich ein Stück über die kühle Eisenplatte vor und stützte die Unterarme auf den Tisch. Meine Hände lagen nur wenige Zentimeter vor ihren. „Vielleicht war ich einfach nur vorsichtig. Wenn jemand wie du sich den ganzen Abend so auffällig Mühe gibt, meine Aufmerksamkeit zu bekommen… dann muss man aufpassen, dass man nicht den Kopf verliert.“
Ein leises, kehliges Lachen entwich ihrer Kehle. Sie wirkte sichtlich angetan von dem Konter, ihre Augen funkelten vor unverhohlener Spielfreude.
„Oho… der stille Stiefbruder fährt die Krallen aus“, neckte sie sanft, strich mit dem Zeigefinger über den Rand ihres Teeglases und ließ ihre Hand dann langsam über die Tischplatte wandern. Ganz beiläufig, als wäre es das Natürlichste der Welt, legte sie ihre warmen, zarten Fingerspitzen auf meinen Handrücken.
Ihre Berührung brannte heißer als der Edelstahl unter meinem Bund.
„Aber keine Sorge“, flüsterte Nadja, beugte sich so weit vor, dass ich den feinen Hauch ihres Vanilleparfüms atmen konnte. Ihr Blick wanderte von meinen Augen hinab zu meinen Lippen und wieder hinauf. „Ich beiße nicht. Höchstens, wenn man mich darum bittet.“
Ihre Zehenspitze unter dem Tisch drückte dabei noch eine Spur fester gegen die Innenseite meines Knies, wanderte quälend langsam ein paar Zentimeter höher, den Saum der engen Jeans entlang.
„Ich mag es einfach, wenn ein Mann mir nicht gleich alles auf dem Silbertablett serviert“, fuhr sie fort, ihre Stimme samtweich und voller doppelbödiger Andeutungen. „Dieses Geheimnisvolle an dir… diese eiserne Selbstbeherrschung. Man spürt förmlich, wie viel da unter der Oberfläche brodelt. Sag mal, John… verlierst du eigentlich *jemals* die Kontrolle? Oder gibt es da draußen irgendetwas, das dich aus deinem Panzer locken kann?“
Mein Herz hämmerte wie eine Abrissbirne gegen meine Rippen. Die Ironie ihrer Worte traf mich mit voller Wucht: Sie saß mir gegenüber, flirtete schamlos, suchte meine Nähe – und sprach von Selbstbeherrschung, während in Wahrheit ein Vorhängeschloss an meinen Lenden hing, dessen Riegel jede meiner Reaktionen im Keim erstickte.
Ich zog meine Hand nicht unter ihren Fingern weg. Stattdessen drehte ich meine Handfläche ganz langsam um, sodass meine Fingerkuppen die zarte Innenseite ihrer Hand berührten. Ein Schauder lief über ihre Züge – sie hatte nicht damit gerechnet, dass ich ihre Berührung erwidern würde.
„Die Kontrolle verliert man nur, wenn man nicht weiß, wer sie hat“, murmelte ich heiser, sah ihr tief in die Augen und ließ ein vages, gefährlich leises Lächeln zu. „Und manche Panzer… sind vielleicht gar nicht dafür da, geöffnet zu werden. Zumindest nicht von jedem.“
Nadjas Atem stockte kurz. In ihren blauen Augen blitzte für den Bruchteil einer Sekunde etwas auf – eine Mischung aus ehrlicher Faszination und einem unberechenbaren, herausfordernden Funken, den ich bei ihr so noch nie gesehen hatte.
Sie zog die Hand nicht zurück, sondern verhakte ihre weichen Finger sachte in meinen, während ihr Daumen langsam über meinen Handrücken strich.
„Gefährliche Antwort, John“, flüsterte sie mit einem Lächeln, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. „Du forderst mich ja förmlich heraus, herauszufinden, wie fest dieser Panzer wirklich sitzt…“
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