What's next?
Samstag: Neuer Tag, neues Glück
Der Kater, mit dem ich am nächsten Morgen aufwachte, war beileibe kein schnurrendes Schmusekätzchen. Es war ein fieser, fetter Streuner mit abgebissenen Ohren, der mich auch noch aggressiv anfauchte.
Immerhin war heute frei und ich brauchte nicht aufspringen, um ins Seminar zu rennen. So konnte ich mir Zeit lassen, bis ich mal wieder an der Hotelbar saß. Dieses Mal jedoch mit einem doppelten Espresso.
Ich fühlte mich grade wieder einigermaßen hergestellt, da blieb mir das Croissant, das ich noch ergattert hatte, im Halse stecken: Aus dem Fahrstuhl traten Ines und Pam. Zu allem Überfluss steuerten die beiden auch noch direkt auf mich zu. Mir wurde ganz heiß und instinktiv zog ich den Kopf zwischen die Schultern. Aber das machte mich natürlich nicht unsichtbar, wie ich gehofft hatte.
„Wieder fit, Herr Kollege?“, rief Ines spöttisch.
Ich machte einen gequälten Gesichtsausdruck, der signalisieren sollte, dass ich mich schuldig fühlte, aber nicht an den gestrigen Abend erinnert werden wollte. Das hatte immerhin die erhoffte Wirkung auf Pam. Sie legte mir voll Mitleid die Hand auf den Arm.
„Wir gehen jetzt shoppen“, verkündete sie fröhlich.
Ich war offenbar noch nicht wieder ganz Herr meiner Sinne, denn sofort platzte meine größte Furcht aus mir heraus.
„Allein?“
„Wir shoppen Mädels-Sachen“, stellte Ines scharf klar. „Da können wir keine Neandertaler gebrauchen.“
Ich setzte wieder meinen gequälten Gesichtsausdruck auf, bis Pam mich beruhigte: „Du bist gar nicht gemeint, Michael. Ines ist noch genervt wegen der Kollegen. Nachdem du weg warst, sind uns die Poser noch ziemlich auf die Nerven gegangen.“
Ich nickte verständnisvoll, aber innerlich jubelte ich. Das hieß wohl, dass ich noch im Rennen war.
Wir machten aus, dass ich mich melden würde, wenn ich wieder ganz auf dem Damm wäre. Die beiden empfahlen mir die Hotelsauna, da könnte ich alles ausschwitzen. Mir lag schon auf der Zunge, dass wir ja zusammen dorthin gehen könnten. Aber dann verkniff ich mir den Kommentar. Ich wollte meine Chancen ja nicht gleich wieder kaputt machen.
Schließlich sahen Ines und Pam auch angezogen heute wieder zum Anbeißen aus. Sie hatten sich fürs Shopping in Schale geworfen: beide in engen Tops, kurzer Rock bei Pam bzw. Designerjeans bei Ines, die ihren Arsch schön zur Geltung brachte, und vor allem hochhackige Schuhe, auf die sie während des Seminars aus Bequemlichkeit verzichteten. So stöckelten sie, ihre Designerhandtäschchen unter den Arm geklemmt, durch die Lobby davon.
Meine Laune hatte sich spürbar gebessert. Ich trank noch ein großes Glas Wasser und fuhr dann wieder hoch in mein Zimmer. Zufrieden, dass ich heute nichts weiter zu tun hatte, legte ich mich aufs Bett und machte kurz die Augen zu. Kurz hieß in diesem Fall zwei Stunden.
Was sollte ich jetzt mit dem angebrochenen Tag anfangen? Zuerst einmal schrieb ich Bärbel eine Nachricht, um zu hören, ob zu Hause alles in Ordnung war. Ich wartete kurz, aber ich erhielt erst einmal keine Antwort. Deshalb ging ich runter, besorgte mir etwas zu Essen und vertrat mir in dem kleinen Park in der Nähe des Hotels noch kurz die Beine. Ich überlegte, vielleicht noch einen Ausflug ins Zentrum zu machen ...
Allerdings war ich ein wenig beunruhigt, dass sich Bärbel immer noch nicht gemeldet hatte. Ich könnte ja einfach mal nachschauen, was sie so trieb. Ich hatte sie ja seit gestern Vormittag nicht gesehen und da hatte sie ja auch bloß das Haus verlassen, um Murat im Auto einen zu blasen. Richtige Action sah anders aus. Da war es ja wohl o.k., mal kurz nachzugucken, ob es was Neues gab.
Ach ja, und da war der Videocall mit meinen Eltern gewesen. Der Gedanke daran, löste in mir ein ungutes Gefühl aus. Aber Bärbel hatte doch ausdrücklich gesagt, dass ich nicht zurückrufen brauchte?! Oder war das Gegenteil gemeint gewesen und ich hätte mich auf jeden Fall melden müssen? Hatte sie deshalb noch nicht zurückgeschrieben, weil sie sauer war?
Manchmal verstand ich die Frauen nicht. Ich beschloss, nicht länger zu grübeln und hakte diesen Punkt gedanklich ab. Um so wichtiger, mal kurz zu gucken, was bei Bärbel grade so los war.
Würde sie nach dem ruhigen Freitag die Pause ins Wochenende verlängern? Oder würde meine notgeile Frau ihr Sexprogramm wieder aufnehmen? Für wen machte sie heute die Beine breit, solange ihr Trottel von Ehemann nicht da war? Ich war auf alles gefasst.
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