What's next?
Besuch
Der Akkuschrauber lag schwer in meiner Hand, das feine Sirren des Motors hallte von den hohen Wänden wider.
Der weiße Kunststoff der ersten Kamera saß fest über dem Sturz der Flurtür. Schweiß rann mir von den Schläfen und sammelte sich am Rand meiner Brille, während der feste Denim der dunklen Jeans bei jeder Streckung scheuerte. Das Harz drückte erbarmungslos gegen mein Schambein. Draußen auf dem Balkon klangen gedämpfte Stimmen herüber – Nadjas perlendes, unbeschwertes Lachen, gefolgt von Loonas dunklem, melodischem Tonfall. Sie tranken Weißwein in der warmen Spätnachmittagssonne, während ich stumm an meinem eigenen Käfig baute.
„John, bringst du uns bitte noch ein paar Eiswürfel und die Karaffe raus?“, rief Loona durch die offene Balkontür.
Ich kletterte von der Trittleiter, stellte das Werkzeug ab und holte die Schale aus dem Gefrierfach. Jeder Schritt erinnerte mich an das Schloss, das starr unter dem Stoff saß. Mit der gläsernen Karaffe in beiden Händen trat ich hinaus auf den kleinen, schmiedeeisernen Balkon.
Die Szene wirkte auf den ersten Blick vollkommen idyllisch. Die Sonne tauchte die gegenüberliegende Fassade des Schöneberger Altbaus in goldenes Licht. An mehreren Fenstern drüben waren die Vorhänge zurückgezogen; ein Mann goß seine Blumen, zwei Stockwerke tiefer saß eine ältere Frau am Fensterbrett.
Nadja saß mit angewinkelten Beinen auf einem der Korbstühle, das fliederfarbene Kleid hochgerutscht, sodass ihre schlanken, makellosen Oberschenkel frei lagen. Sie schenkte mir sofort ihr entwaffnendes Lächeln.
„Danke dir, John“, sagte sie sanft und nahm die Karaffe entgegen. „Du schwitzt ja ganz schön. Bist du bald durch mit der Arbeit?“
„Fast“, brachte ich hervor und hielt die Hände unwillkürlich vor meine Leiste, um den Bund zu verdecken.
„Ich muss mir nur ganz kurz die Hände waschen“, meinte Nadja, stand auf und strich ihr Kleid glatt. Sie lächelte mir noch einmal im Vorbeigehen zu, streifte kurz meinen Ellbogen und verschwand durch die Flügeltür in Richtung Flur.
Kaum war die Badezimmertür im Inneren der Wohnung mit einem leisen Klicken ins Schloss gefallen, änderte sich die Luft auf dem Balkon schlagartig.
Loona drehte den Kopf nicht um. Sie saß mit übergeschlagenen Beinen auf der Bank, eine feine Zigarette zwischen den Fingern, und blies den Rauch langsam in den Sommerhimmel. An ihren Füßen trug sie schmale, spitze Mules mit kleinen Absätzen, die das Licht reflektierten.
„Auf die Knie. Sofort“, kam der Befehl mit eisiger Präzision.
Mein Herz tat einen panischen Schlag. „Loona, hier draußen? Die Leute drüben…“
„Drei Sekunden, John“, zischte sie, ohne die Stimme zu heben, ihre grünen Augen blitzten kalt zu mir herüber. „Eins.“
Die pure Panik vor einer noch schlimmeren Konsequenz ließ mich handeln. Ich sank auf den rauen, sonnenerwärmten Steinboden des Balkons. Meine Hände krallten sich in die Oberschenkel. Der Blick aus den gegenüberliegenden Altbaufenstern lag genau auf uns; jeder, der drüben zur Scheibe trat, konnte mich hier am Boden zu ihren Füßen kauern sehen.
„Statusbericht“, forderte sie leise und stieß eine Rauchfahne aus.
„Die erste… die erste Kamera im Flur sitzt“, keuchte ich, die Kehle trocken wie Sand. „Die im Wohnzimmer mache ich als Nächstes.“
„Zu langsam.“
Noch ehe ich reagieren konnte, streckte sie ihr Bein aus. Die harte, schmale Spitze ihres Mules schob sich zielsicher zwischen meine Knie, bohrte sich durch den festen Denim der Jeans und drückte punktgenau von oben auf das starre Harzgehäuse.
Ein erstickter Laut entwich meiner Kehle. Der spitze Absatz trieb den hinteren Ring mit voller Wucht in mein Schambein. Die Schärfe des Schmerzes ließ mich vornüberzucken, die Stirn fast bis auf den Steinboden gebeugt.
„Nicht bewegen“, hauchte Loona kühl von oben herab. Ihr Fuß übte stetigen, gnadenlosen Druck aus. „Sieh dir die Fenster drüben an. Merk dir ganz genau, was du bist. Glaub bloß nicht, dass Nadjas süßes Gerede etwas an deiner Rolle ändert. Sie ist mein Gast. Du bist mein Diener.“
Unter dem Stoff pulsierte die gepeinigte Hitze. Der Absatz grub sich tiefer ein, während das dumpfe Klacken der Wasserrohre aus der Wohnung verriet, dass das Waschbecken abgedreht wurde.
Sie kommt zurück. Jeden Moment.
„Bitte…“, keuchte ich leise, das Gesicht verzerrt, den Blick starr auf die Nachbarfassade gerichtet, wo der Schatten eines Mannes hinter einer Gardine stand.
Drinnen im Flur ertönten leichte Schritte auf den Dielen.
Im allerletzten Moment zog Loona den Fuß zurück, schlug das Bein wieder elegant über das andere und tippte die Asche beiläufig in die Schale.
„Steh auf“, zischte sie.
Ich riss mich hoch, die Zähne zusammengebissen gegen den stechenden Druck im Schritt, und packte das Tablett, genau in der Sekunde, als Nadja wieder durch die Flügeltür auf den Balkon trat, sich die Hände mit einem Papiertuch trocknend.
„So, da bin ich wieder“, sagte Nadja fröhlich, sah von Loona zu mir und hielt kurz inne. Ihr Blick glitt über meine geröteten Wangen, die Schweißperlen auf meiner Stirn und meine unnatürlich steife Haltung. Ein feines, nachdenkliches Lächeln umspielte ihre Lippen. „Alles in Ordnung bei euch? Du siehst so blass aus, John.“
„Alles… bestens“, presste ich hervor, die Stimme brüchig. „Ich… montiere die zweite Kamera.“
„Mach dir keinen Stress“, sagte sie mit dieser warmen, fast zärtlichen Melodie, während hinter ihr Loonas Blick wie ein Raubtier auf mir ruhte.
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