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Einsatz in der Mitte der Woche

Chapter 3 by rallebonn

Ich sagte meinem Chef schließlich zu. Noch am selben Abend machte ich mich wieder auf den Weg zum Club.

Schon als ich eintrat, bemerkte ich, dass etwas anders war. Mein Chef wirkte nervöser als sonst. Er lief hinter der Theke auf und ab, sah immer wieder zur Tür und sprach leiser, als wolle er nicht, dass jemand mithörte. Schließlich bat er mich ins Hinterzimmer. Dort erklärte er mir, dass an diesem Abend keine gewöhnliche Wochenendveranstaltung stattfinden würde, sondern eine geschlossene Feier. Dann räusperte er sich und sagte vorsichtig, ich solle heute „etwas offener“ auftreten.

Zuerst verstand ich nicht, was er damit meinte. Erst als er mir die Kleidung reichte, wurde mir unbehaglich. „Zieh das bitte an“, sagte er und stellte ein Paar hohe Schuhe daneben. Ich sah auf das Kleidungsstück in meinen Händen, dann wieder zu ihm. Es war deutlich auffälliger als alles, was ich bisher im Club getragen hatte. Für einen Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte. In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken: War das wirklich noch normale Arbeit hinter der Theke? Oder hatte sich gerade etwas verändert, ohne dass ich gefragt worden war?

Der Chef schluckte nervös und senkte die Stimme. „Unter der Woche ist es hier manchmal etwas besonderer“, sagte er, als müsse er jedes Wort vorsichtig abwägen. „Ich weiß, dass du so eine Veranstaltung noch nie mitgemacht hast. Eigentlich hätte ich dich auch nicht gefragt, aber mir sind heute drei Mitarbeiterinnen ausgefallen. Wenn du einspringst, zahle ich dir das Dreifache.“

Ich spürte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg. Für einen Moment brachte ich kein Wort heraus. Mein Blick wanderte von den Schuhen zu der auffälligen Kleidung und dann wieder zu ihm. „Ich weiß nicht, ob ich das kann“, sagte ich schließlich. Meine Stimme klang leiser, als ich es beabsichtigt hatte. Gleichzeitig ließ mich der Gedanke an die Bezahlung nicht los. Drei Abende für einen einzigen Dienst – so fühlte es sich zumindest an. Das Geld könnte mir helfen, die nächsten Wochen ruhiger zu überstehen.

Der Chef bemerkte mein Zögern. „Du musst nichts tun, was du nicht möchtest“, sagte er hastig. „Es geht vor allem darum, dass jemand zuverlässig an der Theke steht und freundlich bleibt. Wenn dir etwas zu viel wird, sagst du mir sofort Bescheid.“ Seine Worte sollten beruhigend klingen, doch sie machten die Sache nicht einfacher. Ich hörte nur die Unsicherheit darin – seine und meine eigene.

Ich trat einen Schritt zurück und atmete tief durch. Noch vor wenigen Stunden hatte ich in der Mensa gesessen und versucht, mich auf Zellgewebe und Prüfungstermine zu konzentrieren. Jetzt stand ich in einem Hinterzimmer, hielt fremde Kleidung in den Händen und musste entscheiden, wie weit ich bereit war zu gehen, um mir dieses Leben in Berlin leisten zu können. Es war nicht nur eine Frage des Geldes. Es war auch die Frage, ob ich mich selbst dabei aus den Augen verlieren würde.

Schließlich legte ich die Kleidung vorsichtig über einen Stuhl. „Ich mache den Abend“, sagte ich langsam, „aber nur an der Theke. Und wenn mir etwas unangenehm wird, gehe ich.“ Der Chef nickte sofort, beinahe zu schnell. Vielleicht war er erleichtert. Vielleicht hatte er auch einfach keine andere Wahl. Ich wusste nur, dass ich eine Grenze gezogen hatte – und dass ich sie ernst nehmen musste.

Als ich später wieder in den Gastraum trat, schien die Musik lauter zu sein als sonst. Die Lichter waren gedimmt, auf den Tischen standen bereits Gläser, und hinter der Tür hörte ich die ersten Stimmen der Gäste. Cora war nicht da. Zum ersten Mal seit Wochen musste ich ohne ihren ruhigen Blick auskommen. Ich stellte mich hinter die Theke, strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und zwang mich, nicht auf die Uhr zu sehen. Der Abend hatte gerade erst begonnen.

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