What's next?
Der Freifahrtschein
Sie saß im Sessel, ein Bein lässig über das andere geschlagen, und strich mit der Fußspitze so lange über meine Unterlippe, bis ich den Mund von selbst öffnete. Loona schob die Zehen hinein, langsam, unmissverständlich, und ließ sie dort liegen, als gehöre dieser Platz ihr genauso selbstverständlich wie der Rest von mir. Ich schloss die Lippen um sie, saugte den warmen, glatten Geschmack ihrer Haut, während der Harzzylinder nach vierzehn Tagen unerbittlicher Enge bei jeder unwillkürlichen Regung gegen mein Fleisch stieß und das Verlangen in dumpfen, pochenden Druck verwandelte.
„Erzähl“, sagte sie ruhig, fast beiläufig, und bewegte den Fuß nur so weit, dass ich um ihn herum sprechen musste. „Wie hat es sich angefühlt, als ich mit Timo geflirtet habe? Als er sein Shirt ausgezogen hat, als ich über seine Witze gelacht habe… und du daneben standest, schwer an den Kisten geschleppt hast und nichts durftest außer stumm zuzusehen?“
Mein Hals war wie zugeschnürt. Hinter meinen Brillengläsern brannten die Augen, während die Hitze unbarmherzig in meine Wangen schoss.
„Es… war die Hölle“, presste ich mühsam hervor.
Die Worte kamen nass und zerdrückt gegen ihre Zehen. Es hatte sich angefühlt, als würde sie mich aus dem Bild radieren: sein Lachen, ihr Lachen, ihre Finger an seinem Arm, diese mühelose Nähe, die mir seit Monaten verweigert war. Ich hatte dagestanden mit dem Käfig, der bei jedem ihrer Blicke enger wurde, und hatte gedacht, genau so sieht jemand aus, dem sie geben würde, was ich nicht einmal laut verlangen durfte. Eifersucht und Erregung waren ununterscheidbar gewesen, eine einzige, schamvolle Hitze, die nirgendwohin konnte.
Es hatte mich klein gemacht. Hart. Hilflos. Ich hatte gehasst, wie selbstverständlich Timo die Welt zufiel, und noch mehr gehasst, dass genau dieser Hass meinen Körper gegen die starren Wände des Harzes trieb. Als hätte sie ihn extra vor mir ausgepackt, nicht um ihn zu haben, sondern um mir zu zeigen, was ich nicht war.
„Die Hölle?“, wiederholte sie leise und neigte leicht den Kopf. „Lüg mich nicht an. Ich habe genau gesehen, wie dein Atem ging. Wie dieser kleine Käfig unter deiner Hose gespannt hat. Es hat dich zerrissen – und genau das hat dich erregt, nicht wahr? Zu wissen, dass er alles haben könnte, worum du auf Knien betteln musst.“
Ich schluckte trocken, unfähig, ihrem Blick auszuweichen. „Ja… Loona.“
„Braver Junge“, raunte sie, und der Druck ihres Fußes verstärkte sich sanft, aber unerbittlich. „Gewöhn dich besser daran. Denn das war erst der Anfang.“
Sie zog den Fuß zurück, wischte ihn beiläufig an meiner Wange ab und nahm das schwarze Seidentuch von der Lehne. Ich zögerte keine Sekunde. Ich nahm ihr den Stoff aus den Fingern, legte die kühle Seide über meine Augen und knotete sie am Hinterkopf fest.
Die Schwärze schluckte den abgedunkelten Raum mit einem Schlag, und im selben Moment schärften sich alle anderen Sinne bis zur Schmerzgrenze. Das leise Rascheln von Stoff verriet mir, dass sie die Beine öffnete.
„Komm näher“, raunte sie in die Dunkelheit. „Sprich es aus, John. Hör auf, dich hinter deinen Ausflüchten zu verstecken. Gib es zu. Gib zu, dass du dir schon längst vorgestellt hast, wie er dichter an mich herantritt. Wie Timo seine Hände auf meine Hüften legt. Wie er mich auf dieses Sofa drückt und mit mir schläft, während du stumm in der Ecke kauerst.“
Ich tastete mich vor, immer noch auf den Knien, bis meine Stirn die Wärme ihrer Oberschenkel streifte. Meine Hände fanden den elastischen Bund ihrer Stoffhose und schoben ihn nur so weit nach unten, wie sie es zuließ. Bei jeder Bewegung bohrte sich der Käfig unbarmherzig durch den festen Denim in die Leiste. Die starre Hülle schnürte mich gnadenlos ein, verweigerte die winzigste Schwellung und jagte pulsierende Hitzewellen durchs Becken. Ich war versiegelt. Ich konnte mir nichts nehmen. Ich durfte nur geben – und ich durfte sie nicht sehen.
Als meine Lippen die feuchte, brennend heiße Haut zwischen ihren Schenkeln berührten, entfuhr Loona ein langes, zitterndes Keuchen. Ihre Finger fuhren augenblicklich in mein Haar, krallten sich mit brutaler Bestimmtheit in die Strähnen und rissen mein Gesicht noch tiefer gegen sich.
„Du willst es doch“, flüsterte sie mit samtener Härte. „Tief in dir drin willst du genau das. Du willst, dass er sich nimmt, was dir für immer verwehrt bleibt. Und du wirst dafür sorgen, dass es passiert. Du wirst ihn ermutigen, John. Du wirst ihn anstacheln. Du wirst dafür sorgen, dass er sich vollkommen sicher fühlt – als wäre es deine Idee gewesen, deine eigene, erbärmliche Einladung.“
Bei jedem Satz zuckte mein eingesperrtes Glied hilflos im Zylinder, schmerzhaft überreizt und zur absoluten Reglosigkeit verdammt. Die Vorstellung seiner Hände dort, wo meine nur lecken durften, mischte sich mit dem Gedanken an den Schlüssel zu einem einzigen, bittersüßen Rausch. Diese totale Ausweglosigkeit trieb mich nur noch tiefer hinein. Ich wollte nirgendwo anders sein als hier.
Ich verlor mich vollständig darin. Ohne Augenlicht existierte nichts außer dem Geschmack ihres Körpers auf meiner Zunge, dem unruhigen Aufbäumen ihres Beckens und dem unerbittlichen Rhythmus, den ihre Faust an meinem Hinterkopf diktierte.
Ihre Schenkel begannen unkontrolliert zu zittern. Der Griff in meinen Haaren wurde schneidend fest.
„John… genau da… wag es nicht aufzuhören…“
Ihr Becken ruckte hart nach vorn, ein heftiger Krampf riss durch ihre Muskeln, und sie entlud sich mit einem erstickten Laut direkt gegen meine Lippen. Ich hielt sie, trank jeden Schauder in mich auf, während sie mir die Beine fest um den Kopf presste.
Erst als ihr Atem sich wieder gefangen hatte, hob sie sich. Das leise Rascheln verriet, dass sie den Bund glattstrich, lange bevor ihre Finger das Tuch von meinen Augen zogen.
Die Worte hingen danach wie schwerer Rauch im abgedunkelten Wohnzimmer. Ich kniete wieder dort, wo sie mich haben wollte: Knie taub auf dem Holz, Hände auf den Oberschenkeln, der Blick zu ihr hoch. Das gedämpfte Licht der Straßenlaternen fiel durch die Fenster und lag auf ihrem Gesicht.
Sie griff unter mein Kinn, zwang meinen Blick fest, und ihre Kuppe strich langsam die Kieferlinie hinab, über die Halsschlagader, die wild gegen ihre Haut hämmerte, bis sie den Kragen meines T-Shirts erreichte.
„Ich… ich mache es“, presste ich hervor. „Ich sage es ihm.“
Ein feines, unerbittliches Lächeln glitt über Loonas Lippen. Sie zog die Finger nicht zurück.
„Braver Junge“, flüsterte sie, und die Wärme ihrer Stimme stand in absolutem Widerspruch zu der Grausamkeit ihrer Augen. „Du weißt eben doch, wo dein Platz ist.“
Mit einer langsamen, fast beiläufigen Bewegung griff sie in die kleine Vordertasche ihrer Stoffhose. Das feine, helle Klimpern von Metall hallte durch den leeren Raum. Vor meinen geweiteten Augen zog sie den kleinen, glänzenden Zylinderschlüssel hervor, an dem ein schmales, schwarzes Lederband hing.
Sie ließ ihn vor meinem Gesicht baumeln.
Mein Atem setzte aus. Der Schlüssel hing keine zehn Zentimeter von meiner Nase entfernt und drehte sich träge im Licht. Vierzehn Tage purer Entzug, vierzehn Tage stumpfes Pochen im Harzgehäuse – gebündelt in einem winzigen Stück Messing, das über meine gesamte Existenz entschied.
Instinktiv hob ich die Hand, ein zuckender Reflex puren Verlangens, doch noch ehe meine Finger das Metall berühren konnten, schnappte ihre Hand zu.
Sie schloss die Faust um den Schlüssel und schlug mir mit der flachen Rückseite ihrer Finger hart gegen die Wange. Nicht mit voller Kraft, aber mit einer schallenden, erniedrigenden Schärfe, die meinen Kopf zur Seite riss.
„Pfoten weg“, zischte sie eiskalt.
Die Wange brannte heiß. Ich presste die Hände sofort wieder auf die Oberschenkel, den Kopf gesenkt, die Zähne fest zusammengebissen.
„Du fasst ihn erst an, wenn ich es dir erlaube. Und du weißt ganz genau, was der Preis dafür ist.“ Sie beugte sich weiter vor, ihr Atem strich warm an meinem Ohr vorbei. „Morgen, wenn Timo hier sitzt. Du wirst ihm zusehen, wie er lacht, wie er sich aufplustert, wie er glaubt, er hätte hier die Fäden in der Hand. Und du wirst ihm die Tür öffnen, John. Du wirst ihm sagen, dass es für dich völlig in Ordnung ist. Du wirst ihm sogar Mut zusprechen.“
Ihre freie Hand glitt über meinen Oberschenkel nach innen, fand zielsicher den starren Zylinder unter dem Denim und umschloss ihn mit festem, unnachgiebigem Griff. Der Druck presste die hintere Halterung tief ins Schambein. Ein ersticktes Keuchen entwich meiner Kehle.
„Spürst du das?“, raunte sie und verstärkte den Griff gerade so viel, dass der Schmerz jede Faser elektrisierte. „Das ist das Einzige, was dir gehört: die Enge. Timo bekommt morgen alles, wovon du seit Wochen nur phantasierst – und er muss dafür keinen Finger krumm machen. Er muss nicht auf Knien betteln, er muss keine Kisten schleppen, er muss sich nicht von mir einsperren lassen. Er nimmt es sich einfach, weil er ein Mann ist. Und du… du bist mein kleiner Hausgeist, der dafür sorgt, dass die Bettwäsche frisch bezogen ist.“
Jedes Wort traf mich wie ein Hieb in die Magengrube. Die Scham und die Eifersucht schnürten mir die Kehle zu, während gleichzeitig eine dunkle, verzweifelte Erregung durch die Adern pulsierte, angefacht von ihrer Nähe, ihrer Verachtung und der brutalen Aussicht auf das, was morgen geschehen würde.
Sie löste den Griff so unvermittelt, dass ich fast vornüberkippte.
Mit einer eleganten Bewegung lehnte sie sich zurück, steckte den Schlüssel wieder in die Hosentasche und griff nach ihrem Smartphone auf dem Couchtisch. Das Display leuchtete grell auf und beleuchtete ein Gesicht, das wieder vollkommen gleichgültig, fast gelangweilt wirkte. Der Moment war vorbei; sie hatte mich benutzt, meinen Willen festgezurrt und schaltete mich ab wie ein Gerät.
„Mach das Licht aus, wenn du gehst“, sagte sie, ohne aufzusehen, während ihre Daumen über die Tastatur flogen. „Und wehe, morgen steht nicht pünktlich der Kaffee auf dem Tisch. Ab in dein Zimmer, John.“
Ich brauchte zwei Versuche, um mich auf die zitternden Beine zu stemmen. Der Körper schmerzte, die Leiste glühte, und im Kopf blieb nur der morgige Tag: Timos Ankunft und das Spiel, aus dem es kein Entkommen mehr gab.
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