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Jobsuche

Chapter 2 by rallebonn

Also hörte ich mich um. Zuerst fragte ich im Supermarkt und bei mehreren Imbissen nach, doch überall bekam ich dieselbe Antwort: Man sei bereits ausreichend mit Aushilfen versorgt. Etwas enttäuscht saß ich am Samstagabend in der Kneipe nebenan, starrte in mein Glas und dachte: Kellnern müsste doch eigentlich auch gehen. Beim Dorffest zu Hause hatte ich schließlich schon öfter mit angepackt. Also nahm ich meinen Mut zusammen und fragte den Wirt einfach direkt.

Er selbst hatte keinen Bedarf, meinte aber, ein Kumpel von ihm suche immer wieder Aushilfen. Der Haken: Der Laden lag nicht in Prenzlauer Berg, sondern in Kreuzberg. Einen Moment zögerte ich. Kreuzberg klang für mich weit weg und fremd. Dann zuckte ich innerlich mit den Schultern. Was soll's, dachte ich. Ich hatte schließlich ein Ticket für den ÖPNV. Also ließ ich mir den Kontakt geben.

Am nächsten Tag, direkt nach der Uni, rief ich dort an. Am anderen Ende meldete sich der Chef des Ladens. Er klang freundlich, aber auch ziemlich geschäftig. „Klar, ich suche immer mal wieder Leute“, sagte er. „Komm doch einfach vorbei und stell dich vor.“ Dann gab er mir die Adresse und bat mich, am Freitagmittag um 14 Uhr vorbeizuschauen.

Ich freute mich riesig. Am Freitag machte ich mich rechtzeitig auf den Weg. Schon als ich in Kreuzberg ausstieg, merkte ich, dass dieser Stadtteil ganz anders war als das, was ich bisher kannte. Die Straßen wirkten lauter, bunter und rauer. Zwischen Bars, Kneipen und kleinen Läden sah ich Dinge, die mir in meiner Heimatstadt nie begegnet waren. Kurz wurde ich unsicher, doch dann erinnerte ich mich daran, warum ich hier war: Ich wollte arbeiten. Mehr nicht.

Ich sagte ihm, dass ich mir das zutrauen würde. Natürlich war ich aufgeregt, aber genau das wollte ich mir nicht anmerken lassen. Der Chef musterte mich kurz, nickte dann und sagte: „Na gut. Dann bleib heute Abend hier und zeig, was du kannst.“ Einen Augenblick lang war ich überrascht. So schnell hatte ich nicht damit gerechnet. Trotzdem sagte ich zu.

Danach fragte er nach meiner Kleidergröße. „Komm mal mit“, sagte er und führte mich in einen kleinen Raum hinter der Theke. Dort reichte er mir eine schwarze Leggings und ein schwarzes Shirt. Nur passende Schuhe hatte er nicht da. Wenn daraus etwas Festes würde, meinte er, sollte ich mir später selbst schwarze Schuhe besorgen. Ich nahm die Kleidung entgegen und spürte plötzlich, wie ernst die Sache wurde. Aus der spontanen Jobsuche war auf einmal ein richtiger erster Arbeitstag geworden.

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