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Das Gasthaus zum Goldenen Hirsch

Chapter 21 by vaelinalsorna

Das Wirtshaus war gut besucht.

Der Duft von frischem Brot, gebratenem Fleisch und würzigem Bier erfüllte den Schankraum. An den langen Holztischen saßen Händler, Handwerker und Reisende, deren Gespräche sich zu einem stetigen Murmeln vermischten. Das Feuer im großen Kamin knisterte leise und vertrieb die Abendkühle.

Darian und Corvin fanden einen freien Tisch in einer Ecke.

Kaum hatten sie Platz genommen, trat eine Schankmagd an sie heran.

Sie war etwa in Darians Alter. Dunkles, brünettes Haar fiel ihr in sanften Wellen über die Schultern, und ihr rundes Gesicht wurde von einem warmen Lächeln erhellt. Ihre kräftige, dralle Statur verriet, dass sie harte Arbeit gewohnt war, doch sie bewegte sich mit einer natürlichen Anmut zwischen den dicht stehenden Tischen.

„Willkommen im Goldenen Hirsch“, sagte sie freundlich. „Was darf ich euch bringen?“

„Zwei Bier“, antwortete Corvin, bevor er grinsend zu Darian hinübersah. „Und etwas Warmes zu essen.“

„Kommt sofort.“

Als sie sich umdrehte, blieb Darians Blick für einen kurzen Moment an ihr hängen.

Corvin bemerkte es natürlich.

„Pass auf“, murmelte er mit einem breiten Grinsen. „Nicht, dass sie dich noch beim Starren erwischt.“

„Zu spät.“

Die Stimme der Schankmagd erklang hinter ihnen.

Darian blickte überrascht auf.

Sie lächelte amüsiert.

„Ich heiße übrigens Kira.“

„Darian.“

„Freut mich.“

Ihre Blicke trafen sich einen Moment länger als nötig.

Dann verschwand sie zwischen den Tischen.

Corvin konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen.

„Das fängt ja gut an.“

Kurze Zeit später brachte Kira zwei Krüge Bier und dampfenden Eintopf.

„Lasst es euch schmecken.“

„Danke.“

„Für Reisende aus dem Norden seht ihr erstaunlich geschniegelt aus.“

Ein spielerisches Funkeln lag in ihren Augen.

Darian musste schmunzeln.

„Dann hättest du uns vor ein paar Wochen sehen sollen.“

„Lieber nicht.“

Sie lachte leise.

„Ich glaube, ich bevorzuge euch geschniegelt.“

Mit einem letzten Lächeln wandte sie sich wieder ihrer Arbeit zu.

Immer wieder kreuzten sich ihre Wege im Laufe des Abends.

Mal wechselten sie nur wenige Worte.

Mal blieb sie einen Moment länger am Tisch stehen.

Jedes Mal schien das Lächeln zwischen ihnen ein wenig vertrauter zu werden.

Währenddessen hatten sich auch einige Einheimische zu Darian und Corvin gesetzt.

Die Neuankömmlinge aus dem Norden hatten schnell Aufmerksamkeit erregt.

„Stimmt es wirklich, dass Nordwacht gefallen ist?“

Ein älterer Schmied sah Darian ernst an.

„Man erzählt sich hier vieles.“

Ein anderer Gast beugte sich vor.

„Und Eichstätt?“

„War der Aufstand wirklich so schlimm?“

Darian und Corvin berichteten nur von dem, was sie selbst erlebt hatten.

Von den Flüchtlingslagern.

Von der Angst.

Von den Gerüchten, die schließlich im Zorn geendet hatten.

Je länger sie erzählten, desto stiller wurde der Tisch.

Selbst die Männer, die zuvor laut gelacht hatten, hörten aufmerksam zu.

Als die Krüge geleert waren, erschien Kira erneut.

„Ich glaube, ihr könnt noch eine Runde vertragen.“

Sie stellte zwei frische Bierkrüge vor ihnen ab.

Dabei beugte sie sich weit über den Tisch, um Darian seinen Krug hinzustellen. Ihr Kleid verrutschte dabei ein wenig, und sie schenkte ihm einen kurzen, neckischen Blick, der keinen Zweifel daran ließ, dass ihr die Wirkung ihres Auftretens bewusst war.

Sie lächelte.

Ein warmes, beinahe verschwörerisches Lächeln.

Dann trat sie dicht an Darian heran.

So dicht, dass nur er ihre nächsten Worte hören konnte.

„Wenn du später noch Lust auf etwas Gesellschaft hast...“

Sie machte eine kaum merkliche Kopfbewegung in Richtung des Hofes.

„...komm um Mitternacht hinter die Stallungen.“

Für einen flüchtigen Moment berührten sich ihre Blicke.

Dann richtete sie sich wieder auf, als wäre nichts geschehen.

Mit einem freundlichen Lächeln wandte sie sich dem nächsten Tisch zu und verschwand erneut im geschäftigen Treiben der Schankstube.

Darian blieb einen Augenblick reglos sitzen.

Vor ihm stand der frische Bierkrug.

Neben ihm hob Corvin eine Augenbraue.

Offenbar hatte er bemerkt, dass Kira Darian etwas zugeflüstert hatte.

„Nun?“, fragte er neugierig.

Darian antwortete nicht sofort.

Sein Blick glitt unwillkürlich zur Tür, hinter der die Dunkelheit des Hofes lag.

Mitternacht war noch einige Stunden entfernt.

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