What's next?

Ich hab noch nie

Ich atmete tief durch, straffte die Schultern und trat an Loona vorbei in den Flur. Der Edelstahl unter meiner Jogginghose saß ruhig und fest; das Silikon verhinderte jedes Scheuern, doch das kühle Gewicht erinnerte mich mit jedem Schritt an mein Geheimnis.

Ich drückte auf den Summer der Gegensprechanlage, öffnete die schwere Altbautür einen Spalt breit und wartete, bis die leichten, schnellen Schritte im Treppenhaus näher kamen.

„Hey, John!“, erklang Nadjas Stimme, noch bevor sie vollends um die Biegung des Flurs bog.

Sie trug eine enge, dunkle Jeans, beigefarbene Stiefeletten und eine Lederjacke, unter der ein locker fallendes, schwarzes Seidentop hervorblitzte. Ihre Haare waren zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden, ihr Make-up saß makellos. Sie strahlte diese frische, urbane Energie aus, die den Raum sofort einnahm. In der einen Hand trug sie eine kleine Ledertasche, in der anderen eine Flasche Gin.

„Hi, Nadja“, sagte ich und trat zur Seite, um sie hereinzulassen. „Komm rein.“

Sie schlüpfte an mir vorbei, zog die Jacke aus und musterte mich dabei mit einem offenen, fast prüfenden Lächeln. Ihr Parfüm – blumig, leicht, mit einer herben Fruchtnote – mischte sich sofort mit der warmen Wohnungsluft.

„Gott, siehst du heute schon viel lebendiger aus als gestern Nacht“, stellte sie lachend fest, lehnte sich vor und gab mir zur Begrüßung zwei flüchtige Küsschen auf die Wangen. Ihre Hände streiften dabei kurz meine Oberarme. „Loona scheint dich ja richtig gut zu pflegen. Keine Augenringe mehr, keine Leichenblässe.“

Mein Puls machte einen kurzen Satz. Zu wissen, dass sie die ahnungslose Freundin mimte, während sie in Wahrheit jeden Schachzug dieses Wochenendes kannte, schnürte mir die Kehle zu – und ließ gleichzeitig das Blut heißer durch meine Adern pumpen.

„Sie… sie gibt sich Mühe“, brachte ich mühsam hervor und nahm ihr die Jacke ab, um sie an die Garderobe zu hängen.

Aus dem Wohnzimmer schlurfte Timo in den Flur, die Hände lässig in den Hosentaschen, das breite Grinsen wie angetackert auf seinem Gesicht. „Na, schau an, die Verstärkung ist da! Wurde auch Zeit, John hat beim Zocken schon wieder Nerven gezeigt.“

„Als ob du jemals fair spielen würdest, Timo“, konterte Nadja trocken, wandte sich von mir ab und umarmte ihn kurz und distanziert.

In diesem Moment trat Loona aus der Küche. Sie hielt ein Tablett mit vier schweren Kristallgläsern, frischer Minze und Eiswürfeln in den Händen. Ihr weißes Tanktop ohne BH und die hauchdünne Shorts ließen jeden Schritt zu einer Provokation werden.

Nadjas Blick wanderte mit gespielter Beiläufigkeit über Loonas freizügiges Outfit, blieb eine Millisekunde an ihren sichtbaren Brustwarzen hängen und wanderte dann kurz zu mir. Es war ein fast unmerklicher, blitzender Blick voller Wissen und Vergnügen.

„Na, wenn das hier keine erstklassige Bar wird, weiß ich auch nicht“, scherzte Nadja, hielt die Flasche Gin hoch und folgte Loona ins Wohnzimmer.

Timo blieb kurz neben mir stehen, stieß mir mit dem Ellbogen in die Seite und raunte leise: „Sieh dir das an, Alter. Das wird heute noch ein verdammt wilder Abend.“

Ich schwieg, starrte den beiden Frauen hinterher und spürte, wie das Metall unter meinem Stoff unerbittlich gegen das Silikon pulsierte. Das Netz war ausgeworfen, und jeder im Raum wusste es – bis auf Timo.

Soll der Abend nun am Couchtisch mit dem Mixen der Drinks und ersten doppeldeutigen Neckereien Fahrt aufnehmen, während Nadja John subtil beobachtet?

Wir versammelten uns um den niedrigen Couchtisch. Die gedämpfte Deckenleuchte warf ein warmes, schummriges Licht auf das Glas und das Holz, während aus der Bluetooth-Box im Regal ein unaufdringlicher, basslastiger Beat durch das Wohnzimmer pulsierte.

Timo ließ sich breitbeinig in die Mitte des großen Sofas fallen, schlug die Arme über die Rückenlehne und streckte die Beine weit von sich. Er nahm den Raum ein wie selbstverständlich. Nadja setzte sich mit geschmeidigen Bewegungen auf die linke Seite, zog ein Bein angewinkelt unter ihren Oberschenkel und nahm die mitgebrachte Gin-Flasche vom Tisch.

„So, wer fängt an?“, fragte Nadja in die Runde, schraubte den Verschluss ab und warf mir einen vielsagenden Blick zu. „John, wie sieht’s aus? Du hast gestern kaum mitgetrunken. Heute gibt es keine Ausreden mit Anatomie-Vorlesungen.“

„Ich bin voll dabei“, erwiderte ich, bemüht um eine feste Stimme, und setzte mich auf den freien Platz neben sie – mit gerade so viel Abstand, dass der Stoff meiner Jogginghose locker fiel und das Profil des Käfigs nicht unnötig betonte.

Loona wählte nicht die Couch. Sie setzte sich auf den cognacfarbenen Ledersessel schräg gegenüber, zog die nackten Beine an und schlang die Arme locker um ihre Knie. Der Saum ihrer dünnen Sweat-Shorts rutschte dabei weit an ihren Oberschenkeln hinauf, und der lockere Ausschnitt des weißen Tanktops gab bei jeder kleinen Bewegung den Blick auf den oberen Ansatz ihrer Brüste frei.

Timos Augen hingen förmlich an ihr. Er lehnte sich vor, stützte die Ellbogen auf die Knie und grinste schief. „Fang du doch an, Loona. Du siehst aus, als könntest du einen kräftigen Schluck vertragen, bevor der Abend richtig Fahrt aufnimmt.“

„Glaubst du?“, erwiderte Loona mit einer samtigen, kühlen Ruhe. Ihre grünen Augen fixierten Timo für zwei, drei Sekunden, genau lange genug, um sein Grinsen breiter und siegessicherer werden zu lassen. Dann glitt ihr Blick ganz beiläufig weiter – zu mir.

„John, mix mir einen Gin Basil Smash“, befahl sie leise, doch der Tonfall war warm, beinahe ein intimes Angebot. „Du weißt genau, wie viel Süße ich brauche, damit es nicht zu bitter wird.“

„Klar“, brachte ich heiser hervor.

Ich beugte mich über den Tisch, nahm den Mörser, zerdrückte die frischen Minzblätter und Limettenstücke. Meine Finger zitterten minimal, als ich den Gin abmaß und das zerstoßene Eis in die Kristallgläser füllte.

Direkt neben mir lehnte sich Nadja leicht vor, um mir zuzusehen. Ihre Schulter berührte dabei beinahe die meine. Sie stützte das Kinn auf die Handfläche und beobachtete meine Hände mit einer Aufmerksamkeit, die viel zu analytisch war für ein simples Getränkemixen.

„Du machst das aber verdammt routiniert“, murmelte Nadja leise, und in ihrer Stimme lag ein feiner, amüsierter Spott, der nur für meine Ohren bestimmt war. „Man merkt sofort, wer in dieser Wohnung gelernt hat, genau hinzuhören und Wünsche zu erfüllen.“

Mir schoss heißes Blut in die Wangen. Ich spürte ihren Blick wie einen Brennspiegel auf meinem Profil, während ich krampfhaft versuchte, mir nichts anmerken zu lassen. Wusste sie…? Der Gedanke zerschnitt meine Gedanken, doch ich durfte nicht zucken.

„Er ist eben ein aufmerksamer Mitbewohner“, warf Timo dazwischen, griff nach seinem vollen Glas, stieß mit Nadja an und nahm einen tiefen Schluck. „Manchmal fast zu brav. Aber hey, solange die Drinks stimmen, will ich mich nicht beschweren.“

Timo lachte laut auf, vollkommen blind für die unsichtbaren Drähte, die sich kreuz und quer durch den Raum spannten.

Ich stand auf, trat um den Tisch herum und reichte Loona ihr Glas. Als sie danach griff, berührten ihre kalten Fingerspitzen meinen Handrücken. Sie ließ die Berührung stehen, hielt das Glas fest, sah mir tief in die Augen und zog mich mit einem winzigen, herrischen Ruck ein paar Millimeter näher an ihren Sessel.

Ihr Fuß glitt unter dem Sessel hervor. Ihre nackten Zehen fanden mein Schienbein, strichen langsam, quälend bedächtig am Stoff meiner Hose nach oben und drückten für einen Wimpernschlag gegen die Wölbung des Edelstahls. Das Silikon fing den Druck sanft ab, doch der geheime Kontakt vor den Augen der beiden auf dem Sofa ließ mir schlagartig den Atem stocken.

„Perfekt gemixt, John“, flüsterte Loona leise, trank einen Schluck, ohne den Blick von mir abzuwenden, und ließ ihren Fuß wieder sinken. „Setz dich wieder. Wir fangen gerade erst an.“

„Genug getrunken auf nüchternen Magen“, sagte Loona schließlich, stellte ihr halbleeres Glas ab und strich sich die Haare zurück. „Wenn wir nicht verhungern wollen, müssen wir langsam mal anfangen. Pasta mit frischen Kräutern und geschmorten Tomaten.“

„Ich bin raus beim Kochen, ihr kennt mein Talent“, winkte Timo sofort lachend ab, griff nach seiner Bierflasche und streckte die Beine lang aus. „Ich mach die Playlist und beaufsichtige das Ganze von hier aus.“

„Besser ist das“, erwiderte Nadja schmunzelnd, sprang vom Sofa auf und sah mich an. „Komm, John, wir zwei übernehmen das Schneiden. Die Männerarbeit überlassen wir mal den Profis.“

Ich erhob mich zögernd. Der Edelstahl saß dank des Silikons ruhig unter der Jogginghose, doch das ständige Bewusstsein der Barriere ließ jeden Schritt bedächtig wirken.

In der geräumigen Küche wurde es schnell warm und eng. Der Duft von angebratenem Knoblauch und Olivenöl erfüllte den Raum, während aus dem Wohnzimmer Timos laute Indie-Rock-Playlist herüberdröhnte.

Nadja stellte sich direkt neben mich an das große Holzbrett, schob die Ärmel ihres feinen Seidentops hoch und reichte mir ein scharfes Messer. „Hier, du machst die Kirschtomaten, ich übernehme die Frühlingszwiebeln.“

Ihre Schulter streifte meine. Sie wirkte völlig unbefangen, plauderte über ihren anstrengenden Agenturalltag und lachte leise, wenn ein Schnitt danebenging. Mehrmals legte sie ganz selbstverständlich eine Hand auf meinen Unterarm, um nach einer Zutat zu greifen. Für mich fühlte es sich an wie ein warmes Bad nach Tagen eisiger Isolation: Nadja sah mich nicht als gebrochenen Spielball, sondern als ganz normalen, sympathischen Typen. Die Angst, sie könnte merken, was unter meinem Bund vor sich ging, schmolz mit jeder Minute ein Stück weiter dahin.

Am Herd stand Loona. Ihr weißes Rippstrick-Tanktop zeichnete jede Bewegung ihres Körpers nach, während sie mit einem Holzlöffel die Soße umrührte.

Plötzlich schlurfte Timo herein. Er lehnte sich nicht an den Tresen – er trat direkt hinter Loona.

Ohne zu zögern legte er beide Hände auf ihre bloßen Hüften, schob sich dicht an ihren Rücken und beugte sich vor, um an der Soße zu riechen. Seine Finger gruben sich spürbar in das weiche Gewebe ihrer Shorts.

„Riecht verdammt gut“, raunte er heiser an ihrem Hals entlang. „Könnte mich glatt dran gewöhnen.“

Mein Messer verharrte mitten in einer Tomate. Mein Atem stockte. Das Bild brannte sich mit schneidender Schärfe in meine Netzhaut – Timo, wie er ganz selbstverständlich Besitzansprüche anmeldete, seine Hände an Stellen, die mir seit Tagen verwehrt waren. Unter meiner Hose spannte sich der Stahl augenblicklich an; das Fleisch bäumte sich stumm auf und drückte gegen das weiche Silikon.

Loona wich nicht zurück. Sie lachte leise auf, ließ die Berührung für drei endlose Herzschläge zu, drehte sich dann aber mit einer geschmeidigen Drehung aus seinem Griff und stieß ihn sanft mit der Hüfte beiseite.

„Finger weg von den Töpfen, Timo“, sagte sie mit einem Tonfall, der wie eine spielerische Zurechtweisung klang, in Wahrheit aber eine glasklare Grenze zog. „Sonst gibt’s für dich nachher nur kaltes Brot.“

Timo hob grinsend die Hände, trat einen Schritt zurück und schlenderte mit einem triumphierenden Blick zurück ins Wohnzimmer, überzeugt davon, dass die Beute schon so gut wie erlegt war.

Kaum war er außer Sichtweite, wandte sich Loona um.

Sie sah nicht zu Nadja. Ihr Blick traf direkt mich. Sie bemerkte meine starre Haltung, das Messer in meiner krampfenden Hand und die verräterische Wölbung unter dem Stoff meiner Jogginghose. Doch in ihren grünen Augen lag kein Hohn. Es war derselbe tiefe, warme Ernst wie am Morgen.

Sie trat die zwei Schritte an das Schneidebrett heran, legte ihre Hand ganz ruhig auf meinen Handrücken und löste sanft meine verkrampften Finger vom Messergriff.

„Atme durch, John“, flüsterte sie, so leise, dass es in Timos Musik unterging. Ihre Fingerkuppen strichen beruhigend über meine Knöchel. „Alles ist gut. Du machst das perfekt.“

Neben mir tat Nadja so, als sei sie vollkommen in das Zerkleinern der Zwiebeln vertieft, doch ein kaum merkliches Schmunzeln lag auf ihren Lippen.

„Ich… mir geht’s gut“, stieß ich mit belegter Stimme hervor.

Loona nickte mir ermutigend zu, strich kurz über meinen Nacken und wandte sich wieder dem Herd zu. „Das Essen ist in fünf Minuten fertig. Hol schon mal die tiefen Teller aus dem Schrank, John.“

Ich holte tief Luft. Der Käfig pulsierte heiß gegen meine Haut, doch das Gefühl, von Loona beschützt und gehalten zu werden, überwog die Demütigung um Längen. Sie hielt ihr Wort. Und das machte mich bereiter denn je, das Spiel bis zum bitteren Ende durchzustehen.

„Genug gegessen, jetzt wird getrunken“, verkündete Timo lautstark, ließ sich schwer auf die Mitte der Couch fallen und klopfte auffordernd mit beiden Handflächen auf die Polster links und rechts von sich. „Klassiker zum Warmwerden: Ich hab noch nie. Wer gelogen hat oder es getan hat, trinkt einen Schluck. Und keine Weichspüler-Fragen.“

Nadja lachte auf, setzte sich mit angewinkelten Beinen an das linke Ende der Couch und griff nach ihrem Glas. „Na, da bin ich mal gespannt, wie tief deine Abgründe wirklich sind, Timo.“

Ich setzte mich zögernd auf die andere Seite neben Nadja, bemüht, den Stoff meiner Jogginghose locker über den Knien zu halten. Der Edelstahl lag kühl, aber stetig pulsierend an meinem Fleisch; das Silikon fing den Druck zuverlässig ab, doch die bloße Enge hielt meine Nerven unter Strom.

Loona wählte diesmal nicht den Sessel.

Sie schlenderte mit einem dünnen, lauernden Lächeln herüber und ließ sich direkt neben Timo nieder. Nicht mit Abstand – ihre nackte Schulter berührte seinen Arm, und der Saum ihrer winzigen Shorts rutschte auf dem Polster so weit nach oben, dass die bloße Haut ihres Oberschenkels an Timos verwaschener Jeans rieb.

Timos Augen funkelten siegessicher auf. Er legte wie selbstverständlich einen Arm über die Rückenlehne direkt hinter Loonas Kopf, die Finger nur Zentimeter von ihren dunklen Haaren entfernt.

„Ich fang an“, grinste Timo und stieß mit seinem Glas an. „Ich hab noch nie… mit jemandem geschlafen, der im selben Raum war, während andere geschlafen haben.“

Timo trank sofort einen großen Schluck, grinste dreckig und sah auffordernd in die Runde.

Nadja verdrehte schmunzelnd die Augen und trank ebenfalls.

Loona hob ihr Glas, nippte mit vollkommener Ruhe daran und sah über den Rand hinweg nicht zu Timo, sondern direkt zu mir. Ihre grünen Augen blitzten im Halbdunkel. Sie wusste ganz genau, wie oft ich nachts wachgelegen und gelauscht hatte, während mein Körper in Fesseln lag.

Ich setzte mein Glas an und trank. Der Alkohol brannte scharf in meiner Kehle.

„Sieh an, John“, frotzelte Timo rau und boxte mir grinsend gegen die Schulter. „Stille Wasser sind tief, was?“

„Jetzt bin ich dran“, unterbrach Nadja mit unschuldigem Tonfall, drehte ihr Glas zwischen den gepflegten Fingern und blickte scheinbar ziellos in die Runde. „Ich hab noch nie… ein Geheimnis vor einer Person gehabt, die genau in diesem Moment direkt neben mir sitzt.“

Eine lautlose Spannung kroch über den Tisch.

Nadja trank. Loona trank, ohne mit der Wimper zu zucken.

Ich starrte auf mein Glas. Neben mir saß Nadja – eine Frau, vor der ich mein gesamtes Doppelleben, meine Scham und das Schloss unter meiner Hose verbarg. Mein Herz raste, als ich das Glas an die Lippen setzte und einen tiefen Schluck nahm.

„Oha, lauter Heimlichtuer hier“, lachte Timo laut, trank ebenfalls und rutschte noch ein Stück näher an Loona heran. Seine freie Hand wanderte ganz beiläufig auf ihren nackten Oberschenkel, die Finger strichen über die weiche Haut dicht am Saum der Shorts. „Aber manche Geheimnisse machen die Sache ja erst interessant.“

Mein Kiefer verkrampfte sich. Das Fleisch unter dem Silikon bäumte sich mit schneidender Wucht auf, das Gehäuse spannte sich spürbar an. Timos Pranke auf ihrer Haut zu sehen – während ich mit jedem Schluck Alkohol wehrloser wurde –, trieb mir die Hitze in die Schläfen.

Loona ließ Timos Hand dort liegen. Sie zuckte nicht zurück, doch sie wandte den Kopf langsam zu ihm. Ihr Lächeln war honigsüß, die Augen gefährlich schmal.

„Meine Runde“, flüsterte Loona. Ihre Stimme schnitt weich durch die Musik im Raum. „Ich hab noch nie… die Kontrolle komplett an jemanden abgegeben, der mir genau vorschreibt, wann, wie und mit wem ich komme.“

Totenstille.

Timo stutzte kurz, lachte dann jedoch rau und überheblich auf. „Pff, ich gebe doch nicht die Zügel ab. Niemals. Ich bestimme, wo’s langgeht.“ Er ließ sein Glas unberührt auf dem Tisch stehen.

Nadja lächelte fein, nippte genüsslich an ihrem Drink und sah kurz zur Zimmerdecke.

Loona hob ihr Glas – und führte es betont langsam an ihre roten Lippen. Sie trank. Ein kleiner Tropfen blieb an ihrem Mundwinkel haften.

Dann traf ihr Blick mich. Es war kein beiläufiger Blick. Es war ein herrischer, unnachgiebiger Befehl, der mich durch den Tisch hindurch fixierte.

Mit zitternden Fingern hob ich mein Glas. Meine Kehle war trocken wie Sandpapier, während ich den Gin hinunterstürzte. Der Käfig pulsierte heiß gegen meine Knochen. Jeder Nerv in mir schrie auf unter der perversen Wahrheit dieses Moments: Timo hielt sich für den Herrscher der Runde, während Loona und ich unser tiefstes, verruchtestes Spiel direkt vor seinen blinden Augen zelebrierten.

Timo schien die Doppelbödigkeit völlig zu entgehen; der Alkohol und Loonas nackte Haut hatten sein Urteilsvermögen längst vernebelt. Er drehte sich vollends zu ihr, zog seine Hand höher an ihren Oberschenkel und beugte sich so nah an ihr Gesicht, dass sein Atem ihre Wange streifte.

„Du redest verdammt viel über Kontrolle, Loona“, murmelte er heiser, sein Blick glitt gierig über ihre Lippen hinab zu den deutlich sichtbaren Spitzen unter dem weißen Tanktop. „Wollen wir mal sehen, wer von uns beiden die Oberhand behält?“

Loona wich nicht aus. Ein schmales, zügelloses Funkeln trat in ihre grünen Augen.

Sie legte ihre Hand ganz langsam auf Timos Brust, genau über sein schlagendes Herz, und schob ihn mit sanftem, aber unmissverständlichem Druck einen Zentimeter zurück.

„Nicht hier im Wohnzimmer, Timo“, raunte sie leise, doch der Tonfall war so verheißungsvoll, dass Timos Augen förmlich aufleuchteten.

Dann glitt ihr Blick über seine Schulter hinweg – direkt in meine weit aufgerissenen Augen.

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